Naturschutz

NABU: Mehr Futterhausbesucher als 2021, trotzdem weniger Vögel als im Durchschnitt

An der „Stunde der Wintervögel“ beteiligten sich 176.000 Menschen. Trotz leicht steigender Zahlen gegenüber 2021 bleibt die durchschnittliche Vogelzahl pro Garten mit 35,5 unter dem langjährigen Mittel.

NABU: Wintervogelzählung mit hoher Beteiligung

Bei der diesjährigen „Stunde der Wintervögel“ vom 6. bis 9. Januar wurden im Durchschnitt 35,5 Vögel pro Garten gezählt, verteilt auf 8,7 Arten. Damit lagen die Werte leicht über dem Vorjahr, bleiben jedoch unter dem langjährigen Durchschnitt aller Aktionsjahre.

Rund 176.000 Menschen beteiligten sich an der bundesweiten Mitmachaktion von NABU und seinem bayerischen Partner LBV. Von mehr als 120.000 Beobachtungspunkten wie Gärten, Parks und Balkonen wurden über 4,2 Millionen Vögel gemeldet. Es handelt sich um die zweithöchste Beteiligung seit Beginn der Aktion.

„Die Zahlen freuen uns sehr – es sind die zweitbesten Teilnehmendenzahlen in der Geschichte der Aktion. Nur 2021 gab es mit rund 236.000 mehr Teilnehmende, was wir vor allem auf die Ausnahmesituation des ersten Corona-Lockdowns zurückführen.“

Waldarten häufiger in Siedlungen

Die Rangliste der häufigsten Arten führt erneut der Haussperling an, gefolgt von Kohlmeise, Blaumeise und Amsel. Insgesamt wurden etwas mehr Arten und Individuen gemeldet als im Vorjahr. Insbesondere typische Waldarten wie Kernbeißer, Kleiber, Eichelhäher sowie Bunt- und Mittelspecht waren verstärkt in Gärten und Parks zu beobachten.

„Sowohl bei der Zahl der gemeldeten Arten – plus 0,4 – als auch bei der Zahl der gemeldeten Vogel-Individuen – plus 1 – ging es leicht nach oben.“

Als möglicher Grund gilt ein geringeres Angebot an Baumfrüchten in den Wäldern, wodurch die Tiere verstärkt in Siedlungsräume ausweichen. Weniger häufig gesichtet wurden hingegen klassische Wintergäste wie Erlen- und Birkenzeisig sowie Rot-, Sing- und Wacholderdrossel. Mildere Winter könnten dazu beitragen, dass diese Arten seltener nach Deutschland ziehen.

„Einige dieser Arten sind mutmaßlich Klimaverlierer, da sich durch die sich verändernden Bedingungen ihr Verbreitungsgebiet verkleinert.“

Regionale Unterschiede und Langzeittrend

Die Vogeldichte variiert regional deutlich. In Mecklenburg-Vorpommern wurden mit durchschnittlich 45,5 Vögeln pro Garten die höchsten Werte erfasst, gefolgt von Sachsen-Anhalt (43,4) und Brandenburg (41,3). Die geringsten Zahlen meldete Hamburg mit 26,4 Vögeln pro Garten.

Im bundesweiten Vergleich zeigt sich ein langfristiger Rückgang. Während im ersten Aktionsjahr 2011 noch fast 46 Vögel pro Beobachtung gezählt wurden, waren es in diesem Jahr im Schnitt zehn Vögel weniger.

„Wir sehen einen abnehmenden Trend: Während im ersten Jahr der Aktion 2011 noch fast 46 Vögel pro Beobachtung gezählt wurden, waren es dieses Jahr mit 35,5 durchschnittlich zehn Vögel weniger. Eine Entwicklung, die wir weiter im Auge behalten werden.“

Die nächste bundesweite Vogelzählung steht bereits fest: Die „Stunde der Gartenvögel“ findet vom 13. bis 15. Mai statt. Detaillierte Ergebnisse und weitere Informationen sind online abrufbar.

27.01.2022

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