Studie beleuchtet Klimawandel als zentrale Herausforderung für Kommunen
Eine Ende Januar 2021 veröffentlichte Studie des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu), erstellt im Auftrag der Bertelsmann Stiftung, beleuchtet die Perspektiven von Kommunen und Bürgern zum Thema Nachhaltigkeit. Der „Monitor Nachhaltige Kommune - Bericht 2020: Schwerpunkt Klima und Energie" zeigt auf, wie der Klimawandel die kommunale Agenda beeinflusst.
Erstmals wurde der Klimaschutz in der jährlichen Difu-Befragung der Oberbürgermeister als wichtigstes Zukunftsthema für Kommunen identifiziert. H. Christian Leonhards, Präsident des Verbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Nordrhein-Westfalen e.V. (VGL NRW), kommentiert diese Entwicklung:
Wir begrüßen es außerordentlich, dass die Kommunen dieses Thema zentral stellen. Denn die Auswirkungen des Klimawandels zeigen sich jeden Tag im öffentlichen Grün der Städte und Gemeinden wie auch in privaten Gärten und der Handlungsbedarf ist immens.
Der Verband betont die Notwendigkeit einer strategischen Entwicklung und Modernisierung der grün-blauen Infrastruktur für eine zukunftsfähige und klimaangepasste Stadtentwicklung. Angesichts der Belastung urbaner Grün- und Freiräume durch den Klimawandel sei es entscheidend, die Vitalität und Funktionsvielfalt der Pflanzen zu erhalten. Zudem müsse die Vernetzung bestehender Grün- und Freiräume verbessert werden, um eine gute Kalt- und Frischluftversorgung sicherzustellen.
Gemeinsames Vorgehen und Bürgerbeteiligung
Leif Harzer, Präsidiumsmitglied im VGL NRW, hebt hervor, dass die Corona-Pandemie die Debatten um Stadtentwicklung, kommunalen Gesundheitsschutz und Klimaanpassung beeinflusst hat:
Man hat erkannt, dass öffentliche Grün- und Freiräume der Städte und Gemeinden ganz wesentlich dazu beitragen, dass die Menschen einen Ausgleich zu den Alltagsbeschränkungen hatten sowie Naturerfahrung und Begegnungsmöglichkeiten nutzen konnten.
Eine repräsentative Bevölkerungsbefragung von KANTAR und Difu, deren Ergebnisse von der Bertelsmann Stiftung veröffentlicht wurden, zeigt, dass 55 Prozent der Bürger die Folgen des Klimawandels bereits in ihrer Stadt oder Gemeinde spüren. Zwei Drittel der Befragten sehen den Klimawandel als Bedrohung an. Gleichzeitig äußert ein großer Teil der Bürger Unzufriedenheit mit den kommunalen Maßnahmen zum Klimaschutz und zur Klimaanpassung.
Cornelia Rösler, Leiterin des Forschungsbereichs Umwelt am Difu, unterstreicht die Bedeutung der Bürgerakzeptanz:
Der Bedeutungszuwachs in der Bevölkerung ist wichtig für die Akzeptanz von Klimaaktivitäten der Kommunen. Unterstützung und Mitwirkung möglichst aller Akteure vor Ort in Kombination mit den aktuell guten Förderangeboten von Bund und vielen Ländern sind Voraussetzung für eine erfolgreiche Umsetzung der nächsten notwendigen Schritte Richtung Klimaneutralität.
Klimaanpassung in Nordrhein-Westfalen: Vielfalt erhalten und fördern
Nordrhein-Westfalen, ein Bundesland mit hohem Urbanisierungsgrad, insbesondere in der Metropolregion Rhein-Ruhr, aber auch ländlichen Strukturen und großen Waldgebieten, sieht sich in der Verantwortung, seine regionale und landschaftliche Vielfalt zu erhalten. Leif Harzer betont:
Wir sind stolz auf die regionale und landschaftliche Vielfalt unserer Heimat und sehen eine große Verantwortung darin, diese zu erhalten und zu fördern.
Das Land NRW unterstützt Kommunen, Unternehmen und Privathaushalte durch verschiedene Förderprogramme, Veranstaltungen, Veröffentlichungen und Beratungsangebote bei Klimaschutz und Klimaanpassung. Harzer fasst zusammen:
Es ist eine globale Aufgabe, zu der aber jeder und jede aufgefordert sind, einen Beitrag zu leisten. Der GaLaBau hat hierbei eine besondere Rolle, denn unser Arbeitsfeld der grün-blauen Infrastruktur ist in vielfacher Weise klimarelevant.
Landschaftsgärtner tragen durch Maßnahmen wie die Anpassung von Pflanzensortimenten an Hitze- und Trockenresistenz, die Materialauswahl bei Wegen und Plätzen, großflächige Geländegestaltungen, die Renaturierung von Gewässern sowie Dach- und Fassadenbegrünungen zur Klimaanpassung bei. Diese Maßnahmen beeinflussen das lokale Klima, verbessern das Wassermanagement und schaffen oder erhalten Lebensräume für Tiere und Pflanzen.
Harzer schließt:
Gemeinsam mit Kommunen, Institutionen und Unternehmen tragen wir dazu bei, nachhaltige Konzepte umzusetzen und so die ökologische, ökonomische und gesellschaftliche Weiterentwicklung unserer Städte und Gemeinden zu unterstützen.