Naturschutz

Leitlinien zum Insektenschutz: Langfristigkeit statt Aktionismus

Der DVL fordert langfristige Strategien statt kurzfristigen Aktionismus für den Insektenschutz. Er betont die Rolle von Landschaftspflegeverbänden und Weidetieren für den Erhalt der Artenvielfalt und kritisiert die Reduzierung auf Blühstreifen.

DVL-Leitlinien für nachhaltigen Insektenschutz

Der Deutsche Verband für Landschaftspflege (DVL) hat Leitlinien zum Insektenschutz veröffentlicht. Er betrachtet den Erhalt der Biodiversität und den Schutz von Insekten als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Für wirksame Insektenschutzmaßnahmen sind demnach Langfristigkeit und Kontinuität erforderlich, wie sie Landschaftspflegeverbände seit Jahrzehnten gewährleisten. Kurzfristiger Aktionismus wird den Rückgang der Insektenpopulationen nicht aufhalten.

Wir werden die Insektenwelt nicht retten, wenn wir mit Blühstreifen unsere Äcker lediglich aufhübschen!

Dies betont Dr. Jürgen Metzner, Geschäftsführer des DVL.

Weidetiere als Garanten für Artenvielfalt

Der DVL äußert die Befürchtung, dass Insektenschutzmaßnahmen auf die Verteilung von Saatgut und die Anlage von Blühstreifen reduziert werden. Obwohl diese Maßnahmen nicht wirkungslos sind, zielen sie vorwiegend auf blütenbesuchende Insekten ab und unterstützen primär Honigbienen sowie einige häufige Wildinsektenarten.

Wir benötigen hingegen mehr Hecken und heimische Wildpflanzen in unserer Ackerflur, mehr Strukturen in und an unseren Gewässern und mehr Totholz in unseren Wäldern. Vor allem unsere Wiesen und Weiden müssen ins Zentrum unserer Bemühungen rücken! Die Herausforderung ist es deshalb, die Attraktivität der flächengebundenen Tierhaltung wieder zu steigern.

Tierhaltung, die sich an der hofeigenen Fläche orientiert, ist entscheidend für den Erhalt und die Entwicklung artenreichen Grünlands. Weidetiere verschwinden jedoch zunehmend aus der Landschaft. Auch Hüte- und Wanderschäferei nehmen seit Jahrzehnten kontinuierlich ab. Diese Formen der Landnutzung spielen eine wesentliche Rolle bei der Verbreitung von Samen und Insekten, da weidende Tiere als „Taxis der Biodiversität“ fungieren. Hier sind wirksame Gegenmaßnahmen und eine reformierte europäische Agrarpolitik (GAP) erforderlich.

Kooperativer Naturschutz als nachhaltiger Weg

Klare gesetzliche Vorgaben sind für den Insektenschutz unerlässlich. Darüber hinaus sind laut DVL freiwillige Maßnahmen im Rahmen des kooperativen Naturschutzes der nachhaltigste Weg, um den Insektenbestand zu erhöhen und auf hohem Niveau zu stabilisieren. Landschaftspflegeverbände setzen seit 30 Jahren erfolgreich Projekte zum Insektenschutz um, die oft im Mittelpunkt ihrer Tätigkeiten stehen. Kommunen, Landwirtschaft und Naturschutz können auf das praktische Fachwissen und die umfangreichen Erfahrungen der Landschaftspflegeverbände zurückgreifen.

Hintergrund und Empfehlungen

Der DVL ist der Dachverband von 170 Landschaftspflegeorganisationen in Deutschland. Das DVL-Papier „Schutz unserer heimischen Insekten“ listet 37 konkrete Punkte mit Grundsätzen, Maßnahmen und Empfehlungen auf. Alle Maßnahmen basieren auf den Praxiserfahrungen der Landschaftspflegeverbände. Das Papier ist online verfügbar.

22.05.2019

Zurück