Naturschutz

Ergebnisse der „Stunde der Wintervögel“: Weniger Meisen, mehr Amseln

Die „Stunde der Wintervögel“ zeigt einen Rückgang der Vogelzahlen. Besonders Meisenarten sind betroffen, während Amseln und andere Arten zulegen. Die Ursachen könnten in der verminderten Wanderlust und dem milden Winter liegen.

Ursachen für die Bestandsentwicklung und Verschiebungen

Ein Grund für die geringeren Zahlen könnte die verminderte Wanderlust einiger Arten sein. Dies betrifft insbesondere Vögel, die im Winter normalerweise Zuzug aus kälteren nördlichen und östlichen Regionen erhalten, wie die meisten Meisenarten. Die Rückgänge bei Meisen und ähnlichen Arten waren im Norden und Osten Deutschlands geringer und nahmen Richtung Südwesten zu. Der bis zum Zählwochenende milde Winter könnte dazu geführt haben, dass manche Wintervögel ihre Zugstrecke verkürzten.

Einige Arten hatten dieses Jahr offenbar kaum Wanderlust – was zu den teils deutlichen Rückgängen geführt hat. Das gilt vor allem für jene, die im Winter häufig Besuch von ihren Artgenossen aus dem kälteren Norden und Osten bekommen. Dazu zählen auch die meisten Meisenarten.

Im Gegensatz dazu blieben Arten, die normalerweise im Winter teilweise nach Süden abwandern, in diesem Jahr häufiger in Deutschland. Bei Amseln, Rotkehlchen, Ringeltauben, Staren und Heckenbraunellen wurden die höchsten oder zweithöchsten Werte seit Beginn der Aktion ermittelt. Die Amselzahlen stiegen pro Garten um durchschnittlich 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr, der Star nahm sogar um 86 Prozent zu.

Verschiebungen in der Rangliste der Wintervögel

Diese Entwicklungen führten zu Verschiebungen in der Rangliste der häufigsten Wintervögel. Hinter dem Haussperling, der weiterhin an der Spitze steht, belegte die Amsel überraschend den zweiten Platz (zuvor Platz 5). Die Kohlmeise fiel erstmals auf Rang 3 zurück, und der Feldsperling platzierte sich zum ersten Mal vor der Blaumeise auf Rang 4.

Neben der geringen Zuglust könnten auch andere Faktoren eine Rolle gespielt haben. Es wird nicht ausgeschlossen, dass Meisen und andere Waldvögel im Frühjahr einen schlechten Bruterfolg hatten. Die Schwesteraktion „Stunde der Gartenvögel“ im Mai soll hierzu weitere Erkenntnisse liefern.

Besondere Entwicklungen bei einzelnen Arten

Die Ergebnisse der Wintervogelzählung zeigen, dass das Usutu-Virus keine Auswirkungen auf den Gesamtbestand der Amsel hatte. Obwohl in den Ausbruchsgebieten, insbesondere am Niederrhein, die Amselzahlen niedriger waren, gehört die Amsel insgesamt zu den Gewinnern der Zählung.

Besorgniserregend ist hingegen der anhaltende Rückgang des Grünfinkenbestands. Nach einem erneuten Rückgang um 28 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und über 60 Prozent gegenüber 2011 ist der Grünfink erstmals nicht mehr der sechsthäufigste Wintervogel in Deutschland und rangiert nun auf Platz acht. Ursache hierfür ist vermutlich das durch einen Parasiten verursachte „Grünfinkensterben“ (Trichomoniasis), das seit 2009 vor allem an sommerlichen Futterstellen auftritt.

Fehlinterpretationen von Ursachen

Die geringe Zahl an Wintervögeln führte zu öffentlichen Diskussionen, bei denen oft Katzen, Rabenvögel oder Greifvögel als Ursache vermutet wurden.

Diese Thesen können nicht stimmen, da keiner dieser potenziellen Fressfeinde im Vergleich zu den Vorjahren zugenommen hat. Außerdem muss der Grund einer sein, der speziell in diesem Jahr eine Rolle gespielt hat – und keiner, der immer da ist. Unsere Analyse hat sogar gezeigt: In Gärten mit Katzen oder Elstern werden gleichzeitig mehr andere Vögel beobachtet. Das Auftreten potenzieller Fressfeinde führt also keineswegs zum sofortigen Verschwinden von Vogelarten.

Die Aktion „Stunde der Wintervögel“

Der NABU und LBV rufen jährlich zur „Stunde der Wintervögel“ und „Stunde der Gartenvögel“ auf. Diese Aktionen stellen Deutschlands größte wissenschaftliche Mitmach-Aktion dar. Die nächste „Stunde der Gartenvögel“ findet vom 12. bis 14. Mai 2017 statt. Eine hohe Teilnehmerzahl trägt zur Genauigkeit der Ergebnisse bei. Die Meldungen werden auf Bundesland- und Landkreisebene ausgewertet.

31.01.2017

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