Planung einer Indoorfarm an der LWG
Die Nahrungsmittelerzeugung rückt zunehmend in urbane Gebiete. Neben dem Urban Gardening gewinnt das Urban Farming an Bedeutung, bei dem die Produktion nicht mehr auf dem Acker, sondern an Fassaden, auf Dächern oder in Lagerhallen stattfindet.
Ein zentrales Element dieser Entwicklung sind sogenannte LED-Mehrlagen-Kulturräume. Diese ermöglichen den Anbau auf engem Raum, unabhängig vom Sonnenlicht, durch übereinander angeordnete Beete. Dies erlaubt einen effizienten Pflanzenbau auch in dicht besiedelten städtischen Gebieten.
Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber kündigte die Einrichtung einer speziellen Indoorfarm an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) an. Die LWG verfügt bereits über Expertise in diesem Bereich und nahm 2019 einen LED-Mehrlagen-Kulturraum in Betrieb.
Wenn wir an die Landwirtschaft der Zukunft denken, müssen wir offen sein für neue Konzepte. Mit der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) haben wir ausgewiesene Experten, die sich diesem Themenkomplex annehmen. Wir werden Möglichkeiten erarbeiten, wie unsere bayerischen Landwirtinnen und Landwirte von diesen Anbauverfahren profitieren können. Dafür richten wir eine spezielle Indoorfarm ein.
Die Planungsphase für die Umsetzung der Indoorfarm an der LWG hat begonnen.
Vorteile: Ressourcenschonung und Hygiene
Durch optimierte Licht- und Wärmenutzung ermöglicht der Anbau in Mehrlagen-Kulturräumen eine ressourcenschonende Wirtschaftsweise. Das geschlossene System trägt zudem zu einem höheren Hygieneniveau bei, was den Bedarf an Pflanzenschutzmaßnahmen reduziert.
Es wird möglich, quasi unter sterilen und umweltunabhängigen Bedingungen Pflanzen zu kultivieren. Gleichzeitig benötigt der Anbauer weniger Fläche. Nun müssen wir Produktionsverfahren entwickeln, die diese Mehrlagen-Kulturräume effektiv mit Gewächshäusern kombinieren.
Bodenunabhängiger Pflanzenbau als Zukunftsperspektive
Mittlerweile existieren Verfahren, die komplett auf Erde als Grundsubstrat verzichten. Beim bodenunabhängigen Pflanzenbau, wie der Deep-Water- oder der Substrat-Kultur, kann Gemüse unter gleichbleibenden Bedingungen produziert werden. Die Kultivierung von Tomaten, Gurken oder Paprika auf Substraten wie Perlit oder Kokosfaser ist bereits etabliert.
Mir ist bewusst, dass diese Verfahren für viele unserer landwirtschaftlichen Betriebe aktuell neu und ungewohnt sind, aber es gibt bereits erste erfolgreiche Konzepte in der Praxis. Unabhängig von der Jahreszeit hochwertiges regionales Gemüse zu produzieren und gleichzeitig weniger Wasser zu verbrauchen, weniger Nitrat auszutragen oder Pflanzenschutzmittel anzuwenden, das sind faszinierende Perspektiven, die wir im Auge behalten sollten.
