Die Rolle von Grünflächen für Attraktivität und Lebensqualität
Städte werden oft durch ihre Architektur und Skyline definiert. Doch auch öffentliche Grünflächen tragen maßgeblich zur Identität einer Stadt bei und sind ein wichtiger Faktor im Stadtmarketing.
Markante Beispiele hierfür sind der Englische Garten in München, der Tiergarten in Berlin oder der Central Park in New York. Diese Grünanlagen sind nicht nur bei Stadtbewohnern beliebt, sondern auch feste Bestandteile touristischer Sightseeing-Touren.
Offenheit und Freiraum
Grünflächen erfüllen im Stadtmarketing zwei zentrale Funktionen: Sie steigern die Attraktivität für Bewohner und ziehen Besucher an. Sie schaffen Lebensqualität, indem sie Erholungs- und Aktivitätsmöglichkeiten an der frischen Luft bieten. Grünflächen symbolisieren Offenheit und dienen als Freiraum für vielfältige Nutzungen wie Joggen, Radfahren, Spazierengehen, Picknicken oder Spielen. Die Pflanzenwelt bildet dabei den Rahmen für ein vitales Stadtleben und ermöglicht Begegnungen sowie das Erleben des städtischen Flairs.
Modernität und Grün
Dass Modernität und Grün sich nicht ausschließen, zeigt Frankfurt am Main. Die Stadt kombiniert Hochhausarchitektur mit lebendigem Stadtgrün, insbesondere entlang der Mainuferpromenade. Auch Essen hat den Wert städtischen Grüns erkannt und wurde 2017 zur „Grünen Hauptstadt Europas“ gekürt. Dieser Wettbewerb wird seit 2010 jährlich von der Europäischen Kommission ausgeschrieben.
„Wir haben es uns zum Ziel gemacht, dass jeder Bewohner Essens in höchstens 500 Metern Entfernung von seinem Wohnhaus mindestens eine größere Grünfläche erreichen kann“, so Simone Raskob, Dezernentin für Umwelt und Bauen in Essen. „Dieses Ziel haben wir bereits zu 70 Prozent realisiert.“
Essen legt besonderen Wert auf eine vernetzte grüne Infrastruktur.
Bundesgartenschauen als Impulsgeber
Grün wird zu einem wirksamen Marketinginstrument, wenn es fest in der Stadtkultur verankert ist. Eine gezielte Förderung des urbanen Grüns, wie sie Essen praktiziert, kann das Stadtbild positiv verändern. Stadtmenschen suchen das Grüne auf, da Pflanzen die Luft reinigen, Schatten spenden und ein Gefühl der Naturverbundenheit vermitteln.
„Eine spürbare Förderung des urbanen Grüns, wie es Essen vormacht, verändert das Gesicht einer Stadt – und zwar äußerst positiv“, erklärt Guhl. „Nicht ohne Grund zieht es die Stadtmenschen ins Grüne. Die Bepflanzung reinigt die Luft, hier findet man Schatten und fühlt sich der Natur nah.“
Bundes- oder Landesgartenschauen bieten eine Möglichkeit, das städtische Grün zu fördern. Aktuelle Beispiele sind die IGA Berlin 2017 und die BUGA Heilbronn 2019. In Heilbronn setzen die Planer auf Nachhaltigkeit, indem bestehende Grünzüge verbunden und neue dauerhafte Park-, Seen- und Uferlandschaften geschaffen werden. Auf einer ehemaligen Bahnbrache entsteht zudem das neue Stadtquartier Neckarbogen, das Wohnen und Grün miteinander verbindet. Heilbronn zeigt, dass Gartenschauen bei entsprechender Planung als Impulsgeber für eine langfristige Entwicklung des städtischen Grüns dienen können.
Grüne Bühne
Vorhandene Grünflächen schaffen einen Mehrwert für das Stadtmarketing, indem sie als Orte für Veranstaltungen dienen, die Identität stiften und Besucher anziehen. Open-Air-Kinos, Food-Truck-Festivals, Tanzabende, Konzerte, Flohmärkte oder Sportevents nutzen Parks und Grünflächen als flexible „grüne Bühne“, die sich immer wieder neu bespielen lässt.
