Lohnunternehmen: Technologietreiber und Wirtschaftsfaktor für die Landwirtschaft

Allgemeines

Lohnunternehmen sind ein unverzichtbarer Bestandteil der modernen Landwirtschaft, ermöglichen den Zugang zu Spitzentechnologie und tragen maßgeblich zur Effizienz bei. Mit einem jährlichen Investitionsvolumen von rund einer Milliarde Euro sind sie ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, der weit über die Agrarbranche hinauswirkt.

Bedeutung der Lohnunternehmen für die Agrarbranche

Gewerbliche Lohnunternehmen sind ein wesentlicher Bestandteil der modernen Landwirtschaft. Sie ermöglichen Landwirten den Zugang zu modernster Technik und tragen maßgeblich zur Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit landwirtschaftlicher Betriebe bei. Mit rund 600 Unternehmen, etwa 4.000 Mitarbeitern und einem jährlichen Investitionsvolumen von rund einer Milliarde Euro stellen sie einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor dar, der nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch den ländlichen Raum und zunehmend Kommunen beeinflusst.

Klaus Pentzlin, Präsident des Bundesverbandes Lohnunternehmen e.V. (BLU), hob diese Rolle auf der Branchenveranstaltung DeLuTa Bremen 2022 hervor. Die Branche erwirtschaftet einen Umsatz von über vier Milliarden Euro.

Hoher Marktanteil in der Ernte und Technologietransfer

Lohnunternehmen spielen eine entscheidende Rolle bei der Ernte landwirtschaftlicher Produkte. Ihr Marktanteil liegt bei der Maisernte bei über 90 Prozent, bei der Getreideernte bei 50 Prozent und bei Zuckerrüben sowie Kartoffeln bei etwa 30 Prozent. Diese hohen Anteile ergeben sich aus der Notwendigkeit, teure Spezialmaschinen in den oft kurzen Ernteperioden rentabel auszulasten. Dies ist für einzelne landwirtschaftliche Betriebe in der Regel nicht darstellbar, insbesondere bei den neuesten Maschinengenerationen für Ackerbau und Grünlandbewirtschaftung.

BLU-Geschäftsführer Dr. Hartmut Matthes betont, dass Lohnunternehmen den Strukturwandel in der Landwirtschaft entschleunigen. Sie ermöglichen es Familienbetrieben, unabhängig von ihrer Größe, modernste Maschinen und Methoden der digitalen Präzisionslandwirtschaft zu nutzen. Dies verschafft Landwirten Vorteile hinsichtlich Schlagkraft, Arbeitserleichterung, Umweltentlastung sowie Verbesserungen bei Effizienz, Genauigkeit und Dokumentation betrieblicher Abläufe.

„Die Qualität der Arbeiten beispielsweise in der Aussaat, der Düngung und dem Pflanzenschutz sowie bei der Ausbringung von Wirtschaftsdüngern wird so auf ein neues Niveau gehoben“, bilanziert der Landtechnikspezialist.

Für die Kunden der Lohnunternehmen ergeben sich daraus erhebliche Mehrwerte. Landwirtschaftliche Familien können sich auf notwendige Investitionen und Kernarbeiten konzentrieren, was den Druck mindert und den betrieblichen Erfolg fördert. Das technologische Potenzial in der Landtechnik für höhere Effizienz und Nachhaltigkeit ist weiterhin groß, wobei die Digitalisierung den Fortschritt vorantreibt. Lohnunternehmen bringen diesen Fortschritt direkt auf die Höfe.

BLU-Präsident Pentzlin unterstreicht die Rolle der Lohnunternehmen als Innovationstreiber und Schrittmacher der Modernisierung und Digitalisierung im Ackerbau und bei der Grünfutterernte. Neue Technologien finden oft über Lohnunternehmen ihren ersten Einsatz in der Landwirtschaft. Der Verband sieht es als seine Aufgabe, die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Landwirtschaft langfristig zu sichern.

Ökolandbau und kommunale Aufgaben als neue Geschäftsfelder

Die Unterstützung durch Lohnunternehmen gilt auch für Betriebe, die auf Ökolandbau umgestellt haben. Methoden des ökologischen Landbaus erfordern spezielle, oft teure Technik, wie digitale Hackgeräte für den mechanischen Pflanzenschutz. Da für die klassische Handhacke Personal fehlt, investieren Lohnunternehmen massiv in diese Technologien. Auch hier gilt, dass diese Technik für die Eigenmechanisierung von Familienbetrieben oft nicht rentabel ist, eine Herausforderung, die Lohnunternehmen lösen.

Ein wachsendes Potenzial sehen die Lohnunternehmen auch bei Kommunen im ländlichen Raum. Fachkräftemangel und Auslastungsprobleme in Bauhöfen und Straßenmeistereien sowie knapper werdende kommunale Budgets eröffnen Lohnunternehmen die Möglichkeit, mit neuester Technik und erfahrenen Fachkräften Aufgaben in der Landschaftspflege und im Tiefbau zu übernehmen. Pentzlin kündigte an, seine Mitglieder auf der DeLuTa dazu aufzufordern, ihre Dienstleistungen bei Kommunen und gewerblichen Kunden aktiver anzubieten.

Die Energiewende schafft ebenfalls neue Aufgabenfelder. Der Aufbau und die Pflege der energiewirtschaftlichen Infrastruktur in der Fläche, wie beispielsweise bei Freiflächen-Photovoltaikanlagen, erfordert umfangreiche Arbeiten. Dazu gehören nicht nur der Aufbau und das Verlegen von Kabeln, sondern auch die regelmäßige Pflege, Reinigung und Mahd der Solarparks.

Ausblick und Herausforderungen

BLU-Präsident Klaus Pentzlin sieht veränderte Rahmenbedingungen und politische sowie gesellschaftliche Ansprüche nicht als Ablehnung, sondern als Herausforderung. Der Green Deal und die Farm-to-Fork-Strategie bringen zwar Herausforderungen für Landwirte mit sich, bieten aber auch neue Chancen. Die Landwirtschaft wird sich angesichts des Klimawandels stärker auf Nachhaltigkeit und Umweltschonung ausrichten müssen, was eine Anpassung der Landnutzungssysteme erfordert. Die Lohnunternehmen sind darauf eingestellt, ihre Kunden bei der Bewältigung dieser neuen Herausforderungen optimal zu unterstützen.

Die 10. DeLuTa Bremen 2022

Die 10. DeLuTa (Deutsche Lohnunternehmer Tage) fand im Bremer Congress-Centrum statt. Nach dem pandemiebedingten Ausfall im Jahr 2020 gastierte die im Zwei-Jahres-Rhythmus stattfindende Branchenveranstaltung zum dritten Mal in Bremen. Ausrichter ist der Bundesverband der Lohnunternehmen (BLU) e.V., dessen rund 200 Mitglieder in 12 Landesverbänden organisiert sind und bundesweit 3.000 Mitarbeitende beschäftigen.

Die Veranstaltung bot rund 60 Fachvorträge, Foren und Diskussionsrunden. Zudem präsentierten 260 Aussteller auf 2.800 Quadratmetern in vier Hallen neueste Maschinen, Informationen und Inspirationen für die Branche.

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