Naturschutz

Vogelschutz als Indikator für Biodiversität: Herausforderungen und Erfolge

Der Schutz der biologischen Vielfalt in Deutschland erfordert konsequenten Vogelschutz und belastbares Monitoring. Ein neuer Bericht beleuchtet, wie Schutzbemühungen zielgerichtet gesteuert und Erfolge messbar gemacht werden können, um die internationalen Biodiversitätsziele zu erreichen.

Bedeutung des Vogelschutzes für die Biodiversität

Der Schutz der biologischen Vielfalt in Deutschland erfordert einen konsequenten Vogelschutz und ein belastbares Monitoring. Dies ist entscheidend für die Umsetzung der internationalen 2020-Ziele. Der Bericht „Vögel in Deutschland 2010“, erstellt vom Bundesamt für Naturschutz (BfN), dem Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) und der Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten, beleuchtet, wie Schutzbemühungen zielgerichtet gesteuert und Erfolge messbar gemacht werden können.

Der Bericht konzentriert sich auf zehn der 20 internationalen Biodiversitätsziele, die im November 2010 in Nagoya verabschiedet wurden. Anhand der Vogelwelt wird exemplarisch dargestellt, wie Schutzmaßnahmen geschärft und Fortschritte überprüft werden können. Die Themen reichen von der gesellschaftlichen Wertschätzung der Natur über konkrete Artenschutzmaßnahmen und die Ausweisung von Schutzgebieten bis hin zur Wissensvermittlung.

Lebensraumverlust als zentrale Herausforderung

Zu den wesentlichen Gefährdungsfaktoren zählen die intensive Landnutzung sowie der Verlust und die Zerschneidung von Lebensräumen. Unzerschnittene Land- und Meeresräume gehen durch Infrastrukturprojekte wie Verkehrswege, Stromleitungen und den Ausbau der Windenergienutzung verloren. Besonders betroffen sind Arten mit großen Raumansprüchen, wie Schreiadler und Auerhuhn, sowie Rastgebiete von Seetauchern und Meeresenten auf hoher See.

Diese empfindlichen Arten und ihre Lebensräume müssen besonders geschont werden, um die Vielfalt unserer Vogelarten wirksam zu erhalten.

Veränderungen in der Landnutzung wirken sich ebenfalls aus. Der zunehmende Anbau von Energiepflanzen und die Intensivierung der Bewirtschaftung verstärken den Rückgang der Agrarvögel. Die Erhaltungssituation fast aller am Boden brütenden Agrarvogelarten, wie Rebhuhn, Kiebitz und Feldlerche, hat sich gegenüber den Vorjahren weiter verschlechtert.

Positive Entwicklungen sind bei einzelnen, ehemals stark bedrohten Arten wie Seeadler und Kranich zu verzeichnen. Hier tragen gezielte Artenhilfsprogramme und ein verbessertes Management von Schutzgebieten zum Bestandserhalt bei.

Monitoring als Grundlage für Steuerung und Bewertung

Vögel gelten in Deutschland als die am besten untersuchte Artengruppe. Ihre Bestandsdaten bilden die Grundlage für den bundesweiten Indikator „Artenvielfalt und Landschaftsqualität“. Im Berichtsjahr 2008 erreichte dieser Indikator lediglich 69 Prozent des angestrebten Zielwertes für 2015, was auf weiterhin bestehenden Handlungsbedarf hinweist.

Das sogenannte „2010-Ziel“, den Verlust an biologischer Vielfalt signifikant zu reduzieren, wurde verfehlt. Mit der in Nagoya formulierten „Mission 2020“ haben sich die Vertragsstaaten des Übereinkommens über die biologische Vielfalt auf 20 konkrete Ziele bis 2020 geeinigt.

Breite gesellschaftliche Beteiligung

Die Vogelbeobachtung spielt nicht nur fachlich, sondern auch gesellschaftlich eine wichtige Rolle. Mehrere Hunderttausend Menschen in Deutschland beschäftigen sich mit der Beobachtung von Vögeln. Über 5.000 Ehrenamtliche beteiligen sich regelmäßig an Erfassungsprogrammen, leisten jährlich mehr als 200.000 Arbeitsstunden und erbringen damit eine Wertschöpfung von fünf bis zehn Millionen Euro.

Vögel sind gute Gradmesser für den Zustand der Natur und gleichzeitig geeignet, das Bewusstsein für die Natur in der Gesellschaft zu stärken. Allein mehr als 5.000 Ehrenamtliche beteiligen sich derzeit regelmäßig an zeitaufwändigen Vogelerfassungen, leisten jährlich über 200.000 Stunden Arbeit und erbringen eine Wertschöpfung von 5 bis 10 Mio. Euro.

In Deutschland brüten regelmäßig 260 Vogelarten, weitere 65 Arten treten als Durchzügler oder Wintergäste auf. Insgesamt wurden in den vergangenen 200 Jahren mehr als 500 natürlich vorkommende Arten nachgewiesen. Für Politik, Planung und Praxis bleibt der Vogelschutz ein zentraler Gradmesser für den Zustand der biologischen Vielfalt.

23.04.2011

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