Grüne Branche fordert Unterstützung für klimaresiliente Stadtentwicklung
Der Handlungsdruck auf Politik und Verwaltung, Städte und Kommunen klimafest zu gestalten, nimmt zu. Dies wurde auf einem Parlamentarischen Abend am 15. Oktober 2024 in Berlin deutlich, der gemeinsam vom Bund deutscher Baumschulen (BdB), dem Bund Deutscher Landschaftsarchitekt:innen (bdla), dem Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL) und dem Zentralverband Gartenbau (ZVG) veranstaltet wurde.
Vertreter der Wertschöpfungskette für die grüne Infrastruktur betonten die Notwendigkeit politischen Verständnisses für ihre Belange, um in Zeiten des Wandels bestehen und wirtschaftlich gedeihen zu können. Die vier Verbände luden zum Austausch in die Deutsche Parlamentarische Gesellschaft ein. Schirmherr des Abends war der Bundestagsabgeordnete Stefan Rouenhoff (CDU/CSU-Fraktion).
Die Grüne Branche kämpft mit einer stetig wachsenden Zahl gesetzlicher Anforderungen. Sie stellen vor allem für kleine und mittlere Betriebe eine Belastung dar. Die Bundesregierung darf diesen Unternehmen nicht die Luft zum Atmen nehmen, denn sie bilden das Rückgrat der Grünen Branche. Deshalb ist die Koalition aufgefordert, das umsetzen, was sie versprochen hat: Weniger Bürokratie, mehr Planungssicherheit und bessere Rahmenbedingungen. Reine Lippenbekenntnisse jedenfalls stärken die Wettbewerbsfähigkeit der mittelständischen Betriebe nicht.
Die neu gewählte ZVG-Präsidentin Eva Kähler-Theuerkauf verwies auf das „Maßnahmenpaket Zukunft Gartenbau“, das Anfang des Jahres vorgestellt wurde. Dieses Paket zeige die notwendigen Rahmenbedingungen auf, um den Gartenbau zukunftssicher zu gestalten. Kähler-Theuerkauf forderte, diese Stellschrauben und Lösungsansätze dringend anzugehen, um den Betrieben Planungssicherheit zu geben.
BdB-Präsident Hajo Hinrichs hob hervor, dass die nationale Umsetzung des Nature Restauration Law der EU einen Drahtseilakt darstelle. Er betonte, dass immenses Know-how und ein gewaltiges Budget erforderlich seien, um Städte mithilfe von Gehölzpflanzungen klimaresilient zu machen. Zudem sei es wichtig, die Flächen zur Produktion der benötigten Pflanzen zu erhalten.
BGL-Präsident Thomas Banzhaf thematisierte das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz (ANK). Er stellte fest, dass die Bundesregierung damit längst überfällige Maßnahmen für mehr Grün in Städten und im ländlichen Raum auf den Weg gebracht habe. Die Sicherung der ANK-Finanzierung sei positiv. Bei den nächsten Förderrichtlinien komme es darauf an, dass diese zu einer praktischen Umsetzung von Grünprojekten führen. Dafür seien schlanke Verfahren und attraktive Förderungen für die Kommunen notwendig.
bdla-Präsident Prof. Stephan Lenzen nutzte den Abend, um über die Novellierung des Städtebaurechts zu sprechen. Er zeigte sich enttäuscht von den unzureichenden Regelungen im BauGB zur Bewältigung des Klimawandels. Lenzen kritisierte den neuen monofunktionalen Versickerungsfaktor in der BauNVO und plädierte für einen Grünflächenfaktor.
Freiräume müssen mehr können, als nur Niederschläge versickern zu lassen, wenn sie helfen sollen, die Klimaanpassung und die Biodiversität in unseren Städten zu fördern.
