Die Grüne Stadt

Klimabäume im Fokus: LWG erforscht Hitzetoleranz von Stadtbäumen

Die LWG untersucht in einem Pilotversuch die Hitzetoleranz von Bäumen mittels moderner Messtechnik. Ziel ist es, zu verstehen, warum bestimmte Baumarten besser mit Hitzewellen zurechtkommen als andere.

Pilotversuch zur Hitzetoleranz von Stadtbäumen

Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim untersucht in einem Pilotversuch die Hitzetoleranz von Bäumen mittels moderner Messtechnik. Am 28. Juli 2017 wurde hierfür ein sogenannter Klimabaum am Friedrich-Bergius-Ring in Würzburg aufwendig verkabelt. Ziel ist es, zu verstehen, warum bestimmte Baumarten besser mit Hitzewellen zurechtkommen als andere.

Im Rahmen des Langzeitprojekts „Stadtgrün 2021“ suchen die Fachbereiche Landespflege und Gartenbau der LWG seit 2010 nach geeigneten Stadtbäumen für die Zukunft. Das Projekt soll dazu beitragen, das Stadtgrün zu erhalten.

Herausforderungen für Stadtbäume

Bäume in Innenstädten sind im Sommer beliebte Schattenspender. Doch auch sie leiden unter Hitzestress und den Folgen des Klimawandels. Dies führt zu einem Rückgang des Baumbestands und lichten Baumkronen bereits im Sommer.

Ein sommerlicher Spaziergang im Schatten der satten Baumkronen wird bald der Vergangenheit angehören.

Dies erklärte Dr. Susanne Böll, Projektleiterin „Stadtgrün 2021“ an der LWG. Ein Beispiel dafür war der Sommer 2015 in Würzburg, als viele Stadtbäume bei Temperaturen von bis zu 40 °C und langer Trockenheit bereits im August ihr Laub abwarfen. Dies sei ein Selbsterhaltungstrieb der Bäume gewesen.

Neben Hitzestress belasten auch zu kleine Baumgruben, versiegelte Flächen, verdichtetes Erdreich sowie Streusalz und Schadstoffe die Baumgesundheit von Stadtbäumen.

Vielfalt als Schlüssel für die Zukunft

In deutschen Innenstädten dominieren oft die gleichen Baumarten wie Ahorn, Linde, Platane, Esche, Eiche und Kastanie. Dr. Böll weist darauf hin, dass Ahorn und Linde zunehmend Probleme zeigen. Fällt eine Baumart aus, entstehen große Lücken im innerstädtischen Baumbestand.

Seit 2010 testet die LWG daher in einem Langzeitversuch 30 vielversprechende Baumarten an drei klimatisch unterschiedlichen Standorten in Deutschland. Die rund 660 gepflanzten Bäume stammen überwiegend aus dem (süd-)osteuropäischen, nordamerikanischen und asiatischen Raum und werden regelmäßig bonitiert, also optisch beurteilt.

Die LWG-Projektleiterin betont, dass es nicht den „Superbaum“ geben wird. Stattdessen soll den Städten, Gartenämtern und Baumschulen eine breite Auswahl an geeigneten Baumarten für verschiedene Standorte angeboten werden. Eine bewusste grüne Vielfalt soll das Risiko reduzieren, dass bei Problemen mit einzelnen Baumarten das Stadtgrün flächendeckend verschwindet.

Das Geheimnis der Silberlinde

Im Sommer 2015 zeigten die heimischen Linden in Würzburg deutliche Hitzeschäden, während osteuropäische Silberlinden am Friedrich-Bergius-Ring ein grünes Blätterdach behielten. Das Geheimnis der Silberlinde liegt unter anderem in ihrer Fähigkeit, bei Hitzewellen die Blätter zu drehen und mit der silberfarbenen Blattunterseite die Sonnenstrahlen zu reflektieren.

Die LWG-Experten vermuten weitere Anpassungsmechanismen. Um diese zu erforschen, wurde am 28. Juli 2017 eine etwa acht Meter hohe Silberlinde von der Wurzel bis in die Baumkrone verkabelt. Mit rund 50 Metern Kabel und 10 Temperaturfühlern werden die „Fieberkurve“ des Baumes bei Hitze erfasst und Rückschlüsse auf die Kühlleistung gezogen.

Die Technik wird in den kommenden Wochen geprüft und erste Ergebnisse erwartet. Die eigentliche Datenauswertung beginnt im nächsten Jahr, wenn weitere Klimabäume verkabelt werden. Die gesammelten Daten sollen helfen, die Auswahl der Zukunftsbäume zu optimieren, damit diese an ihren Standorten gedeihen und auch im Sommer Schatten spenden können.

04.08.2017

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