Stadtmobiliar und die Mobilität von Morgen: Ein Gespräch mit Lothar Gronard

Die Grüne Stadt

Lothar Gronard, Inhaber eines Familienbetriebs für Stadtmobiliar und Fahrradparksysteme, beleuchtet im Gespräch aktuelle Trends und die zukünftige Gestaltung urbaner Räume. Er spricht über gestalterische Ansprüche, die Bedeutung der Fahrradmobilität und die Vision einer grünen Stadt.

Architektonische Anforderungen an modernes Stadtmobiliar

Die Zusammenarbeit mit Architekten ist ein zentraler Aspekt der Unternehmensphilosophie. Ein Beispiel hierfür ist das BWA® bausystem, das mit dem Schweizer Designpreis ausgezeichnet wurde. Gronard betont, dass Stadtmobiliar gestalterisch anspruchsvoll sein muss. Planer und Städte wünschen sich keine dominanten Betonklötze für Fahrradüberdachungen oder Müllhäuschen. Stattdessen soll das Mobiliar filigran, beinahe transparent wirken, ohne dabei an Funktionalität, Stabilität und Vandalismussicherheit einzubüßen. Gleichzeitig muss es über Jahrzehnte haltbar sein. Dieser Spagat zwischen architektonischem Anspruch und praktischer Funktion wird durch den Einsatz von Stahl und den dünnen Profilen der BWA-Serie gemeistert.

Seit 40 Jahren beobachtet Gronard den Markt und stellt eine zunehmende Konzentration fest, bei der viele kleine und mittelständische Unternehmen verschwinden oder übernommen werden. Während große Unternehmen oft auf Serienfertigung und Standardmaße setzen, ermöglicht die eigene Fertigung in München eine höhere Flexibilität. Kundenwünsche, wie spezifische Größenanpassungen, können so schnell umgesetzt werden.

Fahrradmobilität im Fokus

Das Unternehmen Gronard bietet bundesweit die meisten vom ADFC empfohlenen Fahrradparker an. Diese Entwicklung geht auf eine Zusammenarbeit in den 1990er Jahren mit Herrn Hammerschmidt vom ADFC und der TU München zurück. Gronard, selbst begeisterter Radfahrer, teilt die Bedürfnisse der Radfahrerinnen und Radfahrer: sicheres Abstellen ohne Beschädigungen und gute Absperrmöglichkeiten. Diese Erfahrungen fließen in die Beratung von Planern und Architekten ein, beispielsweise bei der Empfehlung von 50 cm Abstand zwischen Fahrradbügeln anstelle der oft geplanten 35 cm.

Trends der Mobilität von Morgen

Für die Zukunft erwartet Gronard einen starken Anstieg der Mobilität, insbesondere im Bereich der E-Mobilität. Leihsysteme gewinnen an Bedeutung, und Lastenfahrräder entwickeln sich zu einem großen Trend im urbanen Raum. Da Lastenräder oft mehrere Tausend Euro kosten, ist ein sicheres Abstellen essenziell, auch auf begrenztem Raum. In Zusammenarbeit mit den Architekten Matthias Bräm und Markus Wassmer wurden daher spezielle Radhäuser des BWA® bausystems für Lastenräder entwickelt.

Unternehmensentwicklung und Nachhaltigkeit

Der Familienbetrieb wurde 1949 von Lothar Gronards Vater Walter als Schweißerei gegründet. Die Kernkompetenz lag von Anfang an bei Stahl, zunächst im Bereich Reparatur-Schweißarbeiten, später im Tank- und Containerbau. Nach dem Tod des Vaters im Jahr 1980 übernahm Lothar Gronard die Firma und integrierte das Thema Fahrrad zunehmend in das Geschäftsfeld.

Die dritte Generation ist bereits im Unternehmen aktiv: Sohn Felix ist als Ingenieur und Geschäftsführer tätig, während Tochter Sofia im Marketing einsteigen wird. Lothar Gronard legt Wert darauf, dass seine Kinder offen für neue Tendenzen am Markt sind und diese flexibel im Betrieb umsetzen, da diese Flexibilität eine Stärke des Unternehmens darstellt.

Im Jahr 2019 gehörte das Unternehmen zu den ersten in der Branche, die ihre Emissionen freiwillig nach dem Kyoto-Protokoll kompensierten und klimaneutral wurden. Gronard betont die Verantwortung auch mittelständischer Unternehmen, Klimaziele zu erreichen. Maßnahmen umfassen die Reduzierung von CO2-Emissionen bei Transporten, die Nutzung regionaler Produktion und die Bevorzugung von recycelbaren Materialien bei Verpackungen. Stahl, als wichtigster Rohstoff, ist zwar energieaufwendig in der Herstellung, aber sehr gut recycelbar und langlebig. Zudem werden Radhäuser mit Dachbegrünung angeboten, was das Stadtbild positiv beeinflusst.

Vision einer grünen Stadt

Das BWA® bausystem ist für Lothar Gronard ein Projekt, an das er sich immer gerne erinnern wird. Die Zusammenarbeit mit den Architekten war eine positive Erfahrung, und er freut sich, die leichten Fahrradhäuser täglich in der Stadt zu sehen. Seine Beobachtungen von Radständern, auch im Urlaub, zeigen, dass nordische Länder führend bei Radparkern sind, während südliche Länder mehr Wert auf Design legen.

In seiner Traumstadt würde Gronard deutlich mehr Grün integrieren, Dächer und Fassaden begrünen. Der Autoverkehr sollte aus dem Stadtbild verbannt oder unter die Erde verlegt werden, während der Radverkehr mehr Raum erhalten sollte. Er kann sich auch grün überdachte Fuß- und Fahrwege vorstellen. Seine Idealstadt wäre großräumiger, grüner und böte mehr Platz für Radfahrerinnen und Radfahrer.

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