Dezentrale Lösungen und Begrünung prägen die klimaangepasste Stadtentwicklung
Längere Hitzeperioden, geringere Niederschläge im Sommer und gleichzeitig häufigere Starkregenereignisse stellen Städte zunehmend vor Herausforderungen. Durch wachsende Flächenversiegelung verschärft sich die Situation zusätzlich. Für den Garten- und Landschaftsbau rückt damit eine klimaangepasste Regenwasserbewirtschaftung immer stärker in den Fokus.
Im Zentrum steht die sogenannte Schwammstadt: Regenwasser wird nicht mehr schnell abgeleitet, sondern gezielt gespeichert, genutzt und verdunstet. Ziel ist es, Stadtbäume ausreichend zu versorgen, Überhitzung zu reduzieren und den natürlichen Wasserhaushalt möglichst stabil zu halten.
Marktbefragung zeigt klare Trends
Eine aktuelle Befragung mit 4.458 Teilnehmenden aus Planung, Handwerk, Behörden und Handel bestätigt die wachsende Relevanz dezentraler Konzepte. 77 % der Befragten bewerten die dezentrale Regenwasserbewirtschaftung positiv. Gleichzeitig erwarten 98 % eine gleichbleibende oder steigende Nachfrage in diesem Bereich.
Die wichtigsten Zukunftsthemen spiegeln die klimatischen Entwicklungen wider. Starkregen (74 %) und Regenwassernutzung (72 %) stehen im Fokus. Dabei wird deutlich: Einzelmaßnahmen reichen nicht aus – gefragt ist das Zusammenspiel aller Elemente der Regenwasserbewirtschaftung.
Dazu zählen insbesondere Rückhaltung, Speicherung und Nutzung, Behandlung, Versickerung sowie Verdunstung. Erst die Kombination dieser Bausteine ermöglicht eine nachhaltige Anpassung an die Folgen des Klimawandels.
Praxisstrategien für klimaresiliente Städte
Konkrete Umsetzungsansätze zeigen, wie sich das Schwammstadtprinzip in der Praxis realisieren lässt. Multifunktionale Flächen, Baumrigolen und dezentrale Speicherlösungen tragen dazu bei, Niederschläge lokal zu managen und gleichzeitig die Aufenthaltsqualität im urbanen Raum zu verbessern.
Ein Beispiel sind die Berliner Buckower Felder, wo verschiedene Maßnahmen kombiniert wurden, um sowohl Starkregen als auch Trockenperioden zu berücksichtigen. Solche Projekte verdeutlichen, wie technische Infrastruktur und Freiraumplanung ineinandergreifen können.
Auch modulare Systeme zur Behandlung belasteter Niederschlagswässer gewinnen an Bedeutung – etwa bei Verkehrs- oder Dachflächen. Sie ermöglichen eine gezielte Reinigung, bevor das Wasser versickert oder weiterverwendet wird.
Begrünung als integraler Bestandteil
Ein weiterer zentraler Baustein klimaresilienter Städte ist die Gebäudebegrünung. Mit über zehn Millionen Quadratmetern neu angelegter Gründachfläche allein im Jahr 2023 zeigt sich ein deutlicher Marktzuwachs. Auch Fassadenbegrünungen nehmen kontinuierlich zu.
Mehr als die Hälfte der Städte mit über 50.000 Einwohnern fördern entsprechende Maßnahmen finanziell. Neben klassischen Gründächern kommen zunehmend Retentionsgründächer, Biodiversitätsflächen und Solargründächer zum Einsatz.
Diese Systeme leisten einen wichtigen Beitrag zur Wasserrückhaltung, verbessern das Mikroklima und unterstützen die städtische Biodiversität – Aspekte, die auch für den Gartenbau und die Planungspraxis zunehmend relevant sind.
Realisierte Projekte zeigen Umsetzungspotenzial
Konkrete Bauvorhaben verdeutlichen die Leistungsfähigkeit moderner Konzepte. Das Bürogebäude AERA in Berlin-Charlottenburg verfügt über einen öffentlich zugänglichen Dachgarten mit vielfältiger Bepflanzung. Ein integriertes Retentionssystem speichert Wasser und stellt es in Trockenperioden zur Verfügung.
Gleichzeitig wird bei Starkregen das Risiko von Überflutungen reduziert. Ein weiteres Beispiel ist der sanierte Gendarmenmarkt: Hier wurde die Fläche vollständig von der Kanalisation entkoppelt. Das Regenwasser wird gereinigt und anschließend über unterirdische Systeme versickert.
Solche Projekte zeigen, dass die Schwammstadt längst keine Vision mehr ist. Für den Garten- und Landschaftsbau ergeben sich daraus vielfältige neue Aufgabenfelder – von der Planung über den Bau bis hin zur Pflege klimaangepasster Infrastrukturen.
