Die Grüne Stadt

Bäume im Klimawandel: Forschung zur Hitzetoleranz an der LWG

Dr. Susanne Böll von der LWG erforscht, wie Bäume auf steigende Temperaturen reagieren und welche Arten besser mit dem Klimawandel zurechtkommen. Ziel ist es, hitzetolerantere Baumarten für städtische Grünflächen zu finden und so das Stadtgrün langfristig zu erhalten.

Herausforderungen für Stadtbäume im Klimawandel

Bäume zeigen deutliche Anzeichen, wenn sie unter Stress stehen. Lichte Baumkronen oder abgestorbene Bäume in Innenstädten weisen auf Probleme hin. Besonders im Siedlungsbereich sind Bäume vielfältigen Belastungen ausgesetzt.

Wenn es uns selbst schlecht geht, ist dies in der Regel auf den ersten Blick zu erkennen. Auch unsere Bäume sprechen eine deutliche Sprache und stellen ihren Leidensdruck deutlich zur Schau.

Ein wesentlicher Faktor ist der begrenzte Wurzelraum in zu kleinen Baumgruben. Hinzu kommen die Versiegelung von Flächen, die Verdichtung des Erdreiches und die Belastung durch Streusalz. Auch extreme Wetterereignisse wie anhaltende Trockenperioden, Hitzewellen und plötzliche Frosteintritte setzen heimischen Stadtbäumen wie Linde und Ahorn zu. Ihre Trockenstresstoleranz ist oft überschritten, was dazu führen kann, dass sie zunehmend aus dem Stadtbild verschwinden.

Temperaturstress und seine Folgen für Bäume

Eine frühzeitige herbstliche Blattfärbung im Sommer ist ein Indikator für Hitze- und Trockenstress. Steigt die Blatttemperatur über 45 °C, verbrennen die Blätter, und die Fotosynthese wird eingestellt. Dies führt dazu, dass der Baum sein Wachstum für den Rest der Vegetationsperiode einstellt.

Die Ökosystemleistungen des Baumes, wie die Bindung von Kohlenstoffdioxid, die Schattenbildung und die Kühlung der Umgebungstemperatur durch Verdunstung, werden dadurch ebenfalls beeinträchtigt. Die Forschung sucht nach Baumarten, die in der Lage sind, diesen Hitzestress zu regulieren.

Es wird untersucht, ob kontinentale Baumarten wie die Silberlinde oder Hopfenbuche ihre Kronentemperatur besser steuern und ihre Blätter länger halten können als heimische Arten. In einem Pilotprojekt wurde 2017 eine osteuropäische Silberlinde mit rund 50 Metern Kabel und zehn Temperaturfühlern ausgestattet. Dabei zeigte sich, dass die Rindentemperatur auf der Südseite eines Baumes an einem Spätsommertag um 15 °C höher liegen kann als auf der Nordseite.

Im Mai wurden weitere heimische Baumarten und potenzielle Zukunftsbäume verkabelt. Die daraus resultierenden „Fieberkurven“ sollen Aufschluss darüber geben, welche Bäume für eine klimaresiliente Stadt geeignet sind und welche Belastungen Bäume in Städten aushalten müssen.

Zusammen mit den bisher gesammelten Daten soll die Auswertung der Datensätze dabei helfen, die Auswahl der Zukunftsbäume weiter zu justieren – und dafür sorgen, dass sich die Bäume von morgen möglichst lange an ihrem künftigen Standort wohlfühlen.

Zukunftsbäume für den urbanen Raum

Im Projekt „Stadtgrün 2021“ werden seit 2009 Baumarten gesucht, die den klimatischen Bedingungen in zukünftigen Städten standhalten können. Dabei liegt der Fokus auf Bäumen, die von Natur aus mit Hitze und Trockenperioden zurechtkommen. Die vielversprechenden Testkandidaten stammen überwiegend aus Osteuropa, da sie aufgrund ihrer kontinentalen Herkunft an solche Extreme angepasst sind.

Insgesamt werden 30 verschiedene Baumarten an drei klimatisch unterschiedlichen Standorten in Bayern getestet. Die rund 660 gepflanzten Bäume stammen hauptsächlich aus dem südosteuropäischen, nordamerikanischen und asiatischen Raum. Am Wärmestandort Würzburg, der 2015 31 Hitzetage mit Spitzentemperaturen von bis zu 40 °C sowie lange Trockenperioden verzeichnete, werden die Bäume auf ihre Stresstoleranz geprüft.

10.05.2018

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