Dächer als multifunktionale Flächen im urbanen Raum
Dächer werden zunehmend als wertvolle Flächen im urbanen Raum erkannt. Sie bieten nicht mehr nur Schutz vor Witterung, sondern eröffnen vielfältige Möglichkeiten zur Steigerung der Lebensqualität und zur Integration von Gebäuden in ihre Umgebung. Nophadrain, ein Unternehmen, das sich seit über 20 Jahren mit der Entwicklung und Herstellung von Nutzdachsystemen befasst, sieht darin eine zentrale Herausforderung, um den Bedürfnissen der Stadtbevölkerung gerecht zu werden.
Stephan Droog, Direktor von Nophadrain, erläutert die Philosophie seines Unternehmens: "Im Vergleich zu vor 20 Jahren werden Dächer heute nicht mehr nur als das obere Ende des Gebäudes betrachtet. Architekten erkennen die Möglichkeiten, Dächer wirklich zu nutzen, den immer wertvoller werdenden Raum optimal zu planen und das Gebäude in die Umgebung zu integrieren, um damit die Lebensqualität und das emotionale Erleben von Menschen in Städten zu verbessern."
Vom Gründach zum multifunktionalen Nutzdach
Ein Nutzdach geht über die reine Begrünung hinaus. Während extensive Gründächer mit Sedum, Kräutern und Gräsern zwar ästhetisch ansprechend sind, bleiben sie oft ungenutzter Raum. Nophadrain definiert Nutzdächer als verwendbare Flächen, die eine erkennbare Funktion erfüllen. Dazu gehören Dächer über Tiefgaragen oder Hofkellern, die mit intensiver Vegetation wie Gräsern, Sträuchern und Bäumen bepflanzt sind, aber auch Spielplätze sowie begehbare und befahrbare Oberflächen, die beispielsweise für Not- und Hilfsdienste zugänglich sind. Ziel ist es, dass sich diese Dächer so in die Umgebung einfügen, dass ihre eigentliche Dachfunktion kaum noch wahrgenommen wird.
Die Förderung von Gründächern durch Städte und Gemeinden trägt nicht nur zur Entlastung von Abwassersystemen bei, sondern kommt auch dem gesellschaftlichen Wunsch nach mehr Grünflächen entgegen. Angesichts des wachsenden Nutzungsdrucks auf urbane Flächen durch die zunehmende Stadtbevölkerung bieten Nutzdächer eine praktische Lösung.
Die Intelligenz im System: Drainagesysteme und Komponenten
Nophadrain bezeichnet seine Systeme als "intelligent", was sich laut Stephan Droog in ihrer Funktionalität, Verständlichkeit und einfachen Installation widerspiegelt. Das Kernstück ist ein druckstabiles, CE-markiertes Drainagesystem von der Rolle, das mehrere Funktionslagen eines Nutzdaches in einem Produkt vereint. Diese Entwicklung ist das Ergebnis umfangreicher Forschungs- und Entwicklungsarbeit.
Neben den Drainagesystemen liefert Nophadrain auch weitere essenzielle Komponenten für die Anlage eines Nutzdaches. Dazu gehören Vegetationsmatten mit Sedum, Kräutern und Gräsern, die in der eigenen Gärtnerei in Ysselsteyn kultiviert werden, sowie Substrate und Randeinfassungsprofile. Alle Produkte sind präzise aufeinander abgestimmt, um ein harmonisches Gesamtsystem zu gewährleisten.
Herausforderungen in der Planung und Nachhaltigkeit
Die größte Herausforderung bei der Realisierung eines Nutzdaches liegt in der frühzeitigen und umfassenden Planung. Oftmals wird Nophadrain erst in einem späten Stadium des Projekts hinzugezogen, wenn bereits Entscheidungen getroffen wurden, die die optimale Nutzung des Daches einschränken. Dies kann dazu führen, dass Geländehöhen und Türschwellen nicht den bauaufsichtlichen Anforderungen entsprechen, Durchfahrtshöhen unzureichend sind oder die zulässigen Gesamtgewichte für Fahrzeuge niedriger angesetzt werden müssen. Solche Kompromisse können den anerkannten technischen Regeln der Baukunst widersprechen und Mängel oder Bauschäden nach sich ziehen.
Im Bereich der Produktion legt Nophadrain Wert auf Nachhaltigkeit. Es werden so weit wie möglich recycelte Kunststoffe verwendet, deren Qualität im eigenen Labor umfassend geprüft wird. Abfälle aus dem Produktionsprozess werden wiederverwertet, und die Fabrik wird mit grüner Energie betrieben. Produktionsstätte und Forschungszentrum befinden sich in Kerkrade, nahe der deutschen Grenze.
Zukunftsperspektiven: Vertikales Denken für mehr Lebensraum
Die Zukunft des Nutzdaches sieht Stephan Droog in der optimalen Nutzung des begrenzten Raumes auf der Erde. Angesichts der wachsenden Weltbevölkerung ist es unerlässlich, eine Balance zwischen Mensch und Natur zu finden und die Lebensqualität im urbanen Umfeld zu verbessern. Dies erfordert ein Umdenken vom rein horizontalen zum vertikalen Denken, hin zu gestapelten Räumen mit multifunktionaler Flächennutzung. Nutzdächer bieten hierfür eine praktische und wirtschaftliche Lösung.
Die Bepflanzung spielt dabei eine entscheidende Rolle. Qualitativ hochwertiges Grün bietet eine Vielzahl von Vorteilen: klimatologisch, ökologisch, gesellschaftlich, gesundheitlich und ökonomisch. Historische Beispiele wie das Dach des Fiat-Werks in Lingotto mit seiner Renn- und Teststrecke aus dem Jahr 1926 zeigen, dass die Nutzung von Dächern keine neue Idee ist. Bereits Le Corbusier erkannte in "Vers une Architecture" die Möglichkeiten moderner Technologie zur Dachnutzung. Was früher primär der Abdichtung diente, wird heute als funktionale Möglichkeit zur maximalen Nutzung des freien Raumes verstanden.


