Palmöl in Biokraftstoffen: Eine alarmierende Entwicklung
Eine aktuelle Studie der Umweltorganisation „Transport & Environment“ bestätigt die Bedenken des NABU hinsichtlich der Verwendung von Palmöl in Biokraftstoffen. Demnach wird der größte Teil der europäischen Palmölimporte inzwischen im Kraftstoffsektor eingesetzt, noch vor der Nutzung in Lebensmitteln und Kosmetika.
Im vergangenen Jahr stieg der Einsatz von Palmöl in europäischem Biodiesel um drei Prozent auf insgesamt 3,35 Millionen Tonnen. Die Studie zeigt zudem, dass Biodiesel auf Palmölbasis dreimal höhere CO2-Emissionen verursacht als fossiler Diesel.
Während sich viele Konsumenten zu Recht Gedanken um palmölfreie Lebensmittel machen, wird ein Großteil des Palmöls einfach in unseren Motoren verfeuert. Das ist nicht nachvollziehbar und führt klimapolitisch in die Sackgasse.
Dies erklärte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Er betonte, dass Biokraftstoffe, insbesondere auf Palmölbasis, nicht geeignet seien, die Klimaziele im Verkehrsbereich zu erreichen.
Biokraftstoffe und Klimaziele
Miller zufolge ist der Ansatz, verbrauchsstarke Verbrennungsmotoren mit vermeintlich treibhausgasneutralen Kraftstoffen zu betreiben, nicht zielführend. Jährlich würden große Flächen Tropenwald für die Produktion von billigem Palmöl gerodet und zerstört. Er plädiert stattdessen für effizientere Fahrzeuge, den Ausbau der Elektromobilität und erneuerbare Energien.
Strengere CO2-Grenzwerte für Pkw und Lkw seien ein wirksameres Mittel zur Emissionsreduzierung als der Versuch der Automobilkonzerne, die Klima-Verantwortung auf die Mineralölindustrie abzuwälzen. Der NABU kritisiert die Diskrepanz, dass in vielen Tropenwaldregionen Wälder als Kohlenstoffspeicher geschützt werden, während gleichzeitig Flächen für Palmöl gerodet werden.
Die Auswirkungen der verfehlten europäischen Biokraftstoff-Politik können wir jeden Tag beobachten, zum Beispiel in unseren Projektregionen in Indonesien. Die Waldflächen schrumpfen hier bedrohlich und damit auch der Lebensraum für gefährdete Arten und indigene Völker. Herrschte in anderen Weltregionen ein ähnlicher Durst nach palmölbasiertem Diesel wie in Europa, bräuchten wir eine Anbaufläche in der Größe der verbleibenden Regenwälder Borneos, Sumatras und Malaysias.
Dies äußerte Tom Kirschey, Leiter des NABU-Asienprogramms.
Politische Rahmenbedingungen
Die Europäische Kommission arbeitet derzeit an einem Vorschlag zur Novellierung der Richtlinie für Erneuerbare Energien (RED), die den zulässigen Anteil von Biokraftstoffen regeln wird. Ein Entwurf sieht eine minimale Reduktion des Biokraftstoffanteils im Verkehrsbereich von 4,9 Prozent auf 3,8 Prozent bis zum Jahr 2030 vor.
Dies würde weiterhin die Beimischung von Pflanzenölen wie Palmöl mit negativen Auswirkungen für Natur und Klima zulassen. Der NABU fordert stattdessen einen schrittweisen Ausstieg aus landbasierten Biokraftstoffen bis hin zu einem vollständigen Verbot.
