Ausbreitung der Auwaldzecke in Deutschland
Eine Citizen-Science-Studie unter Leitung von Prof. Ute Mackenstedt von der Universität Hohenheim sammelte über 8.000 Zecken aus ganz Deutschland, von denen über 7.000 Funde ausgewertet wurden. Die Mehrheit der eingesendeten Zecken gehörte zur Gattung Dermacentor, insbesondere die Auwaldzecke Dermacentor reticulatus.
Der Großteil davon sind Zecken der Gattung Dermacentor, darunter vor allem die Auwaldzecke Dermacentor reticulatus. Die Einsendungen kamen aus allen Bundesländern. Daran sehen wir, dass sich die Auwaldzecke bundesweit ausbreitet.
Die Auwaldzecke kann, ähnlich wie der Holzbock, das FSME-Virus übertragen. Das FSME-Virus wurde in bundesweit verbreiteten Auwaldzecken nachgewiesen. Zeckenstiche können die Viren auf Menschen übertragen und zu FSME-Erkrankungen führen.
Tropenzecken: Abhängigkeit von Wetterbedingungen
Im Rahmen des Forschungsprojekts wurde auch die Verbreitung der Tropenzecken Hyalomma untersucht, die durch Zugvögel nach Deutschland gelangen. Im Jahr 2021 wurden 10 Tropenzecken registriert, während es in den Jahren 2019 und 2020 insgesamt 191 waren.
Im Jahr 2021 wurden uns nur 10 Tropenzecken zugesendet. In den beiden Jahren hatten wir warme Sommer mit langen Trockenperioden, während die Temperaturen 2021 niedriger waren. Das deutet darauf hin, dass die Entwicklung der Tropenzecke von den Wetterbedingungen abhängt.
Mit zunehmend heißen Sommern und langen Trockenphasen könnten sich Tropenzecken in Deutschland etablieren. Diese Zecken können Krankheitserreger wie das Zecken-Fleckfieber übertragen.
Regionale Unterschiede bei FSME-Fällen
Im Jahr 2021 wurden 416 FSME-Fälle gemeldet, ein Rückgang gegenüber 712 Fällen im Jahr 2020. Obwohl die Fallzahlen in Süddeutschland zurückgingen, treten die meisten Erkrankungen weiterhin in Baden-Württemberg und Bayern auf.
Wenn man einzelne Landkreise betrachtet, zeigen sich ganz unterschiedliche Entwicklungen. In manchen Kreisen nahmen die Fälle ab, in anderen traten hingegen mehr Fälle auf. Insgesamt sind in Süddeutschland besonders höher gelegene Landkreise betroffen.
Dies deutet darauf hin, dass sich FSME-infizierte Zecken in höhere Gebiete bewegen. Auch auf Bundesebene gibt es regionale Unterschiede bei den FSME-Fällen.
FSME-Ausbreitung in Norddeutschland und Forschungsbedarf
Während die Fallzahlen in Süddeutschland rückläufig waren, breitet sich FSME in Norddeutschland aus.
Während die Fallzahlen in Süddeutschland zurückgingen, breitet sich FSME in Norddeutschland zunehmend aus. Das deutet darauf hin, dass unterschiedliche Umweltfaktoren in den beiden Regionen Einfluss auf die Verbreitung der Krankheit haben.
Diese Erkenntnis unterstreicht den Forschungsbedarf zur Epidemiologie der FSME und die Notwendigkeit einer angepassten Impfstrategie.
Hintergrundinformationen zu FSME und Auwaldzecke
Die Erreger der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) werden durch europäische Zecken wie den Holzbock und die Auwaldzecke übertragen. In Risikogebieten liegt die Wahrscheinlichkeit einer FSME-Infektion nach einem Zeckenstich bei 1:50 bis 1:100.
Nach etwa 10 Tagen treten grippeähnliche Symptome auf. Bei rund einem Drittel der Patienten folgt nach einer vorübergehenden Besserung ein erneuter Fieberanstieg mit einer zweiten Krankheitsphase. Leichte Verläufe äußern sich oft durch starke Kopfschmerzen. Bei schwereren Verläufen können Gehirn und Rückenmark betroffen sein, mit Symptomen wie Koordinationsstörungen, Lähmungen, Sprach- und Sprechstörungen, Bewusstseinsstörungen und epileptischen Anfällen. Die Krankheit verläuft bei etwa 1 % der Patienten tödlich. Eine Impfung kann schützen, da nach Ausbruch der Krankheit nur die Symptome therapiert werden können.
Die Auwaldzecke Dermacentor reticulatus gehört zur Gattung der Buntzecken. Sie sind groß und weisen ein auffällig gemustertes Rückenschild auf. Diese heimische Art kann Menschen befallen und Krankheiten, einschließlich FSME, übertragen. Buntzecken bevorzugen in der Regel Wildtiere als Wirte, befallen im erwachsenen Stadium jedoch auch häufig Haustiere wie Hunde oder Katzen.
