Vorteile einer reduzierten Fleischproduktion für Umwelt und Gesellschaft
Eine aktuelle Studie im Auftrag des NABU zeigt auf, dass eine Reduzierung des Fleischkonsums in Deutschland erhebliche Vorteile für Natur- und Klimaschutz mit sich bringen kann, ohne die Ernährungssicherheit zu gefährden. Die Untersuchung befasst sich mit den Zielkonflikten zwischen landwirtschaftlicher Produktion und dem Schutz von Natur und Klima auf landwirtschaftlich genutzten Flächen.
Die Ergebnisse legen nahe, dass eine Umstellung der Tierfütterung auf für den Menschen ungenießbare Produkte eine ausreichende Produktion von Fleisch, Milch und Eiern für eine ausgewogene Ernährung in Deutschland ermöglicht. Dies wäre auch dann der Fall, wenn die Fleischproduktion um 58 Prozent und die Milchproduktion um 22 Prozent zurückgingen. Zusätzliche Importe oder eine Verlagerung des ökologischen Fußabdrucks ins Ausland wären demnach nicht notwendig. Auch der Bedarf an Futtersoja-Importen würde sich stark reduzieren.
Ein zentraler Faktor für dieses Ergebnis ist eine pflanzenbetonte Ernährung, die sich als doppelt so flächeneffizient erweist wie die tierische Produktion. Die Erträge eines Hektars pflanzlicher Nahrung können die Produkte von zwei Hektar Futtermittel ersetzen, die später als tierische Produkte konsumiert werden.
Nach den Diskussionen des vergangenen Jahrs ist nun klar: Eine Landwirtschaft, die Ernährungssicherheit und Natur- und Klimaschutz zusammenbringt, ist keine bloße Träumerei, sondern eine realistische Möglichkeit. Und sie ist auch dringend nötig.
Ein Festhalten am aktuellen System würde weiterhin die Artenvielfalt, Böden, Gewässer und das Klima belasten und somit die landwirtschaftliche Produktionsgrundlage gefährden. Für einen erfolgreichen Wandel sind sowohl eine Anpassung der landwirtschaftlichen Erzeugung als auch der Konsumgewohnheiten erforderlich. Es bedarf einer naturverträglichen Landwirtschaft und einer stärker pflanzenbetonten Ernährung. Die Politik auf Bundes- und Landesebene trägt hierbei die Verantwortung, fundierte und umfassende Rahmenbedingungen zu schaffen und konsequent umzusetzen.
Pierre Johannes, Referent für Agrarpolitik, betont die weitreichenden Möglichkeiten einer Reduzierung des Fleischkonsums:
Eine Halbierung unseres Fleischkonsums schafft große Spielräume für mehr Natur- und Klimaschutz, auch über die aktuell viel diskutierten Maßnahmen der Farm-to-Fork-Strategie hinaus – etwa bei der Frage, zehn Prozent Biodiversitätsflächen freizustellen, Pflanzenschutz- und Düngemittel zu reduzieren oder den Ökolandbaus auf 30 Prozent auszubauen. Auch die Wiedervernässung von Mooren und die Erhöhung des Leguminosenanteils auf Deutschlands Äckern wird möglich – ohne, dass mehr Produktion ins Ausland verlagert wird.
Methodik der Studie
Die Studie basiert auf dem agrarökonomischen Modell CAPRI (Common Agricultural Policy Regional Impact Analysis), das unter anderem von der EU-Kommission zur Folgenabschätzung eingesetzt wird. Dieses Modell berechnet die Auswirkungen verschiedener Maßnahmen auf Produktionsmengen und Flächenverbrauch. Zu diesen Maßnahmen gehören die Reduktion von Pestiziden und Düngemitteln, der Ausbau des Ökolandbaus, die Wiedervernässung von Moorflächen sowie die Beschränkung der Tierfütterung auf Gras und Nebenprodukte.
Das Modell berücksichtigt dabei die spezifischen Produktionsstrukturen und klimatischen Bedingungen in Deutschland. Die ermittelten Rohstoffmengen, die zur Deckung der Nachfrage bei pflanzenbetonten Ernährungsoptionen (angelehnt an die Planetary Health Diet der EAT-Lancet Kommission) notwendig wären, werden den Ernte- beziehungsweise Produktionsmengen gegenübergestellt, um die Flächenbilanzen zu ermitteln.
