Kritik an bisheriger Praxis und Forderungen für den Waldumbau
Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) spricht sich für eine grundlegende Neuausrichtung der Waldpolitik in Deutschland aus. Angesichts des Klimawandels sei eine nachhaltige Strategie erforderlich, um den Waldumbau so zu gestalten, dass Ökosysteme anpassungsfähiger und naturnäher werden. Dies soll die Widerstandsfähigkeit gegenüber Dürre und anderen Wetterextremen stärken.
Der NABU hat ein 12-Punkte-Papier vorgelegt, das Schritte für einen ökologischen Waldumbau aufzeigt. Darin wird unter anderem die Förderung der natürlichen Verjüngung des Waldes gefordert.
NABU-Präsident Olaf Tschimpke äußerte sich kritisch über bisherige Ansätze:
Es bringt nichts, die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen, wie die flächige Räumung von absterbenden Forsten und einseitig Nadelbaumarten zu fördern. Anstatt aktionistisch Geld mit der Gießkanne zu verteilen, sollte Julia Klöckner eine naturorientierte Waldwirtschaft unterstützen.
Diese Aussage erfolgte anlässlich eines Treffens von Verbänden mit Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner, das der Vorbereitung des Waldgipfels im September diente.
Staatliche Hilfen sollen laut NABU darauf abzielen, die Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes und der Ökosystemleistungen zu fördern. Bei Wiederbewaldungsmaßnahmen soll der standortheimischen Naturverjüngung Vorrang eingeräumt werden.
Bedeutung von Totholz und standortheimischen Baumarten für den Wald
Ein weiterer Punkt ist die Förderung von Totholz im Wald. Es dient als Strukturelement, Lebensraum für Insekten, Pilze und Vögel, speichert Kohlenstoff und Nährstoffe. Durch seine Zersetzung entsteht Humus, der die Wasserspeicherkapazität des Bodens erhöht. Daher sollen trockene Bäume, insbesondere Fichten, zumindest im öffentlichen Wald als Totholz belassen werden.
Sollten Anpflanzungen notwendig sein, müssen diese sich auf europäische Baumarten beschränken. Heinz Kowalski, waldpolitischer Sprecher des NABU-Präsidiums, betont:
Bei Maßnahmen zur Wiederbewaldung in Schutzgebieten dürfen ausschließlich standortheimische Bäume wie Eichen und Buchen, in Fauna-Flora-Habitat-Gebieten nur lebensraumtypische Baumarten verwendet werden.
Auch die Jagd soll einen Beitrag leisten, da eine zu hohe Wildpopulation das Aufwachsen junger Baumkeimlinge beeinträchtigen kann.
