Messen und Veranstaltungen

Agritechnica 2015: Landtechnik im Fokus globaler Herausforderungen

Die Agritechnica 2015, Weltleitmesse für Landtechnik, verzeichnete ein hohes Anmeldeergebnis mit rund 2.800 Ausstellern aus 52 Ländern. Sie unterstreicht ihre Position als größte internationale Leistungsschau und setzt Impulse für die weltweiten Landmaschinenmärkte.

Internationale Beteiligung und Zukunftsperspektiven der Agritechnica

Die Agritechnica zeigte sich internationaler als je zuvor: 1.563 Aussteller, was 56 Prozent entspricht, kamen aus dem Ausland. Dies markiert einen neuen Höchststand. Die meisten ausländischen Unternehmen stammten aus Italien (391), den Niederlanden (126), der Türkei (109), Frankreich (103), China (100), Österreich (70), Polen (68), Kanada (60), den USA (54), Großbritannien (46), Dänemark (46), Spanien (43) und Finnland (39). Überproportionale Zuwächse waren insbesondere aus der Türkei, Italien und Finnland zu verzeichnen.

Die hohe internationale Beteiligung wird als Signal für die zunehmende globale Ausrichtung der Agrarwirtschaft und ihrer Verflechtungen interpretiert. Unternehmen nutzen die Agritechnica, um neue Märkte zu erschließen.

Die Welt trifft sich auf der Agritechnica in Hannover.

Die Landwirtschaft steht vor Herausforderungen wie niedrigen Erzeugerpreisen, politischen Risiken und gesellschaftlichen Ansprüchen. Die Agritechnica dient als Zentrum für Innovationen und Neuheiten in der Landtechnik. Sie bietet eine Plattform für den Austausch zwischen Industrie, Landwirtschaft, Wissenschaft und Beratungsinstitutionen.

Die Messe ist nicht nur eine Innovationsplattform, sondern auch ein Ideengeber und Trendsetter für Zukunftsfragen der Agrarwirtschaft und Agrartechnik. Sie zieht Landwirte an, die sich zukunftsorientiert aufstellen und moderne Technik einsetzen wollen. Diese Atmosphäre wird von den Landmaschinenherstellern geschätzt.

Die Agritechnica bietet ein Forum, um den Blick für die Zukunft zu schärfen, insbesondere in Zeiten neuer Anforderungen an Akteure aus Landwirtschaft, Industrie und Vertrieb.

Landtechnik als Problemlöser und gesellschaftlicher Konsens

Die Landtechnik soll einen Beitrag zu kostengünstigerer und umweltschonenderer Produktion leisten. Landwirte streben eine nachhaltige Landbewirtschaftung an, die ökonomische, ökologische und soziale Aspekte berücksichtigt. Innovationen in der Landtechnik unterstützen Landwirte dabei, präziser, effizienter und ressourcenschonender zu arbeiten. Weiterentwicklungen in Elektronik und Sensorik spielen dabei eine wichtige Rolle.

Eine innovative Landwirtschaft erfordert einen Konsens mit der Gesellschaft über landwirtschaftliche Produktionsprozesse. Fortschritte in der Produktion und deren gesellschaftliche Bewertung müssen übereinstimmen. Die Landwirtschaft steht vor der Aufgabe, sich mit der abnehmenden gesellschaftlichen Akzeptanz auseinanderzusetzen und Lösungen zu entwickeln.

Landtechnische Innovationen, die zu einer umwelt- und ressourcenschonenden Landbewirtschaftung beitragen, sind ein Ansatz für den Dialog mit der Gesellschaft. Die Agritechnica bietet hierfür eine Informationsplattform.

Aktuelle Marktsituation und Geschäftsentwicklung

Die globale Getreideernte ist größer als erwartet, was zu Preisdruck führt. Die starke Position der Schwarzmeerländer beeinflusst das Exportgeschäft der EU-Landwirte. Es besteht die Hoffnung auf steigende Getreidepreise im Winter. Ein hohes Milchangebot trifft auf stagnierende Nachfrage, insbesondere in Asien, was zu Preisdruck führt. Der EU-Milchpreis liegt rund 13 Prozent unter dem fünfjährigen Durchschnitt. Regional gab es trockenheitsbedingt geringere Futterernten.

Die Schweineproduktion in der EU verzeichnete eine Zunahme der Schlachtzahlen um 1,2 Prozent gegenüber 2014, in Deutschland um 2,6 Prozent. Preisdruck entsteht durch verhaltene Nachfrage bei gestiegenem Angebot. Hohe Getreide- und Sojaernten entlasten die Schweinehalter bei den Futterkosten.

Die Zufriedenheit der Landwirte mit der aktuellen Geschäftslage ist in Deutschland, Großbritannien und Polen geringer als im Frühjahr. Dies zeigen vorläufige Ergebnisse des Trendmonitors Europa der DLG und Kleffmann Group. Insbesondere Tierhalter sind weniger zufrieden, während Marktfruchterzeuger die Lage als stabil beurteilen. Dies spiegelt die niedrigen Erzeugerpreise wider, die Milch- und Schweinehalter unter Druck setzen.

In Frankreich ist die Stimmung stabil auf niedrigem Niveau. Staatliche Maßnahmen zur Entlastung der Tierhalter scheinen die Lage zu beruhigen. Marktfruchterzeuger sind aufgrund der Rekordernte und guter Qualitäten zufriedener als Tierhalter. Bei den Erwartungen an die Geschäftsentwicklung in den kommenden zwölf Monaten sind Tierhalter in allen vier Ländern weniger optimistisch, insbesondere Milchvieh- und Schweinehalter. Die Marktlage dürfte sich kaum ändern, da das Angebot an Milch und Schweinen umfangreich bleibt.

In Frankreich kommt eine wachsende Konkurrenz durch steigende Milchimporte hinzu, obwohl die Milchviehhalter dort noch den höchsten Milchpreis im Europavergleich erhalten. Zudem gibt es Konflikte mit Fleischverarbeitern über die Preisfindung für Schlachtschweine. Die Geschäftserwartungen für Marktfruchterzeuger in Deutschland, Frankreich und Polen sind im Vergleich zur Frühjahrsbefragung stabil. Die Trockenheit führte nicht zu den erwarteten Ertragseinbußen, und trotz weltweit hoher Getreideernten besteht Hoffnung auf ein Anspringen des Exportgeschäftes und eine regere Nachfrage durch inländische Verarbeiter nach der Ernte.

Uneinheitliche Investitionsbereitschaft und Investitionsbereiche

Die Investitionsbereitschaft ist gegenüber der Frühjahrsbefragung 2015 in Deutschland auf 41 Prozentpunkte, in Polen auf 39 Prozentpunkte und in Großbritannien auf 29 Prozentpunkte rückläufig. In Frankreich ist die Investitionsbereitschaft stabil bei 23 Prozentpunkten. In Deutschland, Polen und Großbritannien haben Landwirte in den vergangenen fünf Jahren ihre Kapazitäten ausgebaut und Anlagen sowie Techniken erneuert. In Phasen niedriger Erzeugerpreise rückt die Liquiditätssicherung in den Fokus, besonders in Betrieben mit gestiegenem Kapitaldienst durch Investitionen. Neue Investitionen werden zurückgestellt.

In Frankreich ist die Investitionsbereitschaft stabil, wenn auch auf niedrigem Niveau. Während sie bei Milch- und Schweineproduzenten rückläufig ist, wollen Marktfruchterzeuger verstärkt investieren (von 9 Prozentpunkten im Frühjahr 2015 auf 22 Prozentpunkte in der aktuellen Befragung).

Die geplanten Investitionen fließen in Deutschland verstärkt in den Ackerbau (+9 Prozentpunkte gegenüber der Frühjahrsbefragung 2015). Landwirte in Großbritannien stärken die Diversifizierung der Produktion; bei der Aufteilung der Investitionen werden Bioenergie (+8 Prozentpunkte) und der Ackerbau (+2 Prozentpunkte) gestärkt. Zudem wollen 45 Prozent der investitionswilligen Landwirte bestehende Kapazitäten ausweiten. Demgegenüber verstärken Landwirte in Polen die Investitionen in die Tierhaltung.

Landwirte in Frankreich stärken die Investitionen in den Ackerbau; die Investitionsbereiche verschieben sich mit +25 Prozentpunkten auf nun 73 Prozentpunkte stark zum Ackerbau.

Herausforderungen im Ackerbau und Besucherzahlen der Agritechnica

Marktfruchterzeuger müssen sich auf weniger Wirkstoffe für den Pflanzenschutz und mehr Auflagen einstellen. Vor diesem Hintergrund ist es Landwirten in Deutschland, Frankreich und Polen wichtig, Düngemittel effizienter einzusetzen. Sie wollen ihr Anbauprogramm erweitern und mehr Sommerungen sowie Zwischenfrüchte anbauen. Entsprechend sind Landwirte an Innovationen in der Düngetechnik interessiert (73 Prozent).

Auch in der stationären Datenverarbeitung (62 Prozent), der Nutzung von Cloud-Softwarelösungen und Innovationen im Streifenanbau (54 Prozent) erwarten Landwirte Innovationen zur Produktionsverbesserung.

Die Notwendigkeit, Betriebe zukunftssicher aufzustellen, führt zu einem hohen Informationsbedarf bei Landwirten, Lohnunternehmern und Maschinenringen weltweit. Sie wollen vorhandene Potenziale effektiver, effizienter und nachhaltiger nutzen. Die Agritechnica bietet hierfür eine Plattform. Die DLG erwartete über 400.000 Besucher, davon rund 100.000 aus dem Ausland.

17.09.2015

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