Mehr Lobby für Lebensgrundlage Boden

NachhaltigkeitNaturschutz

In Deutschland werden täglich rund 70 Hektar Boden zu Bauland für Siedlungen- und Verkehrswege umgewidmet, alle drei Tage verschwindet somit die Fläche des Großen Tiergarten in Berlin.

Flächenverbrauch bleibt zentrale Herausforderung im Bodenschutz

Der tägliche Flächenverbrauch in Deutschland ist seit dem Jahr 2000 rückläufig, reicht jedoch nicht aus, um das nationale Nachhaltigkeitsziel zu erreichen. Bis 2020 soll der Verbrauch auf 30 Hektar pro Tag sinken. Aktuell werden täglich rund 69 Hektar – meist landwirtschaftliche Nutzflächen – in Siedlungs- und Verkehrsflächen umgewandelt.

Zum Vergleich: Im Jahr 2000 lag der Wert noch bei 131 Hektar pro Tag. Derzeit werden etwa 13,5 Prozent der Bodenfläche Deutschlands als Siedlungs- und Verkehrsfläche genutzt, rund die Hälfte davon ist versiegelt. Damit gehen wichtige Bodenfunktionen dauerhaft verloren.

Kommunen in der Verantwortung

Um das 30-Hektar-Ziel zu erreichen, sind weitergehende Maßnahmen erforderlich. Diskutiert wird unter anderem ein grundsätzliches Bauverbot auf der „grünen Wiese“. Als Hemmnis gilt die Konkurrenz zwischen Kommunen um Steuereinnahmen, die häufig zur Ausweisung überdimensionierter Wohn- und Gewerbegebiete führt.

Die Kommission Bodenschutz beim Umweltbundesamt empfiehlt, vorhandenes Bauland konsequenter zu nutzen und die Entsiegelung finanziell zu fördern.

„Vorhandenes Bauland besser auszunutzen und die finanzielle Förderung der Entsiegelung wirken sich positiv auf unsere Böden aus. Der Druck auf Flächen außerhalb der Siedlungen sinkt somit und das rechnet sich auch.“

Mit diesen Ansätzen ließe sich der Druck auf bislang unbebaute Flächen verringern und die Innenentwicklung stärken.

Globale Bodendegradation verschärft die Lage

Weltweit gehen jährlich rund 24 Millionen Hektar Boden durch Degradation verloren – vor allem infolge von Erosion. Das entspricht in etwa der Fläche Rumäniens. Gleichzeitig konkurrieren unterschiedliche Nutzungsformen zunehmend um verfügbare Flächen, etwa der Anbau von Energiepflanzen und die Nahrungsmittelproduktion.

„Das Geschacher um Böden hat weltweit längst begonnen: Boden ist zu einer globalen Ware, zu einem Objekt internationaler Investitionen geworden. Die notwendige nachhaltige Bodennutzung bleibt dabei oft auf der Strecke. Deshalb ist das Ziel der Rio-plus 20-Konferenz so wichtig: Gefordert wird eine 'land degradation neutral world'. Demnach darf sich die Bodenfruchtbarkeit nicht weiter verschlechtern und degradierte Böden sollen für Land- oder Forstwirtschaft wieder genutzt werden können.“

Im Mittelpunkt steht das Ziel, Bodenfruchtbarkeit langfristig zu sichern und degradierte Flächen wieder nutzbar zu machen.

Nachhaltiges Bodenmanagement gefordert

Die Kommission Bodenschutz plädiert bei jeder landwirtschaftlichen Nutzung für ein konsequent nachhaltiges Bodenmanagement, insbesondere beim Biomasseanbau.

„Ein zu intensiver Gebrauch macht die Böden kaputt, das kann dann auch zum endgültigen Verlust der Bodenfunktionen führen. Daher ist nachhaltiges Bodenmanagement unabdingbar, bei dem schädliche Stoffeinträge vermindert, die Erosion und Bodenverdichtung verringert, und der Boden als Kohlenstoff- und Wasserspeicher erhalten bleibt. Um gute Böden zu erhalten, ist es ebenso wichtig, den Flächenverbrauch zu senken. Dabei sind wir mit den Landwirten einer Meinung.“

Intakte Böden sind Grundlage für die Nahrungsmittelproduktion – rund 90 Prozent der weltweiten Lebensmittel hängen direkt von ihnen ab. Vor diesem Hintergrund gewinnt der Internationale Tag des Bodens am 5. Dezember weiter an Bedeutung. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) hat 2015 als UN-Jahr der Böden vorgeschlagen, um das Thema stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.

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