Workshop beleuchtet Ansätze zur Honorierung von Naturleistungen
Ein internationaler Expertenworkshop zum Thema "Zahlungen für Ökosystemdienstleistungen" auf der Insel Vilm, veranstaltet von der Internationalen Naturschutzakademie des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), beleuchtete Ansätze zur Honorierung von Naturleistungen. Die Ergebnisse des Workshops sollen Impulse für die nationale Diskussion liefern.Schätzungen zeigen, dass eine Halbierung der Entwaldungsrate bis 2030 die weltweiten Treibhausgasemissionen jährlich um 1,5 bis 2,7 Gigatonnen CO2 reduzieren könnte. Dies würde Schäden durch den Klimawandel im Wert von etwa 2,8 Milliarden Euro vermeiden und positive Effekte für Wald-Ökosysteme erhalten.
Solche ‚Werteströge’, die der Gesellschaft aufgrund von Qualität und Quantität des Naturkapitals zufließen, sind aber meist noch nicht über Märkte erfasst - den Wald abzuholzen bringt daher weitaus mehr Gewinn als sein Erhalt. Hier müssen wir mit entsprechenden Anreizsystemen ansetzen und die Leistungen der Natur stärker in Wert setzen.
Dies betonte BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel.
Internationale Beispiele für die Honorierung von Naturleistungen
In verschiedenen Staaten Brasiliens werden ökologische Indikatoren wie Naturschutzflächen und Trinkwasserschutzgebiete in den Finanzausgleich und die Finanzzuweisungen der Landesebene an die kommunale Ebene integriert. In Ländern wie den USA und Indonesien können Landeigentümer oder Kommunen für Leistungen zum Erhalt der Biodiversität oder für Erosionsschutzmaßnahmen honoriert werden. Die Ermittlung von Entschädigungen für entgangenen Nutzen und Leistungen erfolgt dabei oft über Auktionen, bei denen Angebote für Schutzleistungen eingereicht werden können.
Zahlungen für Ökosystemdienstleistungen können auch auf lokaler Ebene direkt von Nutzern, beispielsweise einer Mineralwasserfirma, an die Eigentümer und Schützer einer Quelle fließen.
Solche ‚Payments for Ecosystem Services’ bieten damit auch sehr interessante Ansätze für einen kooperativen Natur- und Umweltschutz. Weltweit gibt es heute mehrere hundert verschiedene Modelle für "Zahlungen von Ökosystemdienstleistungen" auf verschiedenen Ebenen. Hier können wir uns interessante Anregungen auch für Deutschland holen, etwa was die Berücksichtigung ökologischer Belange im interkommunalen Finanzausgleich oder in der umweltökonomischen Gesamtrechnung angeht.
Dies erläuterte Beate Jessel.
Analyse und Anwendung von Ansätzen
Im Verlauf des Workshops wurden kritische Aspekte der Anwendung verschiedener Ansätze analysiert, darunter Kosteneffektivität, Fairness bei der Verteilung von Leistungen, Verluste durch Entwaldung an anderer Stelle und die Bedeutung von Governance-Strukturen. Durch gezielte Zahlungen für Ökosystemdienstleistungen kann ein Beitrag zur Armutsbekämpfung in Entwicklungsländern sowie zur Überbrückung von Disparitäten zwischen Verdichtungsräumen und ländlichen Gebieten geleistet werden. In ländlichen Gebieten ist die Bevölkerung oft stark von der Nutzung natürlicher Ressourcen abhängig und erbringt Leistungen, von denen die städtische Bevölkerung profitiert.
In Bolivien konnte durch die Einbeziehung lokaler Basisorganisationen bei der Anwendung von Anreizsystemen ein Beitrag zum Schutz der lokalen Wasserversorgung geleistet und spezifische Zielgruppen unterstützt werden. Für die Weiterentwicklung und Anwendung geeigneter Ansätze ist es wichtig, Entscheidungsträger auf lokaler und nationaler Ebene über die Chancen von "Zahlungen für Ökosystemdienstleistungen" zu informieren und entsprechendes "Capacity Building" anzubieten.
Organisation und Hintergrund
Zu den Veranstaltern des Workshops gehörten neben dem BfN das Sekretariat der Biodiversitätskonvention, das Umweltforschungszentrum in Leipzig und das Institut für Umweltökonomik und Welthandel der Universität Hannover. Diese waren teilweise an der Erstellung der internationalen Studie "The Economics of Ecosystems & Biodiversity" (TEEB) beteiligt, die auf der 10. Vertragsstaatenkonferenz zum Übereinkommen zur Biologischen Vielfalt in Nagoya vorgestellt wurde.
Auch für Deutschland soll eine TEEB-Studie erstellt werden.
Aus der Analyse der internationalen Erfahrungen und den Empfehlungen lassen sich wichtige Erkenntnisse ableiten, die auch für die Implementierung von Anreizsystemen für Ökosystemdienstleistungen in Deutschland sehr wichtig sind.
Dies betonte die Präsidentin des BfN, Prof. Jessel.