Mehrwertsteuersenkung dämpft Preisentwicklung
Ein wesentlicher Faktor für die negative Inflationsrate war die temporäre Senkung der Mehrwertsteuersätze. Diese Maßnahme des Konjunkturpakets der Bundesregierung wurde zum 1. Juli 2020 umgesetzt und wirkte sich seitdem im Vorjahresvergleich dämpfend auf die Verbraucherpreise aus.
Waren verbilligten sich infolge niedriger Energiepreise
Die Preise für Waren insgesamt sanken von Oktober 2019 bis Oktober 2020 um 1,5 Prozent. Dies ist hauptsächlich auf die Preisrückgänge bei Energieprodukten von -6,8 Prozent zurückzuführen. Insbesondere verringerten sich die Preise für Heizöl um -37,2 Prozent und für Kraftstoffe um -10,7 Prozent im Vorjahresvergleich.
Demgegenüber erhöhten sich die Preise für Nahrungsmittel binnen Jahresfrist um 1,4 Prozent. Teurer waren vor allem Fleisch und Fleischwaren (+4,1 Prozent) sowie Obst (+3,8 Prozent). Speisefette und Speiseöle waren hingegen günstiger (-3,5 Prozent). Auch Tabakwaren verteuerten sich merklich um +5,4 Prozent. Deutlich günstiger wurden einige Gebrauchsgüter wie Telefone (-6,7 Prozent), Geräte der Informationsverarbeitung (-5,3 Prozent) und der Unterhaltungselektronik (-5,0 Prozent).
Inflationsrate ohne Energieprodukte bei +0,6 Prozent
Die deutlichen Preisrückgänge bei Energieprodukten im Vergleich zum Vorjahresmonat beeinflussten die Inflationsrate maßgeblich. Ohne Berücksichtigung der Preise für Energieprodukte hätte die Inflationsrate im Oktober 2020 bei +0,6 Prozent gelegen.
Dienstleistungen verteuerten sich um 1,0 Prozent
Die Preise für Dienstleistungen insgesamt stiegen im Oktober 2020 gegenüber dem Vorjahresmonat um 1,0 Prozent. Eine wichtige Rolle spielte dabei die Erhöhung der Nettokaltmieten um +1,4 Prozent, da private Haushalte einen erheblichen Teil ihrer Konsumausgaben dafür aufwenden.
Zudem erhöhten sich die Preise für einige Leistungen mit geringerer Bedeutung stärker, beispielsweise für Sparkassen- und Bankgebühren (+6,4 Prozent), Dienstleistungen der häuslichen Pflege (+6,6 Prozent) oder das Entgelt für Glücksspiel (+13,7 Prozent). Letzteres resultierte insbesondere aus höheren Preisen beim Lotto „6 aus 49“. Fahrkarten im Fernverkehr wurden hingegen erheblich günstiger (-17,1 Prozent), was vor allem auf die seit Jahresbeginn abgesenkte Mehrwertsteuer für Bahnfernfahrten von 19 Prozent auf 7 Prozent zurückzuführen ist.
Steigende Preise für Heizöl und Gemüse im Vormonatsvergleich
Im Vergleich zum September 2020 stieg der Verbraucherpreisindex im Oktober 2020 insgesamt nur geringfügig um 0,1 Prozent. Bei den Energieprodukten mussten Verbraucher insbesondere mehr für Heizöl (+3,2 Prozent) bezahlen, nachdem die Heizölpreise im September 2020 gegenüber dem Vormonat um 6,9 Prozent gefallen waren. Bei den Nahrungsmitteln (+0,4 Prozent) wurde im Oktober 2020 binnen Monatsfrist insbesondere Gemüse teurer (+3,1 Prozent). Hingegen führten höhere Zuschüsse der Krankenkassen für Zahnersatz bei gesetzlich Versicherten zu sinkenden Preisen für zahnärztliche Dienstleistungen (-5,0 Prozent).
