Alpenregion: Erwärmung und Niederschlagsrückgang
Die Alpenregion hat sich in den letzten 150 Jahren um 2 Grad Celsius erwärmt, was doppelt so viel ist wie der Durchschnitt der nördlichen Halbkugel. In den südlichen Alpenregionen sind die Niederschläge im Vergleich zum 19. Jahrhundert um 10 bis 20 Prozent zurückgegangen. Für die kommenden Jahrzehnte wird ein weiterer Rückgang der Niederschläge, insbesondere im Sommer, erwartet.
Bereits heute führen eine ungleiche räumliche und zeitliche Verteilung der Wasserressourcen in einigen Regionen zu Engpässen. Diese Probleme könnten sich in Zukunft verschärfen, da im Sommer nicht nur das Wasserangebot abnehmen, sondern auch der Wasserbedarf steigen wird. Eine Expertengruppe, die im Auftrag der Europäischen Umweltagentur (EEA) eine Studie zur Wassersituation in den Alpen erstellt, kam jedoch zu dem Ergebnis, dass über das Jahr und im gesamten Alpenraum ausreichend Wasser vorhanden ist und dies voraussichtlich auch in naher Zukunft der Fall sein wird.
Ergebnisse der Expertenkonferenz zur Wassersituation
Wissenschaftler und Praktiker aus den acht Alpenstaaten trafen sich im Oktober 2008 in der Europäischen Akademie Bozen (EURAC), um die Ergebnisse der EEA-Studie zu diskutieren. Beteiligt waren unter anderem Vertreter der Alpenkonvention, des österreichischen Umweltbundesamtes, der EURAC sowie europäischer und slowenischer Umweltagenturen.
Die Experten stützten ihre Schlussfolgerungen auf die Analyse von sechs Fallbeispielen aus dem gesamten Alpenbogen. Die EEA befasste sich hier erstmals direkt mit den Problemen einzelner Alpenregionen. Die Untersuchungen in Österreich, Frankreich, Italien (Südtirol), Slowenien und im schweizerischen Wallis zeigten, dass Wasser zwar generell vorhanden ist, aber nicht immer zur richtigen Zeit und am richtigen Ort.
In Spitzenzeiten, wie der Frostberegnung zum Schutz der Obstblüte in Südtirol oder während der touristischen Hauptsaison in französischen Skigebieten, übersteigt der Bedarf das verfügbare Wasserangebot.
Konflikte und Lösungsansätze im Wassermanagement
Unterschiedliche Wassernutzer haben divergierende Interessen: Landwirte und Wasserkraftwerksbetreiber streben eine maximale Wasserentnahme an, während Tourismusunternehmen und Ökologen die Erhaltung einer Mindestwasserführung fordern.
In den analysierten Regionen existieren bereits erfolgreiche Anpassungsmechanismen, darunter wassersparende Bewässerungstechniken, Netzwerke der Wassernutzer und Wassernutzungspläne. Eine effiziente Wassernutzung und -verteilung wird jedoch oft durch mangelnde Koordination zwischen und innerhalb der Sektoren behindert.
Die Wissenschaftler und Praktiker empfehlen ein integriertes Wasserressourcenmanagement. Dieses Management soll alle Wassernutzer, einschließlich Landwirtschaft, Tourismus, Energielieferanten, Nicht-Regierungsorganisationen, Medien und die Bevölkerung, einbeziehen. Ziel ist es, Wasserverluste zu reduzieren, zum Wassersparen anzuhalten, die Wasserverteilung zu verbessern, Kommunikationsnetzwerke zu unterstützen, Entscheidungsprozesse zu regeln und das Wissen bei der Bevölkerung, Entscheidungsträgern und in der Wissenschaft zu erweitern.
Zukünftige Maßnahmen und Veröffentlichungen
Die Wasserproblematik im Alpenraum ist ein zentrales Thema verschiedener Gremien der Alpenkonvention. Anfang 2009 wird ein Alpenzustandsbericht mit dem Schwerpunkt „Wasser“ veröffentlicht und ein Aktionsprogramm zu Klimaschutz und Klimawandel im Alpenraum verabschiedet. Die vollständigen Empfehlungen der Expertengruppe werden von der Europäischen Umweltagentur in einem Bericht Anfang 2009 publiziert.