Naturschutz

Invasive gebietsfremde Arten: Eine globale Bedrohung für die Biodiversität

Der Weltbiodiversitätsrat (IPBES) hat einen umfassenden Bericht zu invasiven gebietsfremden Arten verabschiedet, der deren Ursachen und Auswirkungen auf die biologische Vielfalt beleuchtet. Diese Arten zählen zu den Hauptursachen für den Verlust der Biodiversität und verursachen jährlich Kosten in Milliardenhöhe.

Globale Bedrohung durch invasive Arten

Der Weltbiodiversitätsrat (IPBES) hat nach intensiven Verhandlungen auf seiner zehnten Vollversammlung in Bonn den Bericht „Invasive gebietsfremde Arten und ihre Kontrolle“ verabschiedet. Dieser Bericht beleuchtet umfassend die Ursachen und Auswirkungen invasiver gebietsfremder Arten auf die biologische Vielfalt und den Menschen.

Invasive gebietsfremde Arten werden oft unbeabsichtigt durch menschliche Aktivitäten wie Transport und Tourismus verbreitet. Sie zählen zu den fünf Hauptursachen für den Verlust der Biodiversität, wie bereits im globalen IPBES-Bericht von 2019 festgestellt wurde. Diese Arten konkurrieren mit einheimischen Spezies um Nahrung und Lebensräume, übertragen Krankheiten und können zum lokalen Aussterben von Arten führen. Dies beeinträchtigt nicht nur Ökosystemleistungen, sondern auch die Lebensqualität der Menschen.

Gravierende Auswirkungen und steigende Kosten

Die negativen Auswirkungen invasiver gebietsfremder Arten sind gravierend und teilweise irreversibel. Besonders betroffen sind Inselökosysteme, wo die Veränderungen regional sehr ausgeprägt sein können. Die globalen Kosten für die Bewältigung dieser Probleme, einschließlich Prävention und Management, beliefen sich im Jahr 2019 auf über 423 Milliarden US-Dollar. Diese Kosten vervierfachen sich alle zehn Jahre. Der Bericht hebt hervor, dass negative Auswirkungen auf die menschliche Lebensqualität deutlich häufiger dokumentiert wurden als positive.

„Unsere Natur ist nicht nur durch die Klima- und Verschmutzungskrise, die veränderte Landnutzung und -übernutzung bedroht, sondern auch durch invasive gebietsfremde Arten. Sie konkurrieren mit hiesigen Arten um Nahrung und Lebensraum, sie sind Fressfeinde von einheimischen Arten und können Krankheiten auf diese übertragen. So gefährden sie unsere biologische Vielfalt und Natur.“Bundesumweltministerin Steffi Lemke

Um die Einführung und Ausbreitung invasiver gebietsfremder Arten über Landesgrenzen hinweg zu verhindern, ist eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit unerlässlich. Prävention, Früherkennung und Management sind hierbei von zentraler Bedeutung. Die Erkenntnisse des Berichts sollen dazu beitragen, einheimische Arten besser zu schützen und die Ziele des globalen Naturschutzabkommens von Montreal umzusetzen.

Handlungsoptionen und Präventionsmaßnahmen

Der IPBES-Bericht bietet konkrete Handlungsoptionen für politische Entscheidungsträger auf allen Ebenen. Präventions- und Vorsorgemaßnahmen erweisen sich dabei als die wirksamsten und kosteneffizientesten Strategien. Im marinen Bereich beispielsweise sind spätere Kontroll- und Bekämpfungsmaßnahmen oft erfolglos, weshalb Prävention dort eine besonders zentrale Rolle spielt.

Eine effektive Koordinierung und Mitwirkung aller relevanten Akteure auf internationaler, regionaler, nationaler und lokaler Ebene sind wesentliche Hebel zur Minimierung der Gefährdungen. Auf europäischer Ebene wurde bereits 2015 mit der EU-Verordnung (Nr. 1143/2014) über die Prävention und das Management der Einführung und Ausbreitung invasiver gebietsfremder Arten ein wichtiger rechtlicher Rahmen geschaffen. Ein zentraler Bestandteil dieser Verordnung ist die Erstellung eines Aktionsplans, der Zeitpläne und Maßnahmen zur Verhinderung der unabsichtlichen Einführung und Ausbreitung invasiver gebietsfremder Arten innerhalb der EU festlegt.

Deutschland unterstützt die Umsetzung der EU-Verordnung durch Forschungsprojekte und Fachtagungen. Der deutsche Aktionsplan für die Pfade invasiver gebietsfremder Arten wird derzeit überarbeitet. Darüber hinaus gibt es auf europäischer Ebene LIFE-Projekte, die sich auf invasive gebietsfremde Arten konzentrieren, wie das länderübergreifende Managementkonzept für Nutria- und Bisampopulationen im Rahmen des LIFE-MICA-Projekts.

Auch international fördert die Bundesregierung über die Internationale Klimaschutz-Initiative (IKI) Projekte zum Management invasiver Arten, beispielsweise in Nepal. Im IKI-Themencall 2022 wurden Projekte zur Vermeidung und Reduzierung negativer Auswirkungen auf Inselökosysteme gesucht, für die 20 Millionen Euro bereitgestellt werden.

Hintergrund und zukünftige Berichte

Der aktuelle IPBES-Bericht wurde in einem vierjährigen Prozess von einem 86-köpfigen internationalen Expertenteam erarbeitet, darunter auch maßgeblich beteiligte Fachleute aus Deutschland. Der Weltbiodiversitätsrat beriet zudem über die Schwerpunkte zukünftiger Berichte, darunter ein zweiter globaler Bericht zum Zustand der Biodiversität und Ökosystemleistungen, ein Bericht zum Monitoring und ein Bericht zu Raumplanung und Konnektivität.

Deutschland legt großen Wert darauf, dass diese zukünftigen Berichte zur Umsetzung des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD) und insbesondere des Globalen Biodiversitätsrahmens von Kunming-Montreal beitragen. Die Verabschiedung des zweiten globalen Berichts ist für 2028 vorgesehen.

Der Weltbiodiversitätsrat IPBES ist ein 2012 gegründetes zwischenstaatliches Gremium zur wissenschaftlichen Politikberatung für biologische Vielfalt und Ökosystemleistungen. Aktuell sind 143 Staaten Mitglied. IPBES sammelt und analysiert weltweit wissenschaftliche Daten, um politische Handlungsoptionen zum Schutz der Biodiversität aufzuzeigen. Besondere Aufmerksamkeit erhielt IPBES im Mai 2019 durch den globalen Bericht zum Zustand der Biodiversität und Ökosystemleistungen, der vor dem Aussterben von einer Million Arten innerhalb der nächsten Jahrzehnte warnte.

Mit der Verabschiedung des Globalen Biodiversitätsrahmens von Kunming-Montreal im Dezember 2022 hat sich die internationale Staatengemeinschaft verpflichtet, die Auswirkungen invasiver gebietsfremder Arten auf die Biodiversität und Ökosystemleistungen zu beseitigen, zu minimieren oder abzuschwächen. Ziel ist es, die Einbringung und Ansiedlung gebietsfremder Arten bis 2030 um mindestens 50 Prozent zu verringern. Der IPBES-Bericht unterstützt diese Ziele, indem er die Ermittlung und Kontrolle der Einfallswege gebietsfremder Arten umsetzt und Entscheidungsträgern fundierte Grundlagen für ihre Maßnahmen bietet.

Deutschland ist einer der größten Finanzgeber und Sitzstaat des Sekretariats des Weltbiodiversitätsrates in Bonn. Das Bundesumweltministerium (BMUV) und das Bundesforschungsministerium (BMBF) haben 2014 gemeinsam die deutsche IPBES-Koordinierungsstelle eingerichtet, um die Mitwirkung deutscher Expertinnen und Experten an den IPBES-Assessments zu unterstützen.

05.09.2023

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