Urbane Begrünung als Antwort auf Hitze und Dürre
Der Klimawandel führt in deutschen Städten zu längeren und intensiveren Hitze- und Dürreperioden. Dies beeinflusst Pflanzen, Tiere, Menschen und die Sicherheit städtischer Infrastrukturen.
Zur Milderung dieser Auswirkungen empfiehlt Dr. Somidh Saha, Waldexperte am Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) des KIT, eine verstärkte Baumbepflanzung in urbanen Gebieten.
Mit zunehmender Begrünung sinkt die Lufttemperatur während der Hitzewellen. Vor allem in der Nacht und am frühen Morgen, wenn wir uns ausruhen oder auf den Arbeitstag vorbereiten, dann senken Bäume und Wälder in der Stadt die Temperatur erheblich.
Das kühlende Potenzial von Bäumen wurde im Projekt GrüneLunge nachgewiesen, in dem das KIT mit Kooperationspartnern die Wirkung und Resilienz städtischer Wälder erforscht. Neben der Klimaregulierung tragen Bäume zur Reduzierung von Luftverunreinigungen und zur Verringerung der Bodenerosion bei. Ihre Fähigkeit, wasseraufnahmefähige Böden zu bilden, hilft zudem, die Auswirkungen von Starkregenereignissen abzufedern.
Unsere Empfehlung lautet ganz klar, die Zahl der Bäume in der Stadt zu erhöhen. Vor allem in der Nähe von gefährdeten Infrastrukturen wie Krankenhäusern, Pflegeheimen, Kindergärten, Schulen und Kindertagesstätten sollten wir mehr Bäume pflanzen. Außerdem müssen wir natürlich den vorhandenen Baumbestand schützen und erhalten. Bäume sind ein Schutzschild gegen Klimawandelfolgen in der Stadt.
Die Planung von Baumbepflanzungen erfordert Sorgfalt, insbesondere bei der Auswahl der Baumarten. Monokulturen sind zur Verbesserung des Stadtklimas nicht geeignet.
Wir haben festgestellt, dass in Stadtgebieten mit einer größeren Vielfalt an Bäumen die Lufttemperatur während Hitzewellen niedriger ist als in solchen mit einer geringeren Vielfalt unter ähnlichen Bedingungen.
Zusätzlich zur Artenvielfalt spielen weitere Faktoren eine Rolle. Alte und einheimische Bäume haben einen besonders positiven Effekt auf die Biodiversität in der Stadt.
Die Forschung des Projekts GrüneLunge zeigt jedoch auch, dass wiederkehrende Dürreereignisse die Gesundheit von Stadtbäumen erheblich beeinträchtigen. Die effektivsten Gegenmaßnahmen sind noch nicht vollständig geklärt.
Als künstliches Ökosystem reagieren Bäume und Tiere in einem urbanen Umfeld nicht auf dieselbe Weise wie natürliche Wälder. Um die Resilienz der Stadtwälder zu erhöhen müssen wir noch viel lernen.
Es ist notwendig, angemessene Ressourcen in die Grundlagen- und angewandte Forschung zu investieren, um Bereiche wie urbane Forstwirtschaft, Landschaftsarchitektur, Gesundheitsschutz und Stadtplanung mit den erforderlichen Werkzeugen auszustatten.
Als technische Sofortmaßnahme empfehlen Saha und seine Kollegen von GrüneLunge den Städten den Aufbau intelligenter Sensornetzwerke zur Überwachung der Bodenfeuchtigkeit. Diese könnten die Bewässerung von Stadtbäumen optimieren.
