Die Grüne Stadt

Klimaanpassung im Ruhrgebiet: Die Schwammstadt als Zukunftsmodell

Im Ruhrgebiet arbeiten Fachleute aus den Stadtverwaltungen gemeinsam an Lösungen, um Städte nach dem Prinzip der Schwammstadt umzugestalten. Diese Initiative wird durch das Land Nordrhein-Westfalen unterstützt und zielt darauf ab, urbane Räume an die Folgen des Klimawandels anzupassen.

Das Expertenforum Klima.Werk: Austausch und Strategieentwicklung für die Region

Die Zukunftsinitiative Klima.Werk, ein Netzwerk aus Emschergenossenschaft und Kommunen, veranstaltet jährlich ein Expertenforum. Hier treffen sich Vertreter der Fachbereiche Tiefbau, Stadtentwicklung, Umwelt, Entwässerung, Verkehr, Grünflächen und Gesundheit aus den Verwaltungen mit Experten aus Wissenschaft und Politik. Gemeinsam entwickeln sie Strategien für eine wasserbewusste Stadt- und Raumplanung im Ruhrgebiet.

Das Forum 2023 wurde von den Wirtschaftsbetrieben Duisburg (WBD) ausgerichtet und stand unter dem Motto "Vitamin Blau-Grün: Rezepte für lebenswerte Städte – gemeinsam für eine klimaresiliente Region". Rund 350 Teilnehmer diskutierten über die Dringlichkeit der Klimaanpassung, wie Bundestagspräsidentin Bärbel Bas in einer Videobotschaft hervorhob.

NRW-Umweltminister Oliver Krischer besuchte ebenfalls die Tagung und zeigte sich beeindruckt von der städteübergreifenden Zusammenarbeit. Er hob die Bedeutung eines ambitionierten Klimaschutzes und einer vorsorgenden Klimaanpassungspolitik hervor, die nur durch die Beteiligung von Kommunen, Unternehmen, Wohnungsbaugesellschaften und Bürgern gelingen könne.

"Wir zeigen mit dieser Utopie, wie das Ziel aussieht und woran wir arbeiten: eine Stadt mit mehr Raum für Wasser und Grün, die so gegen die Folgen des Klimawandels mit zunehmendem Extremwetter wie Starkregen oder Hitze gewappnet ist und damit die Gesundheit der Bürger*innen schützt", so WBD-Vorstand Uwe Linsen.

Prof. Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft, ergänzte, dass Lösungen für den klimaresilienten Umbau existieren, die die Lebens- und Aufenthaltsqualität in den Städten verbessern. Er betonte auch, dass die Investitionen in die Umgestaltung zur Schwammstadt zwar Kosten verursachen, die Behebung von Schäden im Nachhinein jedoch deutlich teurer sei.

Das Prinzip der Schwammstadt: Natürlicher Wasserkreislauf im Fokus der Stadtplanung

Das Konzept der Schwammstadt zielt darauf ab, den natürlichen Wasserkreislauf in urbanen Gebieten zu stärken. Regenwasser wird dabei nicht mehr direkt in die Kanalisation geleitet, sondern lokal zurückgehalten, gespeichert oder Gewässern zugeführt. Dies ermöglicht das Versickern ins Grundwasser, die Nutzung zur Bewässerung oder die Verdunstung zur Kühlung der Umgebung.

Maßnahmen zur Umsetzung der Schwammstadt umfassen:

  • Die Entsiegelung von Flächen.
  • Die Abkopplung von Regenwasser von der Kanalisation.
  • Den Bau von Versickerungsmulden und unterirdischen Speichern (Rigolen).
  • Die Schaffung von offenen Ableitungsrinnen.
  • Die Zuleitung von Regenwasser zu Gewässern.
  • Dach- und Fassadenbegrünungen.

Beispiele aus Duisburg verdeutlichen diese Ansätze: Im neuen Stadtteil Sechs-Seen-Wedau wird Niederschlagswasser zur Versickerung auf der Fläche zurückgehalten. Im Wohnquartier Angerbach wird Regenwasser von Dächern über offene Rinnen in Mulden geleitet und über ein Filtersystem dem Angerbach zugeführt.

Impulse und praktische Umsetzung für eine klimaresiliente Region

Das Expertenforum bot den Teilnehmern auch Impulse von Fachleuten wie Prof. Dr. Heike Köckler von der Hochschule für Gesundheit in Bochum, die den Zusammenhang zwischen Wohnort und Gesundheit beleuchtete, sowie von Dr. Insa Thiele-Eich, Klimatologin und künftige Astronautin. Im Anschluss an die Vorträge arbeiteten die Fachleute in Workshops an konkreten Projekten und besichtigten bei Exkursionen Best-Practice-Beispiele für Klimaanpassung, darunter das ehemalige Zechengelände Dinslaken-Lohberg, den Landschaftspark Duisburg Nord sowie klimaresiliente Wohnquartiere in Mülheim und Sechs-Seen-Wedau.

Das 9. Expertenforum wird 2024 in Bottrop stattfinden.

Die Zukunftsinitiative Klima.Werk: Ein regionales Engagement für den Klimaschutz

Die Zukunftsinitiative Klima.Werk ist ein Kooperationsprojekt der Emschergenossenschaft und der Emscher-Kommunen. Sie hat zum Ziel, die Folgen des Klimawandels abzumildern und die Lebensqualität in den Quartieren durch eine wasserbewusste Stadt- und Regionalentwicklung zu steigern. Der "grün-blaue Umbau" begann 2005 mit der Zukunftsvereinbarung Regenwasser (ZVR) und entwickelte sich 2014 zur Zukunftsinitiative "Wasser in der Stadt von morgen", die heute als Zukunftsinitiative Klima.Werk bekannt ist.

Unter dem Dach des Klima.Werks wird das Ruhrkonferenz-Projekt "Klimaresiliente Region mit internationaler Strahlkraft" des Landes Nordrhein-Westfalen umgesetzt. Seit 2020 beteiligen sich alle Wasserverbände der Region an diesem Projekt, dessen Förderkulisse das Gebiet des Regionalverbandes Ruhr mit 53 Städten und Gemeinden umfasst. Bis 2030 sollen rund 250 Millionen Euro in den klimafesten Wandel investiert werden. Ziel ist es, in ausgewiesenen Gebieten 25 Prozent der befestigten Flächen abzukoppeln und die Verdunstungsrate um 10 Prozentpunkte zu steigern. Die Serviceorganisation der Zukunftsinitiative bei der Emschergenossenschaft koordiniert die Umsetzung der Klimafolgenanpassungsmaßnahmen mit den Städten.

06.11.2023

Video zu diesem Thema

Zurück