Pflanzen und Pflanzenteile

Brunnera macrophylla: Die Staude des Jahres 2025 überzeugt mit Blattschmuck und Blütenwölkchen

Das Kaukasusvergissmeinnicht, Brunnera macrophylla, wurde zur Staude des Jahres 2025 gekürt und besticht durch Langlebigkeit sowie attraktiven Blattschmuck bis weit in den Herbst. Diese Wahl würdigt die vielseitigen Qualitäten der Pflanze, die weit über ihre Funktion als Bodendecker hinausgehen.

Ansprüche an Standort und Wuchs der Brunnera macrophylla

Für ein optimales Gedeihen benötigt Brunnera macrophylla halbschattige bis schattige Standorte mit einem humusreichen und leicht feuchten Boden. Im Gegensatz zum zweijährigen Vergissmeinnicht (Myosotis sylvatica) ist das Kaukasusvergissmeinnicht eine ausdauernde Staude. Nach einer kurzen winterlichen Ruhephase treibt sie bereits ab März wieder aus. Die Pflanze bildet große, herzförmige Blätter und kann sich gelegentlich versamen, ohne dabei lästig zu werden.

Zwischen April und Juni schmückt sich Brunnera macrophylla mit zarten blauen oder weißen Blütenwölkchen. Auch nach der Blütezeit behält sie ihre Attraktivität durch die vielfältigen Blattzeichnungen. Je nach Sorte präsentieren sich die Blätter grün, weiß getupft, hell gerandet oder nahezu komplett versilbert. Diese gemusterten Blätter setzen willkommene Lichtreflexe in schattigen Gartenbereichen.

Praxistest und die Vielfalt der Sorten

Angesichts der großen Sortenauswahl führte der Arbeitskreis Staudensichtung im Bund deutscher Staudengärtner einen Praxistest durch. 18 im Handel erhältliche Varianten von Brunnera macrophylla wurden an sechs Standorten in Deutschland und Österreich gepflanzt, geprüft und im Jahr 2023 bewertet. Einer dieser Standorte war das Arboretum Park Härle in Bonn-Oberkassel.

Michael Dreisvogt, Technischer Leiter des Arboretums, begutachtete die Brunnera-Exemplare über drei Jahre hinweg. Dabei beurteilte er Kriterien wie Blühfreude, Blattschmuck und Vitalität. Dreisvogt zeigte sich besonders begeistert von den unterschiedlichen Blattzeichnungen:

„Ich habe eine Schwäche für unterschiedlich gezeichnetes Laub. Silbrige, gefleckte, gerandete oder wie auch immer gemusterte Blätter begeistern mich.“

Die Sichtung bestätigte die Robustheit und Dekorativität vieler Sorten. Alle getesteten Brunnera-Varianten erwiesen sich als frosthart.

Empfehlenswerte Sorten und Blütenfarben

Die Blütenfarben der Brunnera sind primär auf Blau und Weiß beschränkt. Die blauen Töne sind dabei oft sehr klar und lassen sich gut kombinieren. Michael Dreisvogt betont die Vielseitigkeit der blaufarbigen Blüten:

„Dieses Himmelblau sieht ja schon gemeinsam mit komplett grünen Blätter klasse aus. Es passt aber auch wunderbar zu den silbrigen Sorten und kommt vor dem Hintergrund hell gemusterter Blätter richtig gut zur Geltung.“

Eine bekannte und empfehlenswerte Sorte ist ‘Jack Frost’, die seit etwa 25 Jahren erhältlich ist und silbriges Laub mit einem schmalen grünen Rand besitzt. Diese Sorte wurde in der Sichtung mit „ausgezeichnet“ bewertet.

Neben ‘Jack Frost’ überzeugten auch weniger bekannte Sorten mit weiß gezeichneten Blättern, wie Dreisvogt berichtet:

„Die Sorten ‘Sea Heart’ und ‘Silver Heart’ haben nicht nur hier im Park, sondern auch an den anderen Standorten überzeugt. Sie haben etwas dickere Blätter und das scheinen die Schnecken nicht zu mögen.“

Obwohl Brunnera generell nicht zu den bevorzugten Pflanzen von Schnecken zählt, scheinen diese beiden Sorten besonders widerstandsfähig zu sein. Die Sorte ‘Alexander’s Great’ erwies sich ebenfalls als sehr vital und dekorativ. Sie bildet ungewöhnlich große, silbrige Blätter mit grünen Adern und blüht, wie die meisten Brunnera-Vertreter, blau.

Für Liebhaber weißer Blüten empfiehlt Dreisvogt die Sorte ‘Betty Bowring’. Diese besitzt komplett grüne Blätter, was die weißen Blüten besonders gut zur Geltung bringt, da sie sich vor dem durchgehend grünen Blattwerk besser abheben als vor hell gemustertem Laub.

Pflanzpartner und Pflegehinweise für Brunnera macrophylla

Bei der Auswahl passender Begleitpflanzen für Brunnera ist der Standort entscheidend. Es eignen sich Arten, die ebenfalls im Schatten oder Halbschatten und in frischen Böden gedeihen. Michael Dreisvogt gibt Gestaltungstipps:

„Mit den dunkellaubigen Sorten der Purpurglöckchen (Heuchera) lassen sich zum Beispiel sehr starke Farbkontraste erzeugen. Das ist natürlich Geschmackssache.“

Dezente, aber wirkungsvolle Effekte lassen sich durch unterschiedliche Umrisse erzielen. Das runde, herzförmige Blatt der Brunnera harmoniert gut mit spitzen, feinen und filigranen Formen, wie sie Farne oder Gräser wie Hakonechloa macra bieten.

Wer nach der frühen Brunnera-Blüte einen späteren Flor wünscht, kann Prachtspieren (Astilbe) dazu pflanzen. Diese setzen mit ihren fein gefiederten Blättern und aufragenden Blütenkerzen in Weiß, Rosa oder Rottönen im Sommer und frühen Herbst Akzente. Auch variantenreiche Blattschmuckstauden wie Hosta eignen sich hervorragend, da sie ein breites Spektrum an Blattzeichnungen bieten.

Eine unkomplizierte Partnerschaft bildet Brunnera mit der Elfenblume (Epimedium), die bereits 2014 Staude des Jahres war. Beide Arten können gemeinsam einen dichten Blätterteppich bilden. Auch die Kombination verschiedener Brunnera-Sorten ist möglich, beispielsweise die grünblättrige Art Brunnera macrophylla mit gemusterten Sorten wie ‘Queen of Hearts’. Für eine lückenlose Bodenbedeckung werden sechs bis acht Exemplare pro Quadratmeter gepflanzt.

Ein einfacher Pflegetrick kann die Schmuckwirkung der Blätter zusätzlich verstärken. Michael Dreisvogt verrät:

„Wenn man Brunnera direkt nach der Blüte bodennah zurückschneidet, treiben sie wieder frisch durch. Dann sehen die Blätter auch im Hochsommer und gegen Ende der Saison sehr vital aus.“

Sollte dieser Rückschnitt einmal versäumt werden, behalten die Blätter dennoch ihre Attraktivität im Beet. Die Möglichkeit, die Blätter durch diesen Schnitt noch schöner erscheinen zu lassen, kann im nächsten Jahr einfach ausprobiert werden.

07.09.2024

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