Dringlichkeit des Insektenschutzes in Agrarlandschaften
Mit ihrem Aktionsprogramm Insektenschutz hat die Bundesregierung vor knapp zwei Jahren einen überfälligen Maßnahmenkatalog für einen besseren Insektenschutz vorgelegt. Jetzt gilt es, das Aktionsprogramm ‚eins-zu-eins‘ umzusetzen, anstatt die Vereinbarungen schon wieder in Frage zu stellen.
Die Organisationen betonen, dass die Bestandsentwicklung der Insekten, insbesondere in Agrarlandschaften, weiterhin kritisch ist. Daher fordern sie die Bundesregierung auf, ihre Zusagen einzuhalten.
Kernforderungen der Umweltorganisationen zum Schutz der Insekten
Zu den zentralen Forderungen gehört ein Verbot biodiversitätsschädigender Pestizide in Naturschutzgebieten und FFH-Gebieten. Ebenso wird ein konsequenter Ausstieg aus der Nutzung von Glyphosat sowie die Einführung pestizidfreier Randstreifen an allen Gewässern und deren Quellregionen angemahnt. Sollte die Bundesregierung in dieser Legislaturperiode keine Lösung finden, sehen die Verbände die notwendigen legislativen Schritte für den Insektenschutz als gefährdet an. Dies würde die Glaubwürdigkeit der Bundesregierung beeinträchtigen.
Die Umweltorganisationen appellieren zudem an die Politik in Bund und Ländern, sich für eine umfassende Definition von biodiversitätsschädigenden Pestiziden einzusetzen. Die aktuelle Bienenschutzverordnung, die bestimmte Neonicotinoide als „nicht bienengefährlich“ einstuft, wird als unzureichend für einen angemessenen Insektenschutz kritisiert. Es dürften keine weiteren Ausnahmen vom Pestizidverbot in FFH-Gebieten zugelassen werden, es sei denn, diese werden durch Programme zur Pestizidreduktion und zur Förderung der biologischen Vielfalt in Sonderkulturen begleitet.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die konsequente Umsetzung des vereinbarten Glyphosatausstiegs, insbesondere ein sofortiges Verbot der flächenhaften Anwendung auf Grünland.
Wenn die Bundesregierung das Gesetzespaket weiter verwässert, verfestigt sie den Eindruck, dass Insekten nur in Sonntagsreden systemrelevant sind. Dies wäre unverantwortlich gegenüber dem sich weiter verschärfenden Artensterben und würde die klare Erwartungshaltung von großen Teilen der Gesellschaft verkennen.