Ein neuer Präsident für den VGL NRW: Werdegang und Visionen
Mennigmanns Weg in den Garten- und Landschaftsbau begann mit einer Ausbildung zum Gärtner im Fachbereich Baumschule. Nach einem prägenden Auslandsjahr in den Niederlanden absolvierte er die Meisterschule in Münster-Wolbeck. 1984 gründete er gemeinsam mit seinen Eltern die Mennigmann Garten- und Landschaftsbau GmbH, die sich auf den Garten- und Landschaftsbau konzentrierte. Das Unternehmen wuchs auf rund 120 Mitarbeitende und ist hauptsächlich im Ruhrgebiet tätig. Mit dem Einstieg seines Sohnes Sebastian als gleichberechtigter Geschäftsführer im Jahr 2017 ist auch die Betriebsübergabe erfolgreich abgeschlossen, was Mennigmann nun Raum für sein Engagement im Verband gibt.
Engagement im Ehrenamt: Netzwerk und Motivation
Seit 2007 ist Josef Mennigmann ehrenamtlich im VGL NRW aktiv. Sein Einstieg erfolgte über eine Erfahrungsaustausch-Gruppe, aus der sich enge Freundschaften entwickelten. Dieses Netzwerk, das auf gegenseitiger Wertschätzung und Unterstützung basiert, ist für ihn von großer Bedeutung. Über diese Gruppe kam er ins Präsidium des Verbandes, wo er zunächst unter Manfred Lorenz als Schatzmeister tätig war und dieses Amt auch unter H. Christian Leonhards bis 2022 fortführte. Neben seiner Tätigkeit für den VGL NRW war Mennigmann lange Jahre im Ausschuss Stadtentwicklung des Bundesverbandes (BGL) engagiert und begleitete die Entwicklung einer Kommunikationskampagne für grüne Stadtentwicklung. Darüber hinaus ist er Mitglied der SVLFG Vertreterversammlung, Vertreter des BGL im Gesamtverband Landwirtschaft Forstwirtschaft (GLFA) und seit fast 20 Jahren Richter in Landwirtschaftssachen am Landwirtschaftsgericht.
Die Motivation für die Übernahme der Präsidentschaft liegt für Mennigmann in der Möglichkeit, durch Verbandsarbeit viel zu bewegen. Obwohl Verbandsprozesse langsamer sind als in einem Unternehmen, sieht er die erzielten Erfolge für die Branche als Antrieb. Die Zusammenarbeit mit ehrenamtlichen Unternehmern und den Mitarbeitenden der Geschäftsstelle empfindet er als bereichernd und motivierend.
Fokus der Präsidentschaft: Fachkräftemangel und Bildung
Josef Mennigmann würdigt die Arbeit seines Vorgängers H. Christian Leonhards, der in zwölf Jahren als Präsident viel bewegt und dem Verband durch seine politische Arbeit viele Türen geöffnet hat. Leonhards wird dem Präsidium als Ehrenpräsident weiterhin mit seinem Know-how zur Verfügung stehen. Mennigmann betont, dass die grundlegenden Positionen des Verbandes in Politik und Öffentlichkeit bereits gut etabliert sind und er diese weiterverfolgen wird. Er sieht den Verband primär als Dienstleister für die Unternehmen und die Branche, insbesondere bei aktuellen Herausforderungen.
Ein zentrales Thema seiner Präsidentschaft ist der akute Fachkräftemangel. Der Verband arbeitet kontinuierlich an Lösungen, um dem entgegenzuwirken und das Abwerben von Personal innerhalb der Mitgliedschaft zu reduzieren. Der VGL NRW setzt sich dafür ein, das Image des Garten- und Landschaftsbaus positiv darzustellen und die Attraktivität des Berufs zu steigern. Gleichzeitig unterstützt er Mitglieder mit Werkzeugen und Wissen, um sie auf dem Arbeitsmarkt erfolgreich zu positionieren.
Ein weiteres Anliegen ist die Situation an den Berufs- und Fachschulen. In Nordrhein-Westfalen gibt es keine Hochschule, an der Lehramt für den Garten- und Landschaftsbau studiert werden kann, was Interessierte in andere Bundesländer zwingt. Der Verband steht hierzu im Austausch mit der Fachschule Essen, um Lösungsansätze zu entwickeln. Mennigmann appelliert an die Landespolitik, die universitäre Infrastruktur in NRW zu verbessern, um den Verlust dringend benötigter Fach- und Führungskräfte zu verhindern. Der Bedarf an qualifiziertem Personal aus der grünen Branche ist nicht nur in Unternehmen, sondern auch in der öffentlichen Hand zur Bewältigung des Klimawandels hoch.
Im Bereich der Ausbildung sieht Mennigmann den Verband auf einem guten Weg, was sich in steigenden Ausbildungszahlen in NRW widerspiegelt. Er betont die Notwendigkeit für Betriebe, attraktiv für junge Menschen zu sein, die sich für Themen wie Klimawandel interessieren. Dies umfasst eine moderne Präsenz in sozialen Medien und einen unkomplizierten Bewerbungsprozess.
Zukunftsperspektiven: Nachhaltigkeit und Marktsicherung
Angesichts der aktuellen geopolitischen Lage hat sich die Betrachtung von Nachhaltigkeit verändert. Während vor dem Krieg die Reduktion des CO2-Fußabdrucks und nachhaltige Produktion im Vordergrund standen, geht es nun auch um die Aufrechterhaltung der deutschen Wirtschaft bei eingeschränktem globalem Handel. Mennigmann erwartet eine Rückbesinnung auf die heimische Produktion. Für die GaLaBau-Branche und den Verband ist die Sicherung des Marktes von besonderer Bedeutung. Nach Jahren guter Auftragslage, die auch die Corona-Pandemie überstanden hat, ist es wichtig, auf mögliche Veränderungen vorbereitet zu sein. Der Verband setzt sich in Politik und bei Auftraggebern dafür ein, den Garten- und Landschaftsbau als elementaren Baustein zur Abbremsung des Klimawandels zu positionieren.
Ein weiteres Thema ist die Integration von Geflüchteten aus der Ukraine in den Arbeitsmarkt. Der Verband war in der Vergangenheit bereits in diesem Bereich aktiv, beispielsweise mit dem Projekt „Welcome2Win – Work in Nature“, und bietet mit einem Willkommenslotsen Unterstützung bei der Integration.
Vielfalt im Präsidium: Frauen im Ehrenamt
Mit Nadja Kreuz ist nach längerer Zeit wieder eine Frau im Präsidium des VGL NRW vertreten. Mennigmann hofft, dass dies weitere Frauen ermutigt, ein Ehrenamt zu übernehmen. Eine Satzungsänderung im Jahr 2018, die den Zugang zum Präsidium für Personen öffnete, die nicht in erster Instanz die Geschäftsführung eines Betriebes innehaben, hat hierfür die Grundlage geschaffen. Der Verband freut sich auf die konstruktive Zusammenarbeit mit Nadja Kreuz und erhofft sich, dass ihr Engagement ein Motivationsschub für weitere Frauen sein wird.

