Ergebnisse der „Stunde der Wintervögel“ 2022
Bei der diesjährigen „Stunde der Wintervögel“, die vom 6. bis 9. Januar stattfand, meldeten über 146.000 Menschen ihre Vogelsichtungen an den NABU und den bayerischen Partner LBV. Von mehr als 103.000 Beobachtungspunkten, darunter Gärten, Parks und Balkone, wurden über 3,7 Millionen Vögel erfasst.
Die Meldezahlen können noch bis zum 17. Januar steigen. Erste Trends der Winterzählung zeichnen sich bereits ab. Pro Garten wurden durchschnittlich 36 Vögel und neun verschiedene Arten gemeldet. Diese Werte liegen leicht über denen des Vorjahres, aber unter dem Durchschnitt der letzten elf Jahre, in denen die Aktion durchgeführt wurde.
Die Rangliste führt wie in vielen Jahren der Haussperling an. Als zweithäufigstes wurde die Kohlmeise gesichtet. Dann folgen Blaumeise, Amsel und Feldsperling.
Der Grünfink liegt mit 1,04 Vögeln pro Garten nur knapp über dem Vorjahreswert von 0,9. Diese Art war in der Vergangenheit von Todesfällen durch Trichomonaden betroffen. Obwohl Grünfinken dieses Jahr etwas häufiger beobachtet wurden als 2021, liegen die Zahlen weiterhin deutlich unter dem Aktionsdurchschnitt von knapp zwei Vögeln pro Beobachtung. Die Erholung der Art scheint langsam zu verlaufen.
Die Blaumeisen zeigen erfreulicherweise höhere Werte als 2021. Verluste durch das in den Frühjahren 2020 und 2021 aufgetretene „Blaumeisensterben“, verursacht durch das Bakterium Suttonella ornithocola, könnten teilweise durch vermehrte Bruten ausgeglichen worden sein.
Möglich ist aber auch, dass durch Zuzug aus anderen Gebieten mehr Vögel beobachtet werden konnten. Hier werden die Ergebnisse der nächsten Vogelzählung im Mai weitere Erkenntnisse liefern.
Die Zahlen der Amseln haben sich im Vergleich zum Vorjahr leicht verbessert, liegen aber noch unter dem Aktionsdurchschnitt. Diese Art war zuvor vom Usutu-Virus betroffen.
Auffällig bei der diesjährigen Zählaktion war die häufigere Beobachtung typischer Waldarten wie Eichelhäher, Buntspecht und Kernbeißer. Dies könnte auf den Wetterumschwung und möglicherweise eine geringere Menge an Baumsamen zurückzuführen sein, die sie in Gärten und an Futterstellen lockten.
Andere Arten, die als Wintergäste in größeren Trupps auftreten, wie Wacholderdrossel, Erlenzeisig und Schwanzmeise, wurden sowohl im Vergleich zum Vorjahr als auch im Aktions-Mittel seltener beobachtet. Auch der Seidenschwanz liegt, wie bereits im letzten Jahr, unter seinem Aktionsdurchschnitt. Dies könnte eine Folge der milderen Winter in den Brutgebieten dieser Vögel in Nord- und Osteuropa sein.
Durch sich immer schneller verändernde Wetterbedingungen verändert sich auch das Zugverhalten. Es ist sehr wichtig, diese Entwicklungen weiter genau zu beobachten. Beim Arten- und Naturschutz gibt es also weiterhin viel zu tun.
Die „Stunde der Wintervögel“ wurde zum zwölften Mal durchgeführt. Beobachtungen können noch bis zum 17. Januar gemeldet werden. Die nächste Vogelzählung, die „Stunde der Gartenvögel“, findet vom 13. bis 15. Mai statt.
