Die Grüne Stadt

Klimaschutz und Klimaanpassung im GaLaBau: Eine gemeinsame Aufgabe

Der Garten- und Landschaftsbau (GaLaBau) spielt eine entscheidende Rolle bei Klimaschutz und Klimaanpassung. Trotz guter Auftragslage sieht der VGL NRW die größte Herausforderung in der Anpassung an den Klimawandel. Naturbasierte Lösungen sind gefragt.

Herausforderungen und Chancen im GaLaBau

Nach einer Phase globaler Krisen, die von der Pandemie über Naturkatastrophen bis hin zu wirtschaftlichen Herausforderungen reichen, suchen viele Menschen verstärkt Ruhe und Erholung im privaten Umfeld. Diese Entwicklung hat die Wertschätzung für Haus und Garten maßgeblich gesteigert.

Josef Mennigmann, Präsident des Verbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Nordrhein-Westfalen (VGL NRW) e.V., bestätigt eine gute Auftragslage in seiner Branche. Der VGL NRW vertritt über 100 Mitgliedsbetriebe, die sowohl im öffentlichen Grün als auch in privaten Gärten tätig sind. Trotz Lieferengpässen und Kostensteigerungen sieht der Verband die größte Herausforderung in der Anpassung an den Klimawandel, deren Fortschritt als zu langsam empfunden wird.

Handlungsbedarf in Nordrhein-Westfalen

Die Zukunft wird immer in der Gegenwart gestaltet!

betont Mennigmann und hebt die besondere Situation in Nordrhein-Westfalen als bevölkerungsreichstem Bundesland hervor. Die Auswirkungen des Klimawandels, insbesondere die Hitzeperioden, haben das Bewusstsein der Bürger geschärft. Forschung und Praxis zeigen, dass naturbasierte Lösungen viele Folgen der Klimakrise abmildern können.

Hier sind wir als Experten für Garten und Landschaft gefragt. Das öffentliche Grün in den Städten und Gemeinden, aber auch die privaten Gärten und nicht zuletzt die Dach- und Fassadenbegrünung sind wirksame Instrumente im Klimawandel.

Der Verband möchte das öffentliche Bewusstsein dafür schärfen, dass jeder Einzelne zur Minderung der Klimawandelfolgen beitragen kann.

NRW als Vorreiter

Der Klimaschutz konzentriert sich auf die Reduzierung von Treibhausgasemissionen. Zur Klimaanpassung gehören der Erhalt und Ausbau von Naturräumen, die als CO2-Senken dienen. Wälder und Grünflächen im urbanen Raum sind hierbei von großer Bedeutung.

Dies gilt umso mehr, da sie weitere positive Nebeneffekte haben. Die urbanen Freiräume sind als natürliche Kohlenstoffspeicher wirksam, sie versorgen die Stadt mit frischer Luft und sie regulieren die Temperatur und den Wasserhaushalt. Außerdem bieten sie Lebensräume für Tiere und Pflanzen und sind damit wichtige Naturerfahrungsräume für Menschen in ihrem direkten Lebensumfeld.

Diese Erkenntnisse führten im Juli 2021 zur Verabschiedung des bundesweit ersten Klimaanpassungsgesetzes durch den Landtag Nordrhein-Westfalen. Ziel ist es, negative Auswirkungen des Klimawandels zu begrenzen, Schäden zu minimieren und die Widerstandsfähigkeit zu erhöhen.

Naturbasierte Lösungen in der Praxis

Die praktische Umsetzung zur Sicherstellung ökologischer, stadtklimatischer und gestalterischer Funktionen des Stadtgrüns wird unter dem Begriff „nature based solutions“ zusammengefasst. Die Europäische Kommission definiert diese als „Lösungen, die von der Natur inspiriert und unterstützt werden, die kosteneffizient sind, gleichzeitig ökologische, soziale und wirtschaftliche Vorteile bieten und zum Aufbau von Resilienz beitragen.“

Maßnahmen des Garten- und Landschaftsbaus umfassen die Reduzierung der Flächenversiegelung durch den Einbau wasserdurchlässiger Beläge und die Schaffung von Versickerungsflächen. Entlang von Straßen und Gehwegen sind Mulden in Kombination mit Rigolen sinnvoll, um Regenwasser aufzunehmen und versickern zu lassen. Idealerweise werden diese Mulden-Rigolen-Systeme von Bäumen gesäumt, die durch Verdunstung zur Senkung der Umgebungstemperatur beitragen. Ausgedehnte Grünflächen wie Parks, Wiesen und Wälder fungieren ebenfalls als ideale Versickerungsflächen.

Mennigmann hebt auch die Bedeutung der Gebäudebegrünung hervor:

Dachbegrünung in Kombination mit Photovoltaik-Anlagen ist die zeitgemäße Antwort auf die aktuellen Herausforderungen mit Blick auf Klimaanpassung ebenso wie auf Energiesicherheit. Hier steht der Garten- und Landschaftsbau den Städten und Gemeinden als Partner zur Seite, um gemeinsam Konzepte zur Verbesserung der Resilienz zu entwickeln.

03.10.2022

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