Hintergrund und Zielsetzung der Moorbodenschutz-Projekte
Entwässerte Moorböden, die in Deutschland etwa 1,3 Millionen Hektar landwirtschaftlicher Fläche umfassen, sind für rund sieben Prozent der nationalen Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. Die Entwässerung führt dazu, dass der Torf mit Sauerstoff in Kontakt kommt, sich zersetzt und dabei Kohlenstoff in Form von CO2 freisetzt. Die Wiedervernässung dieser Flächen ist der einzige Weg, diese Emissionen zu stoppen und den verbleibenden Torf zu erhalten.
Die sich auf wiedervernässten Flächen etablierenden oder gezielt angebauten moortypischen Pflanzen, die sogenannte Moorbiomasse, eignen sich zwar nicht als Futter für Milchkühe oder als Nahrungsmittel, können jedoch als Rohstoff für verschiedene Produkte oder als Energieträger dienen. Diese gezielte Nutzung von Moorbiomasse bei gleichzeitigem Torferhalt wird als Paludikultur bezeichnet. Für einen gesellschaftlich akzeptierten und großflächigen Moorbodenschutz ist die erfolgreiche Umsetzung dieses Konzepts von großer Bedeutung.
Ein zentrales Anliegen der Vorhaben ist die Entwicklung funktionierender Wertschöpfungsketten, insbesondere in den Industriezweigen Baustoffe, Papier und Faserstoffe, Gartenbausubstrate sowie in der Energieerzeugung. Die Forschenden entwickeln und optimieren nicht nur Produkte, sondern suchen auch den Austausch mit Industrievertretern und Praktikern, um Anforderungen und mögliche Hürden zu identifizieren. Da der Aufbau solcher Wertschöpfungsketten Zeit benötigt, sind die Vorhaben auf eine Laufzeit von bis zu zehn Jahren ausgelegt. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) unterstützt diese Projekte mit Mitteln aus dem Klima-Transformations-Fonds (KTF).
Neben der Verwertung und dem Anbau wird in allen Modell- und Demonstrationsvorhaben (MuD-Vorhaben) eine wissenschaftliche Begleitforschung durchgeführt. Diese untersucht, wie sich Treibhausgasaustausch, Böden, Hydrologie, Wasserqualität und Biodiversität auf den wiedervernässten Flächen entwickeln.
Die Verbundvorhaben im Überblick
PaludiZentrale
Die Universität Greifswald, die Michael Succow Stiftung und das Thünen-Institut koordinieren und vernetzen alle Modellvorhaben. Sie stellen die Einheitlichkeit und Vergleichbarkeit der erhobenen Daten sicher, werten diese übergreifend aus und leiten Empfehlungen für wirtschaftlich lohnende Paludikulturen und deren Verwertung in regionalen Wertschöpfungsketten ab. Zudem verantworten sie den Wissenstransfer und die Vernetzung mit den vom BMUV geförderten Pilotvorhaben zum Moorbodenschutz.
WetNetBB
Fünf Brandenburger Einrichtungen unter der Koordination des Leibniz-Instituts für Agrartechnik und Bioökonomie (ATB) demonstrieren den Umstieg auf die nasse Bewirtschaftung. Ein besonderer Ansatz in WetNetBB ist die Arbeit mit sich selbst etablierenden Mischbeständen, vor allem aus Nasswiesengräsern, anstatt mit Reinbeständen. Diese Mischbestände gelten als biodiverser und widerstandsfähiger gegenüber Umwelteinflüssen. Die Forschenden haben hierfür eine breite Palette an Moorflächen in vier Regionen ausgewählt, die sukzessive erweitert werden soll. Aus der Biomasse sollen Produkte wie Baustoffe, Papier, Biochemikalien und Biogassubstrat entstehen.
RoNNi
Im Mittelpunkt dieses Verbundes, koordiniert vom 3N Kompetenzzentrum Niedersachsen Netzwerk Nachwachsende Rohstoffe und Bioökonomie e. V., steht die Pflanzengattung Typha (Rohrkolben). Auf zwei Niedermoorstandorten in den Landkreisen Cuxhaven und Emsland sollen auf jeweils knapp zehn Hektar qualitativ hochwertige Typha-Biomasse erzeugt werden. Ziel ist die Herstellung von Baustoffen und Gartenbausubstraten. Das RoNNi-Team plant zudem, Modellregionen mit entsprechenden Verarbeitungsketten zu etablieren und den Austausch mit Akteuren wie Landwirten, Flächeneigentümern, Wasser- und Bodenverbänden sowie Kommunen zu fördern, um regionale Netzwerke aufzubauen.
MOOSland
Da über 80 Prozent der deutschen Hochmoorflächen in Niedersachsen liegen und Hochmoortorfe ein wichtiger Ausgangsstoff für gartenbauliche Substrate sind, ist in diesem Bundesland eine bedeutende Torf- und Substratindustrie angesiedelt. Diese soll aus Klimaschutzgründen in den kommenden Jahren aus der Torfverwendung aussteigen. Gleichzeitig stellen Torfmoose, die typisch für Hochmoore sind, in frisch geernteter Form einen hervorragenden Torfersatzstoff dar. Die Universität Greifswald entwickelt in MOOSland gemeinsam mit sieben Partnern aus Niedersachsen Paludikulturen mit Torfmoosen weiter. Zwei bestehende Pilotflächen sollen optimiert und um mindestens sieben Hektar erweitert werden. Durch Agrarstrukturanalyse und Stakeholder-Beteiligung sollen Hemmnisse und Lösungsansätze für die großflächige Umsetzung erarbeitet und die Implementierung von Torfmoos-Paludikultur auf weiteren Flächen initiiert werden. Zur Erleichterung der Vermarktung als Substrat ist die Vorbereitung einer RAL-Gütesicherung für Torfmoose geplant. Auch die Entwicklung geeigneter Substratmischungen und die Anpassung der Kulturführung sind Teil des Projekts.
