Die Schattenseiten des künstlichen Lichts
Künstliche Lichtquellen, die in Siedlungsräumen durch Straßenlaternen, Gebäudebeleuchtungen oder Schaufenster entstehen, verwandeln die Nacht zunehmend in einen künstlichen Tag. Besonders Parks und Gärten, die wertvolle Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten darstellen, sind davon betroffen. Diese Lichtverschmutzung hat weitreichende Auswirkungen auf Menschen, Tiere und Pflanzen.
Zu viel oder stark gestreutes Licht irritiert nachtaktive Tiere wie Fledermäuse, Nachtfalter oder Glühwürmchen bei der Futter- oder Partnersuche und stört Zugvögel bei der Orientierung. Viele Insekten werden vom Licht angezogen und verenden. Auch tagaktive Tiere finden keine Ruhe, und Pflanzen reagieren auf den künstlichen Tag. Beim Menschen kann Lichtverschmutzung den Tag-Nacht-Rhythmus beeinträchtigen. Ein bewusster Umgang mit Licht ist daher wichtig, da die Ressource Dunkelheit für Mensch und Natur essenziell ist.
Die Earth Night am 15. September 2023 setzt ein Zeichen gegen die zunehmende Lichtverschmutzung, indem Außenlicht reduziert oder abgeschaltet wird.
Lichtverschmutzung und der Einsatz chemisch-synthetischer Pestizide tragen zum Rückgang zahlreicher Nachtfalterarten und ihrer Raupen bei. Das Wiener Nachtpfauenauge (Saturnia pyri), ist mit einer Flügelspannweite von bis zu 17 cm die größte europäische Schmetterlingsart. Die erwachsenen Falter können keine Nahrung zu sich nehmen und leben nur wenige Tage, um sich fortzupflanzen.
Dies betont Katja Batakovic, fachliche Leiterin der Bewegung „Natur im Garten“.
Smarter Umgang mit Licht: Gesundheit und Umwelt schützen
Ein bewusster Einsatz von Licht kann positive Effekte für Gesundheit und Umwelt haben:
- Wo immer möglich, sollte Licht ausgeschaltet werden, um Energie und Kosten zu sparen, die Umwelt zu schonen und den Blick auf die Sterne zu ermöglichen.
- Zeitschaltuhren und Bewegungsmelder ermöglichen eine bedarfsgerechte Beleuchtung.
- Leuchtmittel sollten möglichst niedrig montiert werden, sodass der Lichtkegel nach unten gerichtet ist, um eine breite Streuung zu verhindern. Full-Cut-Off-Leuchten sind hierfür optimal. Dadurch werden beispielsweise Wege nur dort beleuchtet, wo es notwendig ist, und die Lichtabstrahlung außerhalb der beleuchteten Fläche ist minimal.
- Geschlossene Leuchtkörper verhindern, dass das Gehäuse zur Insektenfalle wird.
- Auf die Beleuchtung von Bäumen, Hecken oder Gartenteichen sollte verzichtet werden, da diese Lebensräume für zahlreiche Tiere sind. Auch Fassaden und Swimmingpools sollten nicht angestrahlt werden, da helle, reflektierende Flächen Insekten stark anziehen.
- Für den Außenbereich sollten Leuchtkörper mit langwelligem, gelbem Licht im Farbton Warmweiß (unter 3.000 Kelvin) gewählt werden, da dieses Insekten weniger anzieht als kaltweißes Licht.
- Selbst kleine Solarlampen können für nachtaktive Tiere problematisch sein, da sie im dunklen Garten starke Kontraste erzeugen und dauerhaft leuchten. Es ist ratsam, auch diese Leuchtmittel abschalten zu können, wenn Garten oder Balkon nicht genutzt werden.
Ein sparsamer und bedachter Einsatz von Licht im Garten, auf der Terrasse und auf dem Balkon trägt zur eigenen Gesundheit und zum Umweltschutz bei. Eine echte Mondscheinnacht zu erleben, ist in unseren Breitengraden zu einem Luxus geworden.

