Markt und Politik prägen den Gartenbau stärker als der Klimawandel

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Markt- und Politikentwicklungen beeinflussen den Erwerbsgartenbau maßgeblich. Ein strategischer Workshop des BMELV diskutierte die zukünftigen Rahmenbedingungen für den deutschen Gartenbausektor bis 2030. Experten aus Wissenschaft, Praxis und Politik trafen sich, um Herausforderungen und Chancen zu erörtern.

Strategische Weichenstellungen für den Gartenbau 2030

Der Erwerbsgartenbau steht vor vielfältigen Herausforderungen und Chancen, die maßgeblich von Markt- und Politikentwicklungen beeinflusst werden. Diese Erkenntnis bildete den Kern eines strategischen Workshops des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV), der sich mit den Rahmenbedingungen des deutschen Gartenbausektors im Jahr 2030 befasste.

Am Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau e.V. (IGZ) in Großbeeren trafen sich über 30 Fachleute aus Wissenschaft, Praxis, Beratung und Politik. Sie diskutierten die zukünftigen Rahmenbedingungen für den Gartenbau in Deutschland. Zuvor behandelten Workshops Themen wie Technik, Qualifizierung, Wertschöpfungsketten/Kooperation und Kommunikation. Nun rückte das Umfeld des Gartenbaus in den Fokus.

Demografische und soziokulturelle Entwicklungen

Professor Dr. Paul Gans von der Universität Mannheim beleuchtete die demografischen Rahmenbedingungen. Er wies darauf hin, dass der übergeordnete demografische Wandel – gekennzeichnet durch Alterung der Gesellschaft, Bevölkerungsrückgang, zunehmende Internationalisierung und Singularisierung – regional sehr unterschiedlich ausfallen kann. Insgesamt sei mit einer stärkeren Heterogenisierung der Gesellschaft zu rechnen.

Jörg Heinel von der IG BAU thematisierte die soziokulturellen Rahmenbedingungen. Er sprach das Image des Gartenbaus als Niedriglohnsektor an, den erwarteten Fachkräftemangel, Anforderungen an die Arbeitszeitflexibilität und Altersarmut.

Wirtschaftliche und rechtliche Perspektiven

Dr. Christian Bock von der Landwirtschaftlichen Rentenbank analysierte die volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Er prognostizierte ein positives Bild für den Gartenbau, gestützt auf die Annahme, dass Europa gestärkt aus der Schuldenkrise hervorgehen werde. Die freiheitlich-demokratische Grundordnung fördere Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft, während die Rechtssicherheit Direktinvestitionen und Kapitalbindung in Europa begünstige.

Rechtsanwältin Romana Hoffmann vom Zentralverband Gartenbau (ZVG) beleuchtete die künftigen politisch-rechtlichen Rahmenbedingungen. Sie zeigte auf, wie nationale und regionale rechtliche Interessen europäischen Regelungen entgegenstehen können. Zunehmender Verbraucherschutz, eine verstärkte Europäisierung der Rechtsetzung, geringere Berücksichtigung der Besonderheiten lebender Gartenbauprodukte und mangelnde Fachkompetenz in der Finanzverwaltung wurden als zentrale Herausforderungen genannt.

Klimawandel und seine Auswirkungen

Dr. Andrea Lüttger vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung resümierte, dass Nachfrage und politische Impulse für landwirtschaftliche und gärtnerische Produkte kurz- bis mittelfristig einen stärkeren Einfluss auf das Artenspektrum haben werden als der Klimawandel selbst.

Sie präsentierte ein Modell, das den Anpassungsbedarf in der Pflanzenproduktion aufzeigt. Eine durch Temperaturanstieg bedingte Verlängerung der Vegetationsperiode vergrößert demnach das allgemeine Produktionspotenzial. Gleichzeitig steigt das Ertragsrisiko aufgrund von Extremwetterlagen, was neue Anforderungen an die Lagertechnik mit sich bringt.

Extremwetterlagen wie Hitze und Starkniederschläge beeinträchtigen die Bodenstruktur, wodurch die Bodenqualität zu einem limitierenden Faktor wird. Regionale Unterschiede im Ertragspotenzial werden deutlicher hervortreten. Dies erfordert eine Anpassung der Produktionstechniken, die mit Mehrkosten verbunden ist, beispielsweise durch eine zunehmende Notwendigkeit zur Beregnung.

Die Teilnehmenden diskutierten auch die Nachfrage nach gartenbaulichen Leistungen und Produkten. Unter der Moderation von Dr. Marianne Altmann (CO CONCEPT) wurden die Auswirkungen dieser Rahmenbedingungen auf den Gartenbau abgeleitet.

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