Startschuss für den Frankentrüffel: Ein neues Kapitel für die Region
Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim hat am Thüngersheimer Scharlachberg ein Projekt zum Anbau von Kulturtrüffeln gestartet. Unter dem Namen „Frankentrüffel“ sollen diese das kulinarische Angebot der Region erweitern. Dr. Hermann Kolesch von der LWG betonte bei einem Pflanztermin die Bedeutung dieses Vorhabens für die Genussregion Franken.
Für das Projekt wurden 110 Haselnusssträucher und sieben Eichen gepflanzt. Die Wurzeln dieser Bäume wurden zuvor von der Baumschule „Deutsche Trüffelbäume“ mit dem Myzel von Tuber uncinatum geimpft.
Potenzial und Naturschutz
Der schwarze Schlauchpilz, der zwischen Oktober und Januar in Muschelkalkböden heranreift, ist in der Region heimisch und laut Kartierungen bereits reichlich vorhanden. Professor Theo Eberhard von der Fakultät für Tourismus der Hochschule München, der das Projekt touristisch begleitet, schätzt den Wert der jährlich vorhandenen Trüffel auf rund 40 Millionen Euro. Er bezeichnet Franken als „Trüffelland“ und besten Standort für den Pilz in Deutschland.
In freier Natur dürfen Trüffel jedoch nicht gesammelt werden, da sie unter strengem Naturschutz stehen. Das Auffinden der aromatischen Knollen erfordert zudem speziell ausgebildete Schweine oder Hunde.
Kulturtrüffel als Wirtschaftsfaktor
Bei eigens zur Trüffelzucht gepflanzten Bäumen ist ab dem siebten Standjahr mit einer Ernte zu rechnen. Besonders aufgelassene Flächen in Weinbergen eignen sich für die Anlage solcher Kulturen. Kolesch und Eberhard sehen im edlen Speisepilz ein Potenzial, um in Spätherbst und Winter Gourmets nach Franken zu locken und den Tourismus zu beleben. Trüffel gehören zu den teuersten Speisepilzen weltweit und sind als seltene Köstlichkeit begehrt. Ein Kilogramm des weißen Alba Trüffels kann zwischen 10.000 und 12.000 Euro kosten.
Das Pilotprojekt „Frankentrüffel“ wird wissenschaftlich von Josef Herrmann vom Fachzentrum Analytik der LWG betreut. Die jungen Haselnuss- und Eichensetzlinge wurden von Ludger Sproll und Ulrich Stobbe bereitgestellt. Die Geschäftsführer der Baumschule Deutsche Trüffelbäume haben ein Verfahren entwickelt, um Eichen, Buchen und Hasel erfolgreich mit dem Trüffelpilz zu impfen.
Förderung und Ziele
Der Freistaat Bayern unterstützt das Pilotprojekt über das Kompetenzzentrum für Ernährung KErn in Kulmbach, das zum Cluster Ernährung – Bayern Innovativ gehört. Ziel ist es, die Eignung und Wirtschaftlichkeit der Trüffelkultur sowie die weintouristische Inwertsetzung der Region durch das Ergänzungsprodukt Trüffel zu prüfen und zu entwickeln. Zudem sollen Anreize für weitere wirtschaftliche Trüffelkulturen durch interessierte Erzeuger geschaffen werden. Erste Erträge werden für das Jahr 2020 erwartet.

