Wiederbelebung der Artenvielfalt in Hochmooren
Hochmoore sind essenziell für den Klimaschutz und den Wasserhaushalt von Landschaften. Sie bieten zudem Lebensraum für spezialisierte, seltene und gefährdete Tier- und Pflanzenarten. Entwässerte und abgebaute Moorflächen hinterlassen hingegen homogene und weitgehend vegetationsfreie Areale.
Im Projekt „Insekten beleben Moore“ sollen im Naturschutzgebiet „Totes Moor“ in der Region Hannover abgetorfte Flächen wiedervernässt und mit hochmoortypischen Pflanzen besiedelt werden. Ziel ist die Rückkehr der hochmoortypischen Insekten. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit fördert das Projekt mit rund 1,8 Millionen Euro im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt. Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) begleitet das Vorhaben inhaltlich.
In Deutschland gelten mehr als 90 Prozent der Moorflächen als entwässert – sie wurden für den Torfabbau trockengelegt. Ihre natürlichen Funktionen können sie dadurch nicht mehr entfalgen. Nasse Moore dienen als Wasserspeicher und als Lebensraum selten gewordener Arten, außerdem speichern sie CO2 und spielen damit nicht nur für den Natur- sondern auch für den Klimaschutz eine wichtige Rolle. Deshalb wollen wir den Schutz der Moore mit neuen Renaturierungsmethoden fördern, damit die Artenvielfalt wiederhergestellt und gewahrt werden kann.
Bundesumweltministerin Svenja Schulze betont die Bedeutung nasser Moore als Wasserspeicher, Lebensraum und CO2-Senke. Der Schutz der Moore durch neue Renaturierungsmethoden soll die Artenvielfalt wiederherstellen und bewahren.
Im Projekt ‚Insekten beleben Moore‘ werden die entwässerten, abgetorften Flächen wiedervernässt und mit Moorpflanzen aus der direkten Umgebung ‚geimpft‘. Dadurch schaffen wir die Voraussetzungen dafür, dass sich das typische Moor wieder flächendeckend ausbreiten kann und wertvoller Lebensraum für die speziell an Hochmoore angepassten Insekten und andere moortypische Arten zurückgewonnen wird.
BfN-Präsidentin Prof. Dr. Beate Jessel erläutert, dass durch die Wiedervernässung und das „Impfen“ mit Moorpflanzen die Voraussetzungen für die Ausbreitung des typischen Moors geschaffen werden. Dies soll wertvollen Lebensraum für spezialisierte Insekten und andere moortypische Arten zurückgewinnen.
Neue Renaturierungsmethoden für mehr Artenvielfalt
Im Projektgebiet „Totes Moor“ bei Neustadt am Rübenberge wird weiterhin Torf abgebaut. Nach dem Torfabbau ist zwar eine Wiedervernässung vorgeschrieben, jedoch entwickeln sich auf diesen Flächen ohne zusätzliche Renaturierungsmaßnahmen oft artenarme, blüten- und insektenfreie Lebensräume, die über Jahrzehnte stabil bleiben.
Die Region Hannover und das Institut für Umweltplanung der Leibniz Universität Hannover streben an, ein struktur- und insektenreiches Hochmoor zu schaffen. Dazu wird der Boden reliefartig gestaltet und mit Pflanzgut von nie abgetorften „Heile Haut“-Flächen „geimpft“. Dies soll die Entwicklung eines Moores mit den für Insekten notwendigen Mikrohabitaten wie Blüten, Larvenfutterpflanzen, Eiablage- und Überwinterungshabitaten fördern.
Die Maßnahmen zielen auf die gesamte Lebensgemeinschaft des Hochmoorkomplexes ab. Feuchtheiden, Übergangsmoore sowie das Nebeneinander von trockenen Bulten und nassen Schlenken bieten Lebensraum für viele hochspezialisierte und oft seltene Arten.
Die Region Hannover erprobt die Maßnahmen zunächst auf sieben Flächen in unterschiedlichen Entwicklungsstadien nach dem Torfabbau und mit verschiedenen Standortbedingungen. Dazu gehören sowohl kürzlich abgetorfte, vegetationsfreie Bereiche als auch Flächen, die bereits vor bis zu 30 Jahren wiedervernässt wurden, aber bisher keine typischen und für Insekten wichtigen Pflanzenarten und Strukturen entwickelt haben.
Die Leibniz Universität Hannover untersucht die Wirkung der „Impfungen“ und erarbeitet Empfehlungen für größere Flächen. Die erfolgreichsten Renaturierungsmaßnahmen sollen anschließend auf bis zu 50 Hektar umgesetzt werden. Die Projektergebnisse werden mit Experten der Hochmoor-Renaturierung diskutiert. Für die Öffentlichkeit bietet der Naturpark Steinhuder Meer Exkursionen und Veranstaltungen an.
Das Bundesprogramm Biologische Vielfalt
Das Bundesprogramm Biologische Vielfalt unterstützt seit 2011 die Umsetzung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS). Es fördert Vorhaben, die im Rahmen der NBS eine gesamtstaatlich repräsentative Bedeutung haben oder die Strategie beispielhaft umsetzen.
Die geförderten Maßnahmen tragen dazu bei, den Rückgang der biologischen Vielfalt in Deutschland zu stoppen und langfristig in einen positiven Trend umzukehren. Sie dienen dem Schutz, der nachhaltigen Nutzung und der Entwicklung der biologischen Vielfalt und gehen über die rechtlich geforderten Standards hinaus. Akzeptanzbildende Maßnahmen der Information und Kommunikation stärken das gesellschaftliche Bewusstsein für die biologische Vielfalt.
