Umfassende Renaturierung der Oberen Argen
Ein 3,5 Kilometer langer Abschnitt der Oberen Argen wurde renaturiert, was den längsten Renaturierungsabschnitt an diesem Fluss darstellt. Oberbürgermeister Michael Lang und Kai Ruedel, Projektleiter des Regierungspräsidiums Tübingen, erläuterten die Veränderungen. Das gemeinsame Engagement von Land Baden-Württemberg, Stadt Wangen im Allgäu und Landesgartenschau ermöglichte die ökologische Aufwertung des Bereichs vom Rehgarten im Norden bis zur Riedbrücke im Süden des Parks.
Kai Ruedel betonte die Wiederherstellung des Zugangs zum Wasser: „Zuvor war das Ufer zugewachsen und Bänke schauten weg vom Wasser. Das hat sich mit dem Projekt komplett verändert.“ Die Maßnahmen verbessern auch die Lebensbedingungen für Fische, die den Abschnitt nun in beide Richtungen durchschwimmen können. Ein bereits 2010 im Zuge des Baus einer Wasserkraftanlage errichteter Fischpass trägt zur Durchgängigkeit des Gewässers bei, was im Einklang mit der europäischen Wasserrahmenrichtlinie steht.
Zugänglichkeit und Naturerleben
Zwischen 2020 und 2023 wurde die Obere Argen an mehreren Stellen aufgeweitet und gezielt zugänglich gemacht. Dies soll Besucher lenken und gleichzeitig der Natur an anderen Stellen Raum zur Entfaltung geben. Die Ministerin erlebte am Beispiel der Herzmannser Gärten, wie der Bezug zum Wasser wiederhergestellt wurde. Flusseinbauten im gesamten Abschnitt schaffen Ruhezonen im Gewässer.
Entlang des Weges wurden neue Kugelbahnen installiert, die das Leben im und am Fluss thematisieren. Diese dienen der spielerischen Wissensvermittlung, wie LGS-Geschäftsführer Karl-Eugen Ebertshäuser ausführte.
Nachhaltige Energieversorgung und Hochwasserschutz
Im Treffpunkt Baden-Württemberg wurden Maßnahmen zur nachhaltigen Energieversorgung des neuen Stadtteils vorgestellt. Oberbürgermeister Lang erläuterte, dass Abwasser aus dem städtischen Sammler unter der Auwiesenbrücke zusammen mit Nahwärme aus einer Energiezentrale zur Beheizung des neuen Stadtteils genutzt wird. Die Klimaschutz- und Energieagentur Ravensburg unterstützt Kommunen in der Region bei der erfolgreichen Teilnahme am European Energy Award, darunter auch die Stadt Wangen.
Am Argenknie wurde am 29. Juli 2022 ein Durchbruch geschaffen, der den Fluss auf der Argenwiese in einem Bogen umleitet. Ziel ist es, dem Wasser Raum zur Ausbreitung zu geben. Das "Nagen" des Flusses an seinem Bett ist dabei gewollt und hat sich bereits bei Hochwasserereignissen Ende Mai und Anfang Juni gezeigt. Der alte Flussarm dient nach dem Umbau als Rückzugsgebiet für Wasserbewohner, die schwache Strömungen bevorzugen.
Der Rehgarten: Ein neuer Bereich für die Öffentlichkeit
Ende 2023 wurde der letzte große Abschnitt der Oberen Argen im Stadtgebiet von Wangen, der Rehgarten im Hinteren Ebnet, fertiggestellt. Auch hier soll sich die Natur eigenständig entwickeln können. Die Wiese dient als Rückhalte- und Versickerungsfläche. Durch die Maßnahmen verfügt der Fluss nun über 60.000 Kubikmeter mehr Raum. Kai Ruedel betonte, dass eine Verbesserung des Hochwasserschutzes eine Voraussetzung für das Revitalisierungsprojekt war. LGS-Geschäftsführer Karl-Eugen Ebertshäuser bezeichnete eine Verbesserung des Hochwasserschutzes als positive Nebenwirkung des Flussumbaus.
Der Rehgarten, der zuvor als Außensatellit der Landesgartenschau geführt wurde, ist nun im Rahmen von Sonderführungen zugänglich. Kai Ruedel leitet diese Führungen an den Dienstagen, 17. und 24. September sowie am 1. Oktober, jeweils um 17 Uhr.

