Herausforderungen für den Weinbau in Baden
Neben der positiven Jahrgangscharakteristik wurden auch aktuelle Herausforderungen für die Winzer thematisiert. Dazu zählen die Inflation und Preissteigerungen, die durch den Krieg in der Ukraine verstärkt werden. Ein weiterer Diskussionspunkt ist ein Entwurf der EU-Kommission für eine Verordnung zum nachhaltigen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Dieser Entwurf sieht ein vollständiges Verbot von Pflanzenschutzmitteln in sogenannten sensiblen Gebieten vor, was den Weinbau auf rund 30 Prozent der Anbaufläche in Baden-Württemberg sowohl im ökologischen als auch im konventionellen Bereich stark einschränken würde.
Weinbaupräsident Zeller betonte, dass dieser Vorstoß aus Brüssel nicht akzeptabel sei, insbesondere da Baden-Württemberg mit dem Biodiversitätsstärkungsgesetz bereits einen ausgewogenen Kompromiss zwischen Landwirtschaft und Umweltschutz gefunden habe. Staatssekretärin Kurtz unterstützte diese Position und hob hervor, dass die Verordnung sich noch in einem frühen Stadium befinde und in Trilog-Gesprächen verhandelt werden müsse. Sie lobte den konstruktiven und fachlich fundierten Umgang der Weinbauverbände in Baden-Württemberg mit diesem Thema.
Politische Unterstützung und Risikomanagement im Weinbau
Die Staatssekretärin ging auch auf die Wetterextreme des Jahres 2022 ein, das von Trockenheit und Hitze geprägt war. Sie unterstrich die Notwendigkeit eines betrieblichen Risikomanagements und verwies auf die Unterstützung des Landes Baden-Württemberg. Seit 2019 fördert die Landesregierung im Rahmen eines bundesweiten Pilotprojekts Ertragsversicherungen im Obst- und Weinbau gegen Risiken wie Starkfrost, Sturm und Starkregen. Dieses Pilotprojekt soll zukünftig als Förderprogramm verstetigt werden.
Die Stärkung der Biodiversität und die Ausweitung des Ökolandbaus spielen in Baden-Württemberg eine wichtige Rolle. Um den Umstieg auf ökologischen Weinbau attraktiver zu gestalten, werden die Prämiensätze im Agrarumweltprogramm FAKT erhöht. Die einmalige Umstellungsprämie steigt von 1.275 Euro auf 1.450 Euro pro Hektar und Jahr, die Beibehaltungsprämie von 750 Euro auf 1.000 Euro pro Hektar und Jahr ab 2023. Ein ungelöstes Problem bleibt jedoch der Mangel an praxistauglichen Pflanzenschutzmittel-Alternativen zu Kupfer und Kaliumphosphonat zur Bekämpfung des Falschen Mehltaus im Ökoweinbau. Die Bemühungen der Branche in diesem Bereich werden weiterhin intensiv unterstützt.
Detaillierte Erwartungen an den Weinjahrgang 2022
Holger Klein, Geschäftsführer des Badischen Weinbauverbandes, erläuterte die Entwicklung des aktuellen Weinjahrgangs detailliert. Nach dem herausfordernden Vorjahr sei 2022 für die Winzer deutlich angenehmer verlaufen. Die lange Trockenperiode im Sommer habe lediglich in jungen Anlagen oder auf Standorten mit leichten, sandigen Böden zu Ertragseinbußen geführt, insbesondere wenn keine Bewässerung möglich war. Ältere Reben mit tiefreichenden Wurzeln kamen hingegen gut mit der Trockenheit zurecht.
Insgesamt wird mit einem qualitativ und quantitativ guten Weinjahr gerechnet. Die Niederschläge der Wochen vor der Lese haben den Reben zusätzlich gutgetan. Der trockene Sommer führte zu einem geringen Druck von Pilzkrankheiten, was die Traubenqualität positiv beeinflusste. Die Weinlese hat bereits begonnen und liegt ein bis zwei Wochen vor dem langjährigen Schnitt. Frühe Sorten für Neuen Wein, Sektgrundweine und Bukettsorten wie Sauvignon Blanc wurden bereits gelesen. Im Staatsweingut Freiburg wurden Ende August Mostgewichte von über 90 Grad Oechsle erreicht, und die Säurewerte liegen in den meisten Anlagen bereits deutlich unter 8 g/l.
Für Baden wird eine mengenmäßig normale Ernte im Bereich zwischen 100 und 120 Millionen Litern erwartet. Eine genauere Schätzung der Erntemenge ist derzeit noch nicht möglich und hängt von den Wetterbedingungen der kommenden Wochen ab. Es wird davon ausgegangen, dass die Lese zügig abgeschlossen wird, um moderate Alkoholgehalte und stabile Säurewerte zu gewährleisten. Auch Weinkönigin Jessica Himmelsbach zeigte sich nach ihren ersten Lesetagen als hauptberufliche Winzerin sehr zufrieden mit den gesunden Trauben des Jahrgangs 2022.
