Energie- und Lebensmittelpreise treiben Teuerung auf Rekordniveau
Die Inflationsrate in Deutschland lag im Mai 2022 bei +7,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Damit wurde im dritten Monat in Folge ein neuer Höchststand im vereinigten Deutschland erreicht. Bereits im März hatte die Teuerung bei +7,3 Prozent, im April bei +7,4 Prozent gelegen. Gegenüber April 2022 stiegen die Verbraucherpreise um weitere 0,9 Prozent.
Treiber der Entwicklung bleiben vor allem die stark gestiegenen Energiepreise. Gleichzeitig verteuerten sich zahlreiche weitere Güter, insbesondere Nahrungsmittel. Eine vergleichbar hohe Inflationsrate wurde zuletzt im Winter 1973/1974 im früheren Bundesgebiet verzeichnet – infolge der ersten Ölkrise.
„Die Inflationsrate erreichte damit im dritten Monat in Folge einen neuen Höchststand im vereinigten Deutschland. Hauptursache für die hohe Inflation sind nach wie vor Preiserhöhungen bei den Energieprodukten. Aber wir beobachten auch Preisanstiege bei vielen anderen Gütern, besonders bei den Nahrungsmitteln“, sagt Dr. Georg Thiel, Präsident des Statistischen Bundesamtes (Destatis). „Eine ähnlich hohe Inflationsrate gab es zuletzt im Winter 1973/1974 im früheren Bundesgebiet, als infolge der ersten Ölkrise die Mineralölpreise stark gestiegen waren“, so Thiel weiter.
Energie verteuert sich um 38,3 Prozent
Die Preise für Energieprodukte lagen im Mai 2022 um 38,3 Prozent über dem Vorjahresniveau, nach +35,3 Prozent im April. Besonders deutlich fiel der Anstieg bei leichtem Heizöl mit +94,8 Prozent aus. Auch Erdgas (+55,2 Prozent) und Kraftstoffe (+41,0 Prozent) verteuerten sich erheblich.
Weitere Energieprodukte lagen ebenfalls klar über der Gesamtteuerung, darunter feste Brennstoffe (+33,4 Prozent) und Strom (+21,5 Prozent). Neben den Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine und gestörten Lieferketten wirkte sich auch die zum Jahresbeginn erhöhte CO2-Abgabe von 25 auf 30 Euro pro Tonne CO2 preistreibend aus.
Nahrungsmittelpreise steigen zweistellig
Die Preise für Nahrungsmittel erhöhten sich binnen Jahresfrist um 11,1 Prozent, nach +8,6 Prozent im April. In allen Warengruppen wurden Preiserhöhungen festgestellt. Besonders stark verteuerten sich Speisefette und Speiseöle (+38,7 Prozent).
Fleisch und Fleischwaren (+16,5 Prozent), Molkereiprodukte und Eier (+13,1 Prozent) sowie Brot und Getreideerzeugnisse (+10,8 Prozent) wiesen ebenfalls zweistellige Zuwachsraten auf. Für private Haushalte bedeutet dies spürbare Mehrbelastungen im täglichen Einkauf.
Waren deutlich teurer, Dienstleistungen moderat
Die Preise für Waren insgesamt stiegen gegenüber Mai 2021 um 13,6 Prozent. Neben Energie und Lebensmitteln verteuerten sich auch Fahrzeuge (+9,1 Prozent), Geräte für Informationsverarbeitung (+8,0 Prozent) sowie Möbel und Leuchten (+7,4 Prozent). Verbrauchsgüter erhöhten sich um 17,9 Prozent, Gebrauchsgüter um 5,5 Prozent.
Die Inflationsrate ohne Energie lag bei +4,5 Prozent. Ohne Berücksichtigung von Energie und Nahrungsmitteln betrug sie +3,8 Prozent. Dies verdeutlicht, wie stark beide Bereiche die Gesamtteuerung prägen, zugleich aber auch, dass Preissteigerungen in nahezu allen Segmenten auftreten.
Dienstleistungen verteuerten sich im Jahresvergleich um 2,9 Prozent. Nettokaltmieten erhöhten sich um 1,7 Prozent. Deutlich teurer wurden unter anderem die Wartung und Reparatur von Wohnungen und Wohnhäusern (+12,1 Prozent) sowie von Fahrzeugen (+6,1 Prozent), während Telekommunikation (-0,9 Prozent) und Leistungen sozialer Einrichtungen (-2,5 Prozent) günstiger wurden.
Anstieg auch im Monatsvergleich
Im Vergleich zum April 2022 stieg der Verbraucherpreisindex um 0,9 Prozent. Die Energiepreise erhöhten sich um 2,8 Prozent, darunter Erdgas (+5,3 Prozent), Strom (+2,0 Prozent) und Heizöl (+1,9 Prozent). Auch Kraftstoffe verteuerten sich um 2,7 Prozent.
Nahrungsmittel kosteten im Monatsvergleich durchschnittlich 2,1 Prozent mehr, insbesondere Speisefette und Speiseöle (+9,9 Prozent), Fleisch und Fleischwaren (+4,4 Prozent) sowie Molkereiprodukte (+4,2 Prozent). Preisrückgänge gab es nur vereinzelt, etwa bei Gemüse (-4,7 Prozent), darunter Tomaten (-25,5 Prozent) und Gurken (-19,0 Prozent).
