GRAS-System: Weiterentwicklung für mehr Nachhaltigkeit
Die zunehmende Bedeutung der Bioökonomie führt zu einem weltweit steigenden Handel mit Biomasse. Um diesen Trend mit dem Schutz von Lebensräumen und dem Klimaschutz in Einklang zu bringen, wird das GRAS-System (Global Risk Assessment Services) weiterentwickelt. Ziel ist es, umfassendere und präzisere Daten zu land- und forstwirtschaftlichen Flächen weltweit bereitzustellen und so den Aufbau nachhaltiger und entwaldungsfreier Lieferketten zu erleichtern.
Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) fördert die Weiterentwicklung des GRAS-Systems durch die Global Risk Assessment Services GmbH aus Köln. Die Förderung läuft bis 2019. Bereits der erste Prototyp, der seit 2015 unter gras-system.org verfügbar ist, wurde vom BMEL unterstützt. Dieser Prototyp liefert auf Basis von Satellitendaten Informationen zu Anbauflächen nachwachsender Rohstoffe und zu Landnutzungsänderungen.
Damit kann ein wichtiger Beitrag zur Reduktion der klimaschädlichen Emissionen aus Entwaldungen geleistet werden.
Diese Aussage tätigte Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt am 12. November in Marrakesch anlässlich der Übergabe des Zuwendungsbescheides.
Technologischer Fortschritt durch Satellitendaten
Moderne Satellitengenerationen, wie die seit 2014 bzw. 2015 im All befindlichen Sentinel-1- und -2-Satelliten des Copernicus-Programms der ESA, liefern verbesserte Erdbeobachtungsdaten. Eine Auflösung von bis zu fünf Metern pro Pixel sowie Spektral- und wolkendurchdringende Radartechnik ermöglichen eine zuverlässigere Erkennung von Flächennutzungen. Da die Informationen alle fünf bis zehn Tage aktualisiert werden, lassen sich zeitliche Entwicklungen, wie der Zeitpunkt von Rodungen und die anschließende landwirtschaftliche Nutzung, nachvollziehen. Diese technologischen Fortschritte sollen nun in das GRAS-System integriert werden. Auditoren können dadurch im Rahmen einer Nachhaltigkeitszertifizierung Unternehmen, die Rodungen vornehmen, aus Lieferketten ausschließen.
Erweiterung der Systemfunktionen
Eine zentrale Herausforderung ist die Unterscheidung zwischen der Wiederanpflanzung bestehender Plantagen und der Rodung von Regenwäldern. Das Projekt erfordert die Verarbeitung größerer Datenmengen aus verschiedenen Quellen. Zudem sollen weitere Nachhaltigkeitsinformationen, wie zur Artenvielfalt, zur Ressource Wasser oder zu sozialen Indikatoren, mit den Geodaten verknüpft werden. Geplant sind auch die Integration einer Warnfunktion bei Waldbränden und die Erkennung kleinräumiger Entwaldungen. Des Weiteren sollen neue Abschätzungen der ober- und unterirdischen Kohlenstoffgehalte von Flächen sowie deren Darstellung in Kohlenstoff-Karten ermöglicht werden.
Während der erste GRAS-Prototyp für landwirtschaftliche Anwendungen konzipiert war, zielt die Weiterentwicklung stärker auf die Bedürfnisse einer nachhaltigen Forstwirtschaft ab und soll die Bekämpfung illegaler Rodungen unterstützen. Das erweiterte GRAS-System, das ab 2020 zur Verfügung stehen soll, wird Länder in Süd- und Mittelamerika, Südostasien, Afrika, Australien sowie weitere europäische Länder abdecken. Es soll Unternehmen der Bioökonomie und anderen Anwendern dabei helfen, nachhaltige und entwaldungsfreie Lieferketten aufzubauen und somit zum Klimaschutz beizutragen.
Das BMEL fördert dieses Vorhaben über seinen Projektträger Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR). Weitere Informationen sind auf der FNR-Homepage unter dem Förderkennzeichen 22015416 verfügbar.
