Historische Pflanzen für ein tieferes Gartenverständnis
Die Präsentation von exotischen Pflanzen knüpft unmittelbar an die gärtnerische Tradition der fürstlichen Gärten an. Was die Gärtnerteams in den Schlossgärten heranziehen, stützt sich auf die Dokumente aus der Glanzzeit der Gärten – und bietet uns die Möglichkeit, den Besucherinnen und Besuchern die historische Dimension dieser bedeutenden Anlagen anschaulich werden zu lassen.
Dies erklärt Michael Hörrmann, Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, der für die Präsentation und den Publikumsbetrieb des Botanischen Gartens Karlsruhe verantwortlich ist.
Ursprung und Verbreitung der Liebeslilie
Botanisch gehört der Agapanthus zur Unterfamilie der Schmuckliliengewächse, die den Spargelartigen zugeordnet werden. Der wissenschaftliche Name leitet sich von den griechischen Wörtern „agape“ (Liebe) und „anthos“ (Blume) ab, was die deutsche Bezeichnung Liebesblume oder Liebeslilie erklärt. Ursprünglich stammt die Pflanze aus Afrika. Mit ihren dekorativen Blättern und der üppigen Blüte war sie bereits in der Barockzeit, neben Zitrusgewächsen, ein fester Bestandteil eleganter Gärten.
In Europa ist der Agapanthus seit 1692 nachweisbar und gehört auch im Botanischen Garten Karlsruhe zur gärtnerischen Tradition.
Pflegehinweise für Hobbygärtner
Für mich ist sie jedes Mal während der Blütezeit eine der schönsten Kübelpflanzen überhaupt.
So beschreibt Thomas Huber, der Leiter des Botanischen Gartens Karlsruhe, den Agapanthus. Die meisten heute verwendeten Pflanzen sind Auslesen und Kreuzungen von Agapanthus praecox, die blau oder weiß blühen. Im Pflanzenhandel ist auch eine zierlichere, schmalblättrige Unterart namens „minimus“ erhältlich, die kleiner wächst, aber besonders reichlich blüht. Die Pflege des Agapanthus gilt als unkompliziert.
Überwinterung und Sommerpflege
Im Winter kann die Kübelpflanze frostfrei in einer Garage oder einem kühlen Keller überwintern. Während dieser Zeit sollte sie relativ trocken gehalten werden. Die Pflanze besitzt große Rhizome, also Speicherwurzeln, die ihr helfen, mit wenig Wasser auszukommen. Je kühler der Standort, desto geringer ist der Wasserbedarf. Sobald keine Frostgefahr mehr besteht, kann der Agapanthus an einen sonnigen Standort im Garten gebracht werden. Im Sommer sind regelmäßiges Gießen und Düngen entscheidend für eine reiche Blüte.
Eine wöchentliche Versorgung mit Blütendünger ist empfehlenswert. Thomas Huber betont:
Was ich dieses Jahr an Dünger gebe, wird zum Blüteansatz für das kommende Jahr.
Vermehrung und Standortwahl
Verblühte Blütenstände können als Dekoration an der Pflanze verbleiben und erst beim Einräumen entfernt werden. Die Vermehrung erfolgt durch Teilung oder Aussaat. Eine Teilung ist erst notwendig, wenn der Kübel zu klein wird. Thomas Huber erklärt:
Der Agapanthus liebt es, in einem engen Kübel mit vielen Rhizomen zu wachsen.Die Anzucht aus Samen erfordert Geduld, da es einige Zeit dauert, bis eine blühfähige Pflanze entsteht.
Historische Gestaltung des Botanischen Gartens
Die eindrucksvollen Glashäuser des Botanischen Gartens, vor denen sich eine große Wiese mit Blausternen erstreckt, stammen aus dem 19. Jahrhundert. Sie wurden ursprünglich von Heinrich Hübsch entworfen, der auch das Gebäude der Kunsthalle konzipierte. Die historischen Gewächshäuser aus Metall und Glas wurden aufwendig saniert und im April 2018 wiedereröffnet. Seitdem orientieren sich Gestaltung und Pflanzenauswahl exakt an den historischen Vorlagen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
