Oder erhält NABU-Negativpreis „Dinosaurier des Jahres 2022“

Allgemeines

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) hat den Negativpreis „Dinosaurier des Jahres“ für 2022 an den Grenzfluss Oder verliehen. Diese Auszeichnung würdigt seit 2020 konkrete Projekte als „Umweltsauerei des Jahres“ und steht stellvertretend für den kritischen Zustand vieler Flüsse in Deutschland.

Hintergrund der Auszeichnung: Die Oder als Symbol für Flussleid

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) hat den Negativpreis „Dinosaurier des Jahres“ für das Jahr 2022 an den Grenzfluss Oder verliehen. Diese Auszeichnung, die seit 1993 vergeben wird, würdigt seit 2020 konkrete Projekte als „Umweltsauerei des Jahres“. Die Oder steht stellvertretend für den kritischen Zustand vieler Flüsse in Deutschland und das Verfehlen der Ziele der europäischen Wasserrahmenrichtlinie.

Ökologische Katastrophe an der Oder

Die Oder erlebte im Sommer 2022 eine Umweltkatastrophe. Die Einleitung stark salzhaltiger Abwässer in Kombination mit geringer Eigenwassermenge aufgrund langer Trockenheit führte zu einer hohen Schadstoffkonzentration und Versalzung des Flusswassers auf einer Länge von rund 500 Kilometern. Dies begünstigte das Wachstum giftiger Brackwasseralgen, was massive ökologische Schäden und ein weitreichendes Sterben von Wasserlebewesen, darunter Fische und Muscheln, zur Folge hatte. Schätzungen zufolge ist etwa die Hälfte der Fische in den betroffenen Abschnitten gestorben.

Der ohnehin schlechte ökologische Zustand des Flusses verschärfte die Auswirkungen. Es wird erwartet, dass es mehrere Jahre dauern wird, bis sich die Bestände im Fluss erholt haben.

Wer in diesem Jahr nach der größten Umweltsauerei sucht, hat sofort die Umweltkatastrophe an der Oder vor Augen. Besonders ins Gedächtnis gebrannt haben sich die Bilder der geschätzten 200 bis 400 Tonnen an totem Fisch, die entlang des Flusses geborgen wurden. Wir zeichnen deshalb in diesem Jahr die Oder mit dem ‘Dinosaurier des Jahres’ aus.

Dies betonte NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger.

Forderungen des NABU und die Rolle der Wasserrahmenrichtlinie

Der NABU fordert einen sofortigen Stopp aller schädlichen Umwelteinflüsse an deutschen Flüssen. Zudem wird ein Moratorium für den Ausbau und instandsetzende Unterhaltungsmaßnahmen an der Oder verlangt. Es müsse zunächst geklärt werden, ob diese Maßnahmen mit den ökologischen und chemischen Entwicklungszielen der Wasserrahmenrichtlinie sowie den aktuellen Bewirtschaftungszielen vereinbar sind.

Die europäische Wasserrahmenrichtlinie sieht vor, dass alle Oberflächengewässer bis spätestens 2027 einen guten ökologischen und chemischen Zustand erreichen. Bund und Länder sind aufgefordert, ganzheitliche Lösungen für Wasserkreisläufe zu entwickeln, Flüsse zu renaturieren und dies finanziell abzusichern.

Anpassung an den Klimawandel und Renaturierung

Angesichts der Klima- und Biodiversitätskrise müssen Oberflächengewässer widerstandsfähiger gemacht und an neue Anforderungen angepasst werden. Dies betrifft insbesondere die zunehmenden Extreme von Starkregen und langen Trockenperioden.

Versiegelung, Drainagen und Ableitungen in Böden führen nach Starkregen zu Wasseransammlungen und Überschwemmungen, insbesondere bei Gewässern, deren natürlicher Verlauf stark verändert wurde. In Trockenzeiten fehlt das Wasser, da es nicht ausreichend in Flächen und Böden gespeichert werden kann, was Natur- und Kulturlandschaften bedroht und die Grundwasserneubildung negativ beeinflusst.

Weitere Ausbaupläne, wie sie an der Oder existieren, werden als zusätzliche Belastung und nicht mehr zeitgemäß angesehen. Die Genehmigung des Oder-Ausbaus auf polnischer Seite wurde vorläufig aufgehoben, nachdem deutsche Umweltorganisationen wie NABU, DNR und BUND Brandenburg geklagt hatten, um grenzüberschreitende Auswirkungen auf geschützte Arten und Lebensräume zu verhindern.

Der NABU setzt sich für die Wiederherstellung eines naturnahen Zustands von Flüssen ein, durch natürliche Ufergestaltung, Wiederanbindung von Altarmen und Überschwemmungsflächen. Dadurch entstehen wertvolle Auen, die die Grundwasserversickerung fördern und gleichzeitig als wirksamer Hochwasserschutz dienen.

Mit der Vergabe des „Dinosaurier des Jahres“ vor dem Bundesrat in Berlin startet der NABU eine Online-Aktion, die die Umweltminister der Bundesländer zum besseren Schutz der Flüsse auffordert.

Weitere News dieser Kategorie