Der Unimog: Ein Multitalent für den GaLaBau
Für Aufgaben wie das Mähen steiler Böschungen, die Pflege von Grünanlagen, die Rasenbearbeitung auf Sport- oder Golfplätzen sowie den Winterdienst benötigen Dienstleister leistungsstarke Geräteträger. Diese müssen hohe Anforderungen an Produktivität, Effizienz und Umweltfreundlichkeit erfüllen.
Seit über 75 Jahren wird der Unimog von Mercedes-Benz für diese Anforderungen eingesetzt. Mercedes-Benz Special Trucks demonstrierte die Einsatzvielfalt des Fahrzeugs mit über 20 Exponaten der Geräteträger-Baureihen und der hochgeländegängigen Baureihe auf der Demopark vom 18. bis 20. Juni 2023 auf dem Flugplatz Kindel bei Eisenach. Die Demopark gilt als Europas größte Freilandausstellung für die grüne Branche und ist richtungsweisend für den Markt der Kommunaltechnik sowie im Garten- und Landschaftsbau. Besucher konnten die Exponate nicht nur besichtigen, sondern auch im Einsatz erleben und teilweise selbst testen.
Mit unserem ganzjährig einsetzbaren Unimog unterstreichen wir seit Jahrzehnten die Vielfalt des Geräteträgers unter anderem in Anwendungsfeldern wie Grünflächenpflege, Garten- und Landschaftsbau oder Winterdienst. Zugleich haben wir die Zukunft fest im Blick und engagieren uns als Konsortialführer des Innovationsprojekts WaVe auch für die Dekarbonisierung des Arbeitsmaschinensektors. Wir untermauern damit die Ambition von Daimler Truck, in seinen Kernmärkten bis 2039 nur noch im Fahrbetrieb klimaneutrale Neufahrzeuge anzubieten, indem wir im Rahmen dieses Forschungsprojektes einen ersten Prototyp des Unimog mit wasserstoffbetriebenem Verbrennungsmotor vorstellen.
Spezialisierung für den Geräteeinsatz
Der Unimog wurde explizit für den Geräteeinsatz entwickelt und bietet in Zusammenarbeit mit Aufbaupartnern individuelle Systemlösungen. Diese sollen die Produktivität und Auslastung eines Fuhrparks steigern. Standardisierte Schnittstellen ermöglichen einen schnellen Gerätewechsel. Auf der Demopark wurden unter anderem der U 535 und der U 435 vorgestellt. Der U 535, als schwerste und leistungsstärkste Unimog-Baureihe, war mit einem Heckmähgerät von Mulag ohne zusätzliche Achsblockierung zu sehen. Der U 435 präsentierte sich mit einem Streuer von Bucher Municipal. Beide Fahrzeuge sind mit einem Dieselmotor mit 260 kW (354 PS) Leistung ausgestattet.
Das voll synchronisierte elektropneumatische Schaltgetriebe des Unimog überträgt die Leistung der Euro-VI-Motoren. Die synchronisierte Wendegruppe Electronic Quick Reverse erleichtert schnelle Richtungswechsel. Die Komfortlenkung reduziert die Lenkkräfte bei niedrigen Geschwindigkeiten und im Stand, was bei Arbeiten mit schweren Frontanbaugeräten oder großvolumiger Bereifung vorteilhaft ist. Das elektrohydraulische System passt sich geschwindigkeitsabhängig an die Fahrsituation an und erzeugt ein variables Lenkgefühl. Die Freisichtkabine mit kurzem Vorbaumaß bietet eine gute Sicht auf den Arbeitsbereich. Für alle Unimog Geräteträger mit Euro VI ist die Nachrüstung eines Abbiegeassistenten möglich. Das Zwei-Kreis-Betriebsbremssystem mit Scheibenbremsen an allen vier Rädern und das Vier-Kanal-ABS sorgen für hohe Bremssicherheit und Spurtreue bei Vollbremsungen.
Hydropneumatische Federung für mehr Effizienz
Optional ist der Unimog mit einer hydropneumatischen Federung an der Hinterachse erhältlich. Diese Federung nutzt Gas, das durch Ölvolumenänderung komprimiert oder entspannt wird. Im Zusammenspiel mit Hydraulikzylindern, Federspeichern, Hydraulikventilen, Sensoren und einer Regeleinheit ermöglicht die Hydrofeder ein konstantes Fahrniveau bei unterschiedlichen Beladungszuständen oder schweren Heckanbaugeräten. Sie trägt zu einem stabileren Fahrverhalten bei, insbesondere bei einseitigen Belastungen und Kurvenfahrten. Das System unterstützt zudem das Auf- und Absatteln von Aufbaugeräten, was Arbeitserleichterungen und geringere Rüstzeiten beim Gerätewechsel mit sich bringt.
Forschungsprojekt: Unimog mit Wasserstoffmotor
Auf der Demopark stellte Mercedes-Benz Special Trucks im Rahmen des Projekts „WaVe“ einen Prototyp des Unimog auf Basis des U 430 mit wasserstoffbetriebenem Verbrennungsmotor vor. Das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz geförderte Projekt wird von 18 Partnern aus Industrie und Wissenschaft umgesetzt und begann im Juli 2021. Mercedes-Benz Special Trucks ist Konsortialführer. Nach erfolgreichem Abschluss der ersten Testphase des H2-Motors auf dem Prüfstand im Herbst 2022 erfolgte zum Jahreswechsel der Einbau des Motors sowie der Tank-, Sicherheits- und Überwachungssysteme in den Unimog. Erste Tests im Fahrbetrieb wurden durchgeführt. Im zweiten Quartal 2023 wird der Prototyp mit einem Mäh-Aufbaugerät ausgestattet, um weitere Erkenntnisse im Arbeitsbetrieb zu gewinnen.
Ziel des Projekts WaVe ist es, zu prüfen, ob ein wasserstoffbetriebener Verbrennungsmotor die Aufgaben eines konventionellen Dieselmotors als Multienergieverteiler für den Fahrantrieb und alle Nebenabtriebe übernehmen kann. Für den Unimog könnte dies eine alternative Antriebsform darstellen, da der Geräteträger hohe Anforderungen an Leistung, Performance und Nutzlast stellt. Gleichzeitig ist der Bauraum begrenzt, was die Installation eines rein batterieelektrischen Antriebs oder wasserstoffbasierten Brennstoffzellen erschwert. Daimler Truck strebt an, bis 2039 in seinen Kernmärkten nur noch klimaneutrale Neufahrzeuge im Fahrbetrieb anzubieten. Das Unternehmen verfolgt eine Doppelstrategie bei der Elektrifizierung seines Portfolios: mit Batterie und wasserstoffbasierten Antrieben. Bis Ende Juni 2024 werden im Rahmen des Verbundvorhabens WaVe zudem komplementäre Antriebssysteme wie die sogenannte heiße Wasserstoffverbrennung im Kolbenmotor für den Unimog zu Forschungszwecken untersucht.


