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Klimaschutz: Treibhausgasemissionen 2009 um 8,4 Prozent gesunken

Deutschland verzeichnete 2009 einen deutlichen Rückgang der Treibhausgasemissionen um 8,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, maßgeblich beeinflusst durch die Wirtschaftskrise. Dieser Rückgang bietet eine Chance, Klimaschutz und Wirtschaftswachstum dauerhaft zu entkoppeln.

Deutschland erreicht deutliche Emissionsminderung

Deutschland verzeichnete im Jahr 2009 einen deutlichen Rückgang der Treibhausgasemissionen. Nach ersten Berechnungen des Umweltbundesamtes (UBA) sank der Gesamtausstoß aller Treibhausgase gegenüber 2008 um rund 80 Millionen Tonnen, was einer Reduktion von 8,4 Prozent entspricht. Im Vergleich zum Referenzjahr 1990 konnten die Emissionen bis Ende 2009 um 28,7 Prozent gesenkt werden. Besonders ausgeprägt war dieser Rückgang im Industrie- und verarbeitenden Gewerbe, wo die Emissionen um 20 Prozent zurückgingen.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen erklärte hierzu: "Der Rückgang der Emissionen liegt vor allem an der Wirtschaftskrise. Unser Ziel heißt jedoch Wachstum durch Klimaschutz. Deswegen werden wir den Ausbau der Erneuerbaren Energien und die Förderung der Energieeffizienz weiter forcieren, denn nur dies garantiert dauerhaften Klimaschutz und fördert zugleich das Wirtschaftswachstum."

Angesichts dieser Entwicklung betonte UBA-Präsident Jochen Flasbarth die Notwendigkeit, den Klimaschutz bei allen Maßnahmen zum wirtschaftlichen Wiederaufschwung zu berücksichtigen. Er sieht im überproportionalen Rückgang eine Chance:

"Gerade dieser überproportionale Rückgang sollte auch als Chance genutzt werden. Wir müssen bei der wiederanspringenden Wirtschaftsentwicklung den Treibhausgasausstoß noch stärker vom Energieverbrauch entkoppeln. Der Rückgang der Energienachfrage zeigt ja, wie stark Energieeinsparung wirken könnte. Nur durch die Umsetzung der beschlossenen sowie weiterer effizienzsteigernden und emissionssenkenden Maßnahmen der Klima- und Energiepolitik kann ein deutlicher Wiederanstieg der Emissionen beim Überwinden der ökonomischen Krise vermieden und somit das Ziel der Bundesregierung – Minderung der Treibhausgasemissionen um 40 Prozent bis 2020 – erreicht werden."

Dies umfasse Effizienzsteigerungen, den Ausbau erneuerbarer Energieträger, Gebäudesanierungen und weitere konkrete Minderungsmaßnahmen. Der stärkste Rückgang der Treibhausgasemissionen in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland ist maßgeblich auf den Industriebereich zurückzuführen, insbesondere auf energieintensive Branchen. Auch die Emissionen aus der öffentlichen Stromerzeugung sanken aufgrund der deutlich gesunkenen Stromnachfrage aus der Industrie.

Im Gegensatz dazu zeigten sich die Auswirkungen der Wirtschaftskrise bei den CO2-Emissionen von Haushalten sowie im Gewerbe-, Handels- und Dienstleistungssektor nicht oder nur in geringem Umfang. Die sogenannte "Abwrackprämie" für alte Pkw hatte 2009 kaum Einfluss auf die Treibhausgasemissionen im Verkehrssektor. Entscheidend für den Gesamtrückgang waren die Kohlendioxid-Emissionen, die um 68 Millionen Tonnen (minus 8,2 Prozent) sanken. Dies war ein stärkerer Rückgang als der des Primärenergieverbrauchs, der insgesamt um 6,5 Prozent zurückging. Der Energieverbrauch der emissionsrelevanten Brenn- und Kraftstoffe reduzierte sich um 7,3 Prozent.

Verschiebungen im Brennstoffmix als Faktor

Die stärkere CO2-Minderung im Vergleich zum sinkenden Primärenergieverbrauch ist auf Verschiebungen im Mix der eingesetzten Brennstoffe zurückzuführen. Insbesondere der Bereich der Steinkohlen verzeichnete einen überproportionalen Rückgang von 18,1 Prozent. Kohlendioxid hatte auch 2009 mit etwa 87 Prozent den größten Anteil an den deutschen Treibhausgasemissionen. Die CO2-Emissionen aus der Nutzung von Braunkohle sanken insgesamt um 3,2 Prozent, wobei der größte Teil der Rückgänge auf Kraftwerke der öffentlichen Versorgung entfiel. Der Einsatz von Braunkohle in der Industrie ging ebenfalls zurück, während der Briketteinsatz in kleinen Feuerungen, unter anderem in Haushalten, witterungsbedingt zunahm.

Den stärksten Rückgang unter allen Energieträgern verzeichneten die Steinkohlen, die aufgrund ihrer hohen CO2-Emissionen maßgeblich den Gesamttrend beeinflussen. Die größte Minderung erfolgte hier konjunkturbedingt in der Stahlerzeugung und der industriellen Wärmeerzeugung. Auch die Stromerzeugung aus Steinkohle sank deutlich um 12,5 Prozent, hauptsächlich im Industriebereich. Bei Haushalten und Kleinverbrauchern kam es dagegen witterungsbedingt zu einem leichten Anstieg des Steinkohleeinsatzes. Die Emissionen aus der Nutzung von Erdgas sanken insgesamt um etwas über neun Prozent, am deutlichsten im Industriebereich aufgrund von Produktionsrückgängen. Erstmals seit 1994 sank auch die Stromerzeugung aus Erdgas. Bei diesem Brennstoff gab es ebenfalls einen leichten Zuwachs der Emissionen aus Haushalten und Kleinverbrauchern aufgrund der Witterung.

Die Kohlendioxid-Emissionen aus der Nutzung von Mineralölen gingen um 4,3 Prozent zurück. Der Heizölverbrauch in Haushalten stagnierte, und im Verkehr sowie bei Kleinverbrauchern gab es eine geringfügige Senkung. Die CO2-Emissionen aus flüssigen Kraftstoffen sanken nur unwesentlich um etwa 0,3 Prozent. Die Stromerzeugung aus Mineralöl war der einzige fossile Energieträger, der eine leichte Zunahme verzeichnete, bedingt durch einen höheren Einsatz zur Spitzenlasterzeugung. Der Eigenverbrauch der Raffinerien ging hingegen aufgrund geringerer Auslastung deutlich zurück. Der größte Emissionsrückgang im Mineralölbereich erfolgte konjunkturbedingt in der Industrie.

Erneuerbare Energien und andere Treibhausgase

Die Strombereitstellung aus Erneuerbaren Energien (EE) erreichte 2009 trotz weiteren Ausbaus aufgrund eines unterdurchschnittlichen Windjahres nur das Niveau des Vorjahres. Der Anteil der Erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch stieg jedoch leicht an, insbesondere wegen des Rückgangs des gesamten Stromverbrauchs. Detaillierte Schätzungen zur EE-Bilanz für 2009 werden vom Bundesumweltministerium Mitte März veröffentlicht.

Methan und Lachgas trugen 2009 jeweils etwa 5,5 Prozent zu den Gesamtemissionen an Treibhausgasen bei, während fluorierte Gase weitere zwei Prozent verursachten. Die Gesamtemissionen von Methan sanken 2009 leicht um etwas über drei Prozent, hauptsächlich bedingt durch Minderungen in der Abfallbehandlung und konjunkturelle Rückgänge im Energie- und Prozessbereich. Die Methan-Emissionen in der Landwirtschaft blieben unverändert.

Beim Lachgas, das vor allem in der Landwirtschaft durch Düngung und in der chemischen Industrie entsteht, sanken die Emissionen um 15 Prozent. Dies ist auf den deutlichen Rückgang beim Einsatz mineralischer Dünger und die Auswirkungen der ökonomischen Krise zurückzuführen. Die Emissionen der fluorierten Klimagase (Perfluorkohlenstoffe (PFC), Hexafluorkohlenstoffe (HFC), Schwefelhexafluorid) entwickelten sich unterschiedlich: PFC-Emissionen blieben nahezu unverändert, während HFC-Emissionen durch den verstärkten Einsatz in der Kälteerzeugung um 2,5 Prozent stiegen. Die Emissionen von Schwefelhexafluorid, das als Isoliergas verwendet wird, stieg um 1,9 Prozent, hauptsächlich aufgrund der zunehmenden Entsorgung alter Schallschutzfenster, bei deren Zerstörung das Isoliergas entweicht.

Die Berechnungen des UBA basieren auf detaillierten Treibhausgasinventaren für 2008, Veröffentlichungen zum "Energieverbrauch in Deutschland 2009" der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen, zum "Bruttoinlandsprodukt 2009 für Deutschland" des Statistischen Bundesamtes sowie auf Verbandsinformationen, Expertenbefragungen und -schätzungen. Die zeitnahe Ableitung der Entwicklung in einzelnen Quellgruppen erfolgte erstmals auf Basis von Expertenbefragungen und -schätzungen. Das UBA ermittelte die Emissionen mithilfe vereinfachter modellhafter Berechnungsverfahren, wobei die zeitnahe Aktualität zu Lasten der Genauigkeit der Angaben geht. Die Aussagen zu CO2-Emissionen der verschiedenen Emittentengruppen können voraussichtlich erst nach Veröffentlichung detaillierter Angaben zum Energieverbrauch Mitte des Jahres in ihrer Genauigkeit verbessert werden. Eine erste Validierung der CO2-Emissionen wird die für Anfang April vorgesehene Veröffentlichung der Emissionsdaten emissionshandelspflichtiger Anlagen ermöglichen.

06.03.2010

Weitere Informationen erhalten Sie hier:

Umweltbundesamt (UBA)

Wörlitzer Platz 1
6844Dessau
Deutschland

Tel.:+49 340 2103-2416
Fax:+49 340 2103-2285

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