Hamburgs Engagement für den Naturschutz in der Großstadt
Das Artensterben hat weltweit, aber auch in Deutschland, ein bedrohliches Ausmaß angenommen. In Hamburg müssen wir dem nicht tatenlos zusehen, sondern können auch als Großstadt dieser Entwicklung entgegenwirken. Mit dem Projekt ‚Natürlich.Hamburg!‘ tun wir genau das und ich freue mich sehr, dass der Bund uns hier unterstützt. Naturschutzgroßprojekte des Bundes gibt es bisher überwiegend nur auf dem Land und jetzt zum ersten Mal in einer Metropole. Wir bringen das Management von Grünflächen und Parks auf der einen und von Naturschutzgebieten auf der anderen Seite zusammen. Wir wollen zeigen, dass naturbelassene Bereiche auch in gepflegte Parks passen und spannende Naturerlebnisse bieten. Wer künftig in Naturschutzgebiete geht, soll dort einladende Wege, Erklärungen und Aussichtsplätze finden, die das Naturerleben erleichtern, ohne die Natur zu gefährden. Damit steigern wir die Attraktivität von Hamburgs Grün und leisten gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zum Arten- und Biotopschutz in der Stadt. Auch seltene Arten wie Waldkauz oder Wachtel, Moorfrosch oder Biber werden in Hamburg so hoffentlich noch bessere Lebensräume finden.
Dies erklärte Umweltsenator Jens Kerstan. Matthias Herbert, Leiter der Abteilung „Natur und Landschaft in Planung und Nutzung“ im Bundesamt für Naturschutz (BfN), ergänzte:
‚Natürlich Hamburg!‘ setzt zentrale Forderungen des Naturschutzes an eine integrierte Stadtentwicklung um, die städtisches Grün als unverzichtbaren Bestandteil mit einschließt. Dazu gehört die Förderung der biologischen Vielfalt nicht nur an den Rändern, sondern auch im Innenbereich einer Großstadt. So soll es in Parks künftig mehr naturbelassene Bereiche geben. In Naturschutzgebieten werden im Rahmen des Projekts zudem gefährdete Tier- und Pflanzenbestände gestärkt. Zugleich soll das Naturerleben für die Bewohnerinnen und Bewohner durch eine behutsame Erschließung erleichtert werden. ‚Natürlich Hamburg!‘ unterstützt damit die Verankerung von urbaner grüner Infrastruktur als unerlässlichen Bestandteil der integrierten Stadtentwicklung.
Hamburg zeichnet sich durch seine Lage in drei Landschaftszonen (Geest, schleswig-holsteinisches Hügelland, Elbe-Urstromtal) aus, was zu einer vielfältigen Stadtnatur und einem Hotspot der biologischen Vielfalt führt. Die enge Verzahnung von Bebauung und naturnahen Flächen ist in Hamburg besonders ausgeprägt. Dieses Naturkapital soll gesichert und weiterentwickelt werden, um es als festen Bestandteil der Stadtentwicklung zu etablieren. Grün- und Parkanlagen mit naturnahen Bereichen sowie artenreiche, zugängliche Naturschutzgebiete tragen zum Wohlbefinden der Stadtbevölkerung bei. Eine aktuelle Naturbewusstseinsstudie des BfN zeigt, dass Stadtnatur für über 90 Prozent der Bevölkerung wichtig für Erholung, Entspannung, Gesundheit und Lebensqualität ist.
Projektphasen und konkrete Maßnahmen für Hamburgs Natur
Für „Natürlich Hamburg!“ wurden Naturschutzgebiete, Parks und andere Grünanlagen in ganz Hamburg sowie vier Ausfallstraßen mit Straßenbegleitgrün ausgewählt. In Projekt I (2017 bis 2021) werden neben ersten sichtbaren Maßnahmen der Zustand dieser Flächen detailliert erfasst und anschließend ein Pflege- und Entwicklungsplan erstellt. Die Erhebung beginnt in den innerstädtischen Parks „Walanlagen“ und „Planten un Blomen“ sowie im citynahen Naturschutzgebiet „Eppendorfer Moor“.
Auch Straßenränder werden auf ihr Naturpotenzial untersucht. Große Ausfallstraßen wie die Eiffe- und Bergedorfer Straße sowie die Hamburger Straße bis Bergstedt sollen durch naturnahe Vegetation ökologisch vielfältiger gestaltet werden. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit Bezirken, lokalen Initiativen, Schulen, Sportvereinen und Wohnungsbaugenossenschaften. Als Pilotprojekt für naturnahe Bereiche in Parks ist ein Schaugarten in „Planten un Blomen“ geplant.
In der zweiten Phase (Projekt II), die von 2022 bis 2031 vorgesehen ist, sollen die Maßnahmen des Pflege- und Entwicklungsplans umgesetzt werden. Insgesamt sind 21 Park- und Grünanlagen, 19 Naturschutzgebiete und drei Bereiche des Biotopverbunds in ganz Hamburg als Fördergebiet für Projekt II vorgesehen, was rund 6.200 Hektar der Stadtfläche umfasst. Geplant sind unter anderem die Anlage artenreicher Blumenwiesen in Parks, die Förderung von Wildstauden sowie die Sicherung von Altbäumen und Totholz in Grünanlagen.
Die Naturschutzgebiete sollen ökologisch aufgewertet und durch ausgeschilderte Rundwege, Schautafeln und Naturerlebnis-Apps besucherfreundlicher gestaltet werden. Für Projekt I sind insgesamt 2,9 Millionen Euro veranschlagt, wovon 2,1 Millionen Euro (75 Prozent) vom Bundesumweltministerium über das Programm „chance.natur-Bundesförderung Naturschutz“ gefördert werden. Die restlichen 25 Prozent trägt Hamburg aus Haushaltsmitteln. Für Projekt II sind insgesamt 18,8 Millionen Euro vorgesehen. Die Koordination und Umsetzung des Projekts erfolgt durch ein Projektteam der Hamburger Behörde für Umwelt und Energie (BUE), während das Bundesamt für Naturschutz die fachliche Begleitung auf Bundesebene übernimmt.
Hintergrund des Förderprogramms „chance.natur“
Das Förderprogramm „chance.natur – Bundesförderung Naturschutz“ des BfN besteht seit 1979. Es fördert Gebiete, die national und international für den Naturschutz von hohem Wert sind und für den jeweiligen Lebensraumtyp in Deutschland als besonders charakteristisch und repräsentativ gelten. Seit 1979 wurden 79 Naturschutzgroßprojekte mit einer Gesamtfläche von über 4.000 Quadratkilometern gefördert. Seit 2007 liegt ein neuer Schwerpunkt auf „Urbanen/industriellen Landschaften“.
