Naturschutz

Klimawandel in Deutschland: Temperaturanstieg und weitreichende Folgen

Ein neuer Monitoringbericht zeigt einen deutlichen Temperaturanstieg in Deutschland. Die mittlere Lufttemperatur erhöhte sich seit 1881 um 1,5 Grad Celsius, mit weitreichenden Folgen für Gesundheit, Landwirtschaft und Wirtschaft. Anpassungsmaßnahmen sind dringend erforderlich.

Alarmierende Entwicklung der Temperaturen

Der zweite Monitoringbericht der Bundesregierung, vorgelegt vom Bundesumweltministerium (BMU) und dem Umweltbundesamt (UBA), zeigt eine deutliche Erhöhung der mittleren Lufttemperatur in Deutschland. Von 1881 bis 2018 stieg diese um 1,5 Grad Celsius. Allein in den letzten fünf Jahren wurde ein Anstieg von 0,3 Grad Celsius verzeichnet. Diese Entwicklung führt zu erhöhten Gesundheitsrisiken durch Hitzebelastung, einem Anstieg der mittleren Oberflächentemperatur der Nordsee und stärkeren Ertragsschwankungen in der Landwirtschaft.

Die Folgen des Klimawandels treten immer deutlicher zu Tage. Die Erhöhung der durchschnittlichen Temperatur in Deutschland um 0,3 Grad in nur fünf Jahren ist alarmierend. Dem können wir nur mit vorsorgendem Klimaschutz und konsequenter Anpassung an den Klimawandel begegnen. Dies bedeutet zum Beispiel, sich bei allen Bau- und Infrastrukturprojekten besser vor Beeinträchtigungen durch Hitze, Starkregen oder Hochwasser zu wappnen. Das gilt auch für die Gestaltung von städtischen Wohngebieten. Begrünte Dächer und Gebäudefassaden, Wasserflächen und verschattete Plätze lindern hier Hitze und verbessern den Regenwasserrückhalt. Sie verbessern zugleich die Luftqualität. Eine solche nachhaltige Klimaanpassung macht unsere Infrastruktur nicht nur robuster, sie sichert auch den Standort Deutschland und bringt einen Mehrwert für unsere Lebensqualität.

Die Erhöhung der mittleren Temperatur korreliert mit einer Zunahme „Heißer Tage“, an denen die Temperaturen über 30 Grad Celsius steigen. Seit 1951 stieg deren Anzahl von etwa drei auf derzeit rund zehn Tage pro Jahr. Dies betrifft insbesondere städtische Gebiete.

Gesundheitliche und wirtschaftliche Auswirkungen

Der Monitoringbericht 2019 enthält erstmals bundesweite Daten zu hitzebedingten Todesfällen. Im Jahr 2003 starben 7.500 Menschen mehr als ohne Hitzeperiode zu erwarten gewesen wäre. In den Jahren 2006 und 2015 gab es jeweils 6.000 zusätzliche Todesfälle.

Die Wasserverfügbarkeit ist ebenfalls betroffen. In den letzten zehn Jahren traten häufiger niedrige Grundwasserstände auf, was in einigen Gemeinden bereits zu Problemen bei der Trinkwasserversorgung führte. Zunehmende Trockenheit und häufigere Niedrigwasserstände in Flüssen beeinträchtigen Ökosysteme, schränken die Schifffahrt ein und gefährden die Kühlwasserversorgung von Kraftwerken und Industrie.

In der Land- und Forstwirtschaft hat das verfügbare Wasser in landwirtschaftlich genutzten Böden in den letzten 50 Jahren deutlich abgenommen. Im Jahr 2018 verursachten Hitze und Trockenheit Schäden in Höhe von 700 Millionen Euro. Die Vegetationsperiode verlängerte sich von 222 Tagen (1951–1981) auf 232 Tage (1988–2017). Tier- und Pflanzenarten aus wärmeren Regionen, wie die Sardine oder Sardelle in der Nordsee oder die Asiatische Tigermücke, breiten sich aus. Letztere kann Krankheiten wie Chikungunya- oder Dengue-Fieber übertragen.

Auch die Wirtschaft leidet unter den Folgen der Erderwärmung, da sie von funktionierenden Infrastrukturen wie Straßen, Häfen und Wasserwegen abhängig ist. Extreme Wetterereignisse wie Stürme und Starkregen verursachten 2018 Versicherungsschäden von etwa 3,1 Milliarden Euro an Häusern, Kraftfahrzeugen, Hausrat, Gewerbe, Industrie und Landwirtschaft. Das Jahr 2018 zählte laut Versicherungswirtschaft zu den vier schwersten Sturmjahren der letzten 20 Jahre.

Erstellung des Monitoringberichts 2019

Der Monitoringbericht 2019 berücksichtigt die Daten der Jahre 2018 und 2019 noch nicht systematisch, da die Aufbereitung statistisch gesicherter, bundesweiter Daten eine zeitliche Verzögerung bedingt. Ziel des Monitorings im Rahmen der Deutschen Anpassungsstrategie ist die systematische Beobachtung von Klimawirkungen und Anpassung auf Basis statistisch fundierter Zeitreihen. Wo möglich, werden jedoch erste Einschätzungen zu den Entwicklungen in 2018/19 gegeben.

Der aktuelle Bericht wurde vom „Kompetenzzentrum Klimafolgen und Anpassung (KomPass)“ im UBA in Zusammenarbeit mit fast 200 Personen aus 30 Bundes- und Länderbehörden, mehreren Universitäten und Fachverbänden erstellt.

26.11.2019

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