Naturschutz

NABU fordert naturverträgliche Bioökonomie mit klaren Belastungsgrenzen

Eine NABU-Studie fordert eine Bioökonomie innerhalb ökologischer Belastungsgrenzen. Im Fokus stehen ressourcenschonende Nutzung nachwachsender Rohstoffe, Biodiversität und effizientere Stoffkreisläufe. Vorgestellt wird zudem das Konzept einer ganzheitlichen „BioWEconomy“.

Studie zeigt Wege für ressourcenschonende und biodiversitätsfreundliche Bioökonomie

Eine nachhaltige Nutzung nachwachsender Rohstoffe darf nach Einschätzung des NABU nicht allein auf technische Lösungen und steigende Biomasseproduktion setzen. Eine neue Studie des Internationalen Instituts für Nachhaltigkeitsanalysen und -strategien (IINAS) im Auftrag des Naturschutzbundes zeigt, dass einseitige Produktions- und Nutzungskonzepte die Klima- und Artenkrise weiter verschärfen könnten.

Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die Frage, wie sich Ressourcenverbrauch und CO2-Emissionen reduzieren lassen, ohne zusätzliche Belastungen für Ökosysteme zu schaffen. Die Studie analysiert Potenziale einer nachhaltigen Bioökonomie und entwickelt mit dem Ansatz „BioWEconomy“ ein Konzept für ein ressourcenschonendes Wirtschaftssystem.

„Ein Wirtschaftssystem, das auf nachwachsende Rohstoffe setzt, entlastet nicht zwangsläufig die Natur und Umwelt. Eine einseitige und unkontrollierte Nutzung könnte die Klima- und Artenkrise sogar noch verschärfen“, erklärt NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger.

Nach Ansicht des NABU müssen Ökosysteme konsequent in wirtschaftliche und politische Entscheidungen eingebunden werden. Neben technischen Innovationen seien auch gesellschaftliche Veränderungen und ein geringerer Ressourcenverbrauch erforderlich.

Fünf zentrale Stellschrauben für nachhaltiges Wirtschaften

Die Studie benennt fünf wesentliche Maßnahmen für eine naturverträgliche Bioökonomie:

  • Festlegung einer maximal verfügbaren Biomassemenge innerhalb der ökologischen Belastungsgrenzen
  • Förderung biodiversitätsfreundlicher Anbausysteme
  • Wiederherstellung natürlicher Ökosysteme als CO2-Senken und Lebensräume
  • Veränderung von Ernährungs- und Konsumgewohnheiten sowie Verringerung des Futtermittelverbrauchs
  • Effizientere Nutzung bereits entnommener Rohstoffe durch Recycling und Kaskadennutzung

Die Autoren sehen insbesondere in der mehrfachen Nutzung von Rohstoffen und Nebenprodukten großes Potenzial zur Ressourcenschonung. Gleichzeitig wird betont, dass nachhaltiges Wirtschaften nur durch fachübergreifende Zusammenarbeit gelingen könne.

BioWEconomy als integrierter Ansatz

Mit dem Konzept der „BioWEconomy“ schlagen die Autorinnen und Autoren einen systemischen Ansatz vor, der ökologische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Aspekte stärker miteinander verknüpft. Ziel ist ein fachübergreifender Austausch, um Zusammenhänge besser zu verstehen und gemeinsame Lösungen zu entwickeln.

Vorgeschlagen wird unter anderem ein verbindlicher Rechtsrahmen in Form eines Bioökonomie-Gesetzes. Dadurch könnten Nachhaltigkeitsmaßnahmen in Bereichen wie Biodiversität, Landwirtschaft, Forstwirtschaft oder Bauwesen besser koordiniert werden.

Auch für den Garten- und Landschaftsbau gewinnen Themen wie ressourcenschonende Materialverwendung, Biodiversität und klimaangepasste Grünflächenkonzepte zunehmend an Bedeutung.

Nachwachsende Rohstoffe als Alternative zu fossilen Ressourcen

Die Bioökonomie verfolgt das Ziel, fossile Rohstoffe wie Kohle, Erdöl und Erdgas schrittweise durch nachwachsende Alternativen zu ersetzen. Zum Einsatz kommen dabei unter anderem Pflanzen, Holz, Nutztiere sowie organische Reststoffe, Mikroorganismen, Algen oder Insekten.

Nach Einschätzung des NABU kann dieser Wandel jedoch nur erfolgreich sein, wenn natürliche Ressourcen innerhalb der ökologischen Belastungsgrenzen genutzt werden und der Schutz der Artenvielfalt gleichrangig berücksichtigt wird.

12.05.2021

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