Naturschutz

Umfassendes Forschungsprojekt zur Bienengesundheit: FIT BEE analysiert Ursachen von Völkerverlusten

Das Forschungsprojekt „FIT BEE“ unter Koordination der Universität Hohenheim sucht nach den Ursachen hoher Bienenvölkerverluste. Es untersucht komplexe Wechselwirkungen zwischen Bienen, Krankheiten und Umwelt, um Lösungsansätze zu entwickeln und Imkern eine Checkliste für gesunde Bienenstände zu bieten.

Hintergrund und Ziele des FIT BEE Projekts

Die wiederkehrenden hohen Völkerverluste bei Bienen, die in manchen Wintern 20 bis 30 Prozent erreichen, sind Anlass für ein umfassendes Forschungsprojekt. Unter der Koordination der Universität Hohenheim suchen Forscher und Praktiker im Rahmen des Projekts „FIT BEE“ nach den Ursachen und erarbeiten Lösungsansätze. Die zentrale These ist, dass ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren die Bienenvölker schwächt. Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) fördert das Projekt mit 2,3 Millionen Euro, wovon rund 500.000 Euro direkt an die Universität Hohenheim fließen.

Dr. Peter Rosenkranz, Leiter der Landesanstalt für Bienenkunde an der Universität Hohenheim, weist darauf hin, dass selbst Imker, die alle empfohlenen Maßnahmen ergreifen, zunehmend hohe Verluste verzeichnen. Er konstatiert, dass in den letzten Jahren etwa alle zwei bis drei Winter bis zu 30 Prozent der Völker nicht überleben. Dies deutet für ihn auf eine generelle Schwächung des „Superorganismus“ Biene hin. Einzelmaßnahmen reichen seiner Ansicht nach nicht aus, um das Problem zu lösen. Stattdessen sei ein systematischer Ansatz erforderlich, der die komplexen Wechselwirkungen zwischen Einzelbienen, Bienenvolk, Krankheiten und Umweltparametern untersucht. Ziel ist die Entwicklung einer „Checkliste“ für Imker, die Bedingungen für einen gesunden Bienenstand und ein vitales Bienenvolk definiert.

Die Varroa-Milbe als Hauptverantwortlicher

Ein zentraler Ansatz des Projekts ist die Bekämpfung der Krankheiten, die zum Tod der Bienenvölker führen. Die regelmäßigen Verlustwellen legen nahe, dass Parasiten eine wesentliche Rolle spielen. Nach verlustreichen Wintern überleben vor allem starke Völker mit geringem Befallsgrad. Bei diesen baut sich jedoch innerhalb von ein bis zwei Jahren erneut ein Parasitenbefall auf, der wiederum zu erheblichen Verlusten führt.

Die Analyse der Ursachen konzentriert sich stark auf die Varroa-Milbe. Dieser Parasit wurde in den 1970er Jahren aus Asien eingeschleppt. Als Blutsauger und Krankheitsüberträger schädigt er die Bienen doppelt.

Biologische Bekämpfung der Varroa-Milbe

Dr. Rosenkranz erklärt, dass inzwischen jedes Bienenvolk von der Varroa-Milbe befallen ist und es kein hundertprozentiges Bekämpfungsmittel gibt. Die derzeit empfohlenen Methoden beschränken sich auf die Behandlung der Stöcke mit Ameisen-, Milch- oder Oxalsäure. Im Rahmen von FIT BEE arbeiten die Forscher der Universität Hohenheim an einer biologischen Bekämpfung. Dies erfordert ein tiefes Verständnis der Biologie von Parasit und Biene.

Eine Forschungsidee ist die Identifizierung der Sexual-Duftstoffe der Milben, um diese zur Verwirrung der Männchen einzusetzen. Erste Zwischenergebnisse werden als ermutigend beschrieben, jedoch handelt es sich um einen komplexen Ansatz mit vielen Detailproblemen, dessen Erfolg noch nicht garantiert ist.

Pestizidbelastung und neue Spritztechniken

Ein weiteres Teilprojekt in Hohenheim untersucht die Auswirkungen von Pflanzenschutzmitteln. Dr. Klaus Wallner, Leiter dieses Teilprojekts, weist darauf hin, dass die meisten Pflanzenschutzmittel Bienen nicht sofort töten, aber Langzeiteffekte nicht ausgeschlossen werden können. FIT BEE erfasst systematisch, wie viele Pestizide vom Feld in den Bienenstock gelangen. Dazu werden heimkehrende Bienen abgefangen und im Labor auf Pestizid-Rückstände in der Honigblase und im Pollen an den Bienenbeinen untersucht.

Gleichzeitig werden neue Techniken erforscht, die Bienenschutz und Pflanzenschutz miteinander verbinden. Zwei Ansätze werden verfolgt: neue Spritztechniken, die die Blüte schonen, und Zusatzstoffe, die Bienen abschrecken. Im Rapsanbau, der für Imker und Landwirte gleichermaßen wichtig ist, muss Raps zur Blütezeit gegen Pilzkrankheiten gespritzt werden. Dabei halten die Blüten einen Teil des Spritzmittels zurück, obwohl nur der grüne Teil der Pflanze gefährdet ist. Eine Technik, die die Pflanzen unterhalb der Blütenebene besprüht, könnte effektiver und sparsamer sein, während die Blüten wirkstofffrei blieben. Erste Tests mit neuen Prototypen laufen an der Universität Hohenheim in Kooperation mit einem Anbieter für Spritzdüsen.

Abschreckende Zusatzstoffe für Pflanzenschutzmittel

Parallel dazu wird an Zusatzstoffen geforscht, deren Geruch oder Geschmack Bienen abschreckt. Bekannte Stoffe wie Bittermandelöl oder Nelkenöl verlieren ihre Wirkung im Freien jedoch schnell. Das Forschungsprojekt FIT BEE plant daher, Methoden aus der Lebensmittel- und Pharmaindustrie zu adaptieren, um die Stoffe so zu verkapseln, dass sie nur nach und nach freigesetzt werden. Eine Wirkzeit von ein bis zwei Tagen wird als Erfolg gewertet. Hierfür ist noch Grundlagenforschung erforderlich, um Methoden zur Testung ganzer Wirkstoffserien zu entwickeln. Das Projekt ermöglicht eine konsequente Verfolgung dieser Ideen und den Transfer in die Praxis.

Umfassender Ansatz mit vierzehn Partnern

Die Forschungen an der Universität Hohenheim sind Teil eines breiten Bündnisses im Projekt FIT BEE, das einen umfassenden und systematischen Ansatz verfolgt. Insgesamt beteiligen sich 14 Forschungseinrichtungen und Wirtschaftsunternehmen. Die Universität Hohenheim koordiniert das Projekt und ist für zwei von sieben Teilprojekten verantwortlich.

Diagnose-Werkzeuge und Maximalbelastung

In der Grundlagenforschung müssen neue Methoden und Standards zur Beurteilung der Gesundheit einzelner Bienen entwickelt werden. Dr. Annette Schroeder von der Landesanstalt für Bienenkunde nennt als Beispiel Diagnose-Sticks für Blutproben von Bienen. Es ist bekannt, dass das Immunsystem von Bienen auf den Kontakt mit Pestiziden reagieren kann. Nun werden Methoden benötigt, um solche Parameter auch im Feld zu untersuchen.

Ein Modul untersucht die Auswirkungen einzelner kranker Bienen auf das gesamte Volk. Ein weiteres Modul sucht Kriterien für gute und schlechte Standorte, und ein drittes analysiert die Ausbreitung von Krankheiten zwischen den Völkern. Dr. Schroeder betont, dass für den Imker das gesamte Volk zählt, da die Biene wie eine Zelle im Organismus ist. Es wird untersucht, wie viele kranke Tiere das System verkraftet.

Standortfragen und Klima-Einflüsse

Obwohl es viele Erfahrungswerte zum optimalen Bienenstandort gibt, fehlt es an verlässlicher Forschung. Die Zahl der Bienenvölker hat seit dem Krieg stark abgenommen, und die verbleibenden Völker konzentrieren sich auf wenige gute Standorte. Es wird untersucht, wo die Obergrenze liegt und welche Empfehlungen für Standorte gegeben werden können. Bienen fliegen in einem Umkreis von zwei Kilometern. Daher wird analysiert, wie die Landschaft in diesem Umkreis strukturiert sein muss und wie viel Pollen verfügbar sein sollte. Eine weitere Arbeitsgruppe widmet sich den bisher wenig beleuchteten Wetter- und Klima-Einflüssen. Zunächst müssen Grundsatzfragen geklärt werden, welche Wetterparameter relevant sind und wie sie erfasst werden können, um anschließend zu untersuchen, ob Völker bei bestimmten klimatischen Schwankungen anfälliger für Krankheiten sind.

Definition von Standards und Schwellenwerten

Die gesammelten Forschungsergebnisse sollen einen Standard für das ideale Bienenvolk definieren. Daraus soll abgeleitet werden, mit welchen Einschränkungen ein Imker immer noch von einem vitalen, gesunden und leistungsfähigen Volk ausgehen kann. Dr. Rosenkranz erwartet ein Set von Grenzwerten und Werkzeugen, um die Bienengesundheit langfristig zu verbessern.

04.04.2012

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