Studie enthüllt Interesse an „Krummüse“
Gemüse, das nicht den üblichen Normen für Form, Größe und Farbe entspricht, erreicht in Deutschland oft nicht den Handel. Eine studentische Untersuchung an der Universität Hohenheim im Rahmen des Projekts „Humboldt reloaded“ hat ergeben, dass ein Marktpotenzial für solches biologisches „Krummüse“ aus der Region besteht, sofern es zu fairen Preisen angeboten wird.
Als Reaktion auf diese Erkenntnisse soll im Sommersemester in Kooperation mit dem regionalen Bioland Gemüsehof Hörz in Filderstadt ein Vermarktungsexperiment unter dem Titel „Bodenschätze“ auf dem Campus beginnen. Eine Umfrage mit dem Titel „Gesunde Macke“ stieß auf großes Interesse und generierte über 1.000 auswertbare Fragebögen von Studierenden aller Fakultäten.
Dieses interdisziplinäre Projekt wurde im Wintersemester 2017/2018 durchgeführt. „Humboldt reloaded“ ermöglicht Bachelor-Studierenden der Universität Hohenheim ab dem zweiten Fachsemester, wissenschaftliche Methoden in forschungsnahen Projekten kennenzulernen und praktisch anzuwenden.
Offenheit für optisch abweichendes Gemüse
Die Studierenden untersuchten, ob ihre Kommilitonen bereit wären, optisch abweichendes, aber gesundes und schmackhaftes Gemüse zu kaufen. Die Idee war ein Bestell-Service für regionales, biologisches „Krummüse“ direkt auf den Campus.
Die Umfrageergebnisse zeigten eine deutliche Akzeptanz: 93 Prozent der Teilnehmer gaben an, grundsätzlich krummes Bio-Gemüse kaufen zu wollen. Über die Hälfte der Befragten konnte sich vorstellen, den Bestell-Service im kommenden Semester zu nutzen. 73 Prozent der Befragten kochen drei bis sechs Mal pro Woche zu Hause, wobei knapp die Hälfte davon drei bis vier Mal frisches Gemüse verwendet.
Natürlich ist unsere Befragung nicht repräsentativ und kann das tatsächliche Konsumverhalten nicht 1:1 vorhersagen. Aber sie ist ein Indikator dafür, dass das Interesse und das Bewusstsein für das Thema Lebensmittelverschwendung und gesunde Ernährung unter Studierenden der Universität Hohenheim ausgesprochen stark ausgeprägt ist. Unser Praxispartner, der Bioland Gemüsehof Hörz in Filderstadt, ist von der großen Resonanz auf jeden Fall begeistert.
Dies erklärte Projektleiterin Vanessa-Emily Schoch vom Fachgebiet Ökonomik und Management sozialer Dienstleistungen.
Vermarktungsprojekt „Bodenschätze“
Im Rahmen von „Humboldt reloaded“ wird im Sommersemester gemeinsam mit dem Gemüsehof Hörz ein Vermarktungsexperiment auf dem Campus gestartet und durch studentische Projekte begleitet. Der Name der Aktion, „Bodenschätze“, ging als Favorit aus der Online-Befragung hervor.
Die Umfrageergebnisse wurden erstmals bei einer Podiumsdiskussion der Reihe „Green BUG Lectures“ in der Thomas-Müntzer-Scheuer, einem studentischen Treffpunkt an der Universität Hohenheim, vorgestellt. Die Veranstaltung wurde von den studentischen Gruppen Greening Hohenheim und FRESH organisiert.
Diskutiert wurden die Projektergebnisse sowie die allgemeine Frage nach der geringen Akzeptanz von krummem Gemüse in der Gesellschaft. Eine anschließende „Schnippeldisko“ bot den Anwesenden die Möglichkeit, den Geschmack von krummem Gemüse zu erleben. Auf dem Podium waren Beate Hörz vom Bioland Gemüsehof Hörz, Dr. Christian Eichert, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau e.V. (AÖL), und Maximilian Schambeck, studentischer Teilnehmer des Projekts „Gesunde Macke“, vertreten. Die Moderation übernahm Julia Fülle von Greening Hohenheim.
