Kompost im Ökolandbau: Ertragssteigerung und neue Vermarktungswege für nachhaltige Landwirtschaft
Wilfried Stegmann von der Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen GmbH präsentierte auf der 20. Jahrestagung des VHE Nord Ergebnisse aus dem EU-geförderten EIP-Projekt „Bio-Kartoffeln mit Kompost“. Dieses dreijährige Projekt untersucht auf vier Bio-Betrieben in Niedersachsen die Effekte unterschiedlicher Kompostgaben im Kartoffelanbau. Ein Hauptergebnis ist, dass der Einsatz von Komposten im Bio-Kartoffelanbau den Ertrag um ein Fünftel steigern kann.
Besonders auf leichten und schwach versorgten Böden zeigt sich die ertragssteigernde Wirkung kurzfristig am deutlichsten. Darüber hinaus wirkt sich der eingesetzte Kompost positiv auf den Ertrag nachfolgender Kulturen aus. Stegmann wies zudem auf Anzeichen hin, dass höhere Kompostgaben die Knollenqualität positiv beeinflussen könnten.
Diese Erkenntnisse sind nicht nur für den Ökolandbau vielversprechend, sondern eröffnen auch der Kompostwirtschaft neue Vermarktungswege. Angesichts der neuen Düngeverordnung, die eine Abkehr konventioneller Landwirte vom Komposteinsatz zur Folge haben kann, suchen Kompostierer nach neuen Partnern. Ralf Gottschall vom Ingenieur-Büro für Sekundärrohstoffe und Abfallwirtschaft ISA in Lüneburg betonte die Chancen, die der ökologische Landbau bietet: „Der ökologische Landbau ist ein interessantes neues Vermarktungsgebiet für gütegesicherte Kompostanlagen, sowohl was Biogut- als auch Grüngutkomposte anbelangt.“
Gottschall sieht großes Potenzial für eine gemeinsame Erschließung dieser Märkte. Er hob hervor, dass der ökologische Landbau stark wachse, weniger Probleme mit der Düngeverordnung habe und zudem auskömmliche Preise zahle. Schätzungen zufolge erfüllt bereits heute rund die Hälfte der in Deutschland erzeugten Bio- und Grüngutkomposte die Qualitätsanforderungen der Ökolandwirtschaft, insbesondere hinsichtlich der strengen Grenzwerte für Plastik und Schwermetalle. Bundesweit beteiligen sich bereits etwa 500 Ökolandwirte an dieser Entwicklung.
Herausforderung Sortenreinheit: Störstoffe in der Biotonne als Hemmnis für die Kreislaufwirtschaft
Trotz der vielversprechenden Perspektiven bleibt die Problematik der Sortenreinheit in der Bioabfallwirtschaft bestehen. „Wenn wir Kreisläufe schließen wollen, müssen die Leute ihre Abfälle noch besser trennen“, mahnte Gottschall. Jens Ohde, Geschäftsführer der GAB Gesellschaft für Abfallwirtschaft und Abfallbehandlung mbH im Landkreis Pinneberg, unterstrich die Notwendigkeit, qualitativ hochwertigen Kompost zu produzieren, um ihn erfolgreich vermarkten zu können.
Die GAB, die auf ihrer eigenen Kompostierungsanlage mit „Plastikbefall“ zu kämpfen hat, startete zusammen mit anderen Abfallwirtschaftsunternehmen die Informations- und Aufklärungskampagne „#WIRFUERBIO“. Diese Kampagne, unter der Schirmherrschaft von Robert Habeck, wirbt mit einer modernen Bildsprache und Social-Media-Ansatz für eine plastikfreie Bioabfalltrennung. Die Initiative, die verschiedene Medien wie Plakate, Flyer, Radiospots und eine App nutzt, fand in Lüneburg breite Zustimmung. Ulf Meyer zu Westerhausen, Geschäftsführer des VHE Nord, begrüßte die Initiative ausdrücklich und sprach sich für eine zukünftig zielgerichtete Kooperation der Verbände aus.
Die Fehlquoten in der Biotonne sind weiterhin zu hoch, was zu einem erheblichen Aufwand für Kompostierer führt, um die Grenzwerte einzuhalten. Das Ziel muss sein, Störstoffe gänzlich zu vermeiden, damit am Ende ausschließlich guter Kompost auf den Feldern landet. Dies ist auch für Ökolandwirte wie Dieter Dreyer aus Bornsen, der am EIP-Projekt beteiligt ist, von entscheidender Bedeutung. Er betonte: „Der Komposteinsatz ist eine interessante Sache, zweifelsohne. Aber ich bin natürlich skeptisch, wenn ich durch einen vermeintlich sauberen Kompost langfristig doch Plastikteile auf meinem Acker antreffe.“
Es bedarf einer größeren Achtsamkeit der Bürger bei der getrennten Sammlung von Bioabfällen, idealerweise beginnend mit erlebnispädagogischen Maßnahmen bei Kindern, wie Sigrun Jungwirth in ihrem Vortrag darlegte. Stefan Grüner, der neue Vorsitzende des VHE Nord, äußerte sich angesichts der bisherigen Anstrengungen der Kompostwirtschaft zur Verbesserung der Sortenreinheit ernüchtert. Er hofft, dass Sensibilisierungskampagnen wirken, sieht aber auch die Notwendigkeit, die Verantwortung der Bürger stärker hervorzuheben. Grüner schloss nicht aus, dass eine Novellierung der Bioabfallverordnung notwendig sein könnte, um den „Fehlwurffrevel“ wirksamer zu unterbinden.


